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Jason Joseph hat sich für die WM neu programmiert

Der Baselbieter Hürdensprinter muss die Nervosität und seine Erwartungen in den Griff kriegen, um bei den Titelkämpfen der Leichtathleten in Doha zu reüssieren.
Rainer Sommerhalder
Jason Joseph ist der jüngste Schweizer WM-Teilnehmer in einer Einzeldisziplin. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone, Doha, 29.9.2019)

Jason Joseph ist der jüngste Schweizer WM-Teilnehmer in einer Einzeldisziplin. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone, Doha, 29.9.2019)

Eigentlich ist Jason Joseph ja eine coole Socke. Der jüngste Schweizer Einzelstarter an der Leichtathletik-WM gibt sich gerne locker und überzeugt. Zu Beats von afrikanischer und karibischer Musik geht beim 20-Jährigen die Post ab. Dann singt er schon mal lautstark oder tanzt sich die Anspannung vom Leib. «Aber nur, wenn niemand zuschaut. Wenn ich allein bin, dann tönt es immer super», sagt er schmunzelnd.

Auch im Sport gibt Joseph, dessen Vater von der Karibikinsel St. Lucia stammt, gerne den Takt an. Er formuliert seine Ziele offensiv und traut sich etwas zu. «Ich weiss, dass ich eine Zeit von 13,20 Sekunden in den Beinen habe», sagte der Hürdensprinter bereits vor drei Monaten selbstbewusst. Zur Einordnung: Sein Schweizer Rekord liegt bei 13,39.

Das schlechte Zimmer bereitet ihm keine Sorgen

Joseph ist ein Mensch, der die Dinge positiv sieht und Andere zum Lachen bringen möchte. Deshalb will er auch nicht ins grundsätzliche Klagelied seiner Teamkolleginnen Sarah Atcho und Lea Sprunger über die inakzeptablen Zustände für die Athleten in Doha einstimmen. Er sagt zwar, es sei «das schlechteste Hotelzimmer, das ich je an einem Wettkampf gesehen habe», betont aber zugleich, dies beeinträchtige sein Leistungsvermögen nicht.

Einen Tag vor dem WM-Debüt gibt sich der Baselbieter betont zurückhaltend. «Lange machte ich in diesem Sommer den Fehler, mich viel zu stark auf die Zeit zu fokussieren. Ich wollte zeigen, zu was ich fähig bin. Dadurch war ich verbissen.»

Inzwischen hat er mental einen anderen Ansatz implementiert. «Ich konzentriere mich auf einen sauberen Lauf. Jede Hürde ist eine Chance, eine bessere Zeit zu laufen.» Grosse Ankündigungen hört man vom Wirtschaftsmittelschüler in Doha nicht mehr. «Etwas vorauszusagen, ist ungleich einfacher, als es umzusetzen. Damit das gelingt, muss ich am Tag X meine Nervosität abstellen können.»

Man vergisst aufgrund der Leistungsentwicklung von Joseph schnell, wie jung er noch immer ist. Die mentale Arbeit beim Umgang mit äusseren Einflüssen bleibt umso wichtiger. Für sein eben begonnenes, zweijähriges Time-out in der Mittelschule, das der besseren Regeneration dienen soll, hat er mit seinem Mentaltrainer einen detaillierten Wochenplan aufgestellt. Damit der Tag so strukturiert verläuft wie hoffentlich heute auch Josephs Lauf über die zehn Hürden.

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