FUSSBALL
Jetzt beginnt beim SC Kriens die Rechnerei – sechs Punkte zur Glückseligkeit?

Trotz Sieg bei Xamax: Die Krienser strampeln weiter im Abstiegsstrudel – heute gegen den FC Wil (18.15, Kleinfeld) vor 100 Zuschauern.

Turi Bucher
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Krienser Jubel nach einem Tor gegen Wil: Auch heute wieder?

Krienser Jubel nach einem Tor gegen Wil: Auch heute wieder?

Bild Marc Schumacher/Freshfocus (Wil, 20. März 2021)

Es war ein bravouröser 3:0-Sieg der Krienser Challenge-League-Truppe am Dienstag in Neuenburg gegen Xamax, einer, der ziemlich unerwartet kam, erst recht in dieser Deutlichkeit. Kriens-Sportchef Bruno Galliker hütete sich hinterher, sein Team in den Fussball-Himmel zu heben. Er lobte, gratulierte, sagte dann aber sehr bald: «Was am Dienstag war, interessiert mich nicht mehr. Vielmehr interessiert mich der Samstag, und da wartet der nächste ‹Cup-Match› auf uns, gegen den FC Wil.» Mit «Cup-Match» meint Galliker: Jede der letzten sechs Partien im Saisonendspurt ist für Kriens wie ein Cupfight. Sein oder Nichtsein, Spiel um Spiel.

Sein oder Nichtsein heisst es für Kriens auch weiterhin, was die buchhalterische Überlebensstrategie betrifft. Der SCK möchte gerne das A-fonds-perdu-Geld, das vom Schweizer Bund für die Vereine bereitgestellt wird, beanspruchen. Basis der Berechnung für die fehlenden Ticketgelder ist die Saison 2018/19. Nur: Will Kriens kassieren, darf es die Gesamtlohnsumme im Verein innerhalb der nächsten fünf Jahre nur um den Betrag der jährlichen Teuerung erhöhen (hier dient die Saison 2019/20 als Berechnungsbasis). «Fünf Jahre lang keine Entwicklungsmöglichkeit», ist demzufolge klagend aus den Krienser Kleinfeld-Katakomben zu hören. Betroffen sind dabei nicht nur die Saläre der Profifussballer – denn Kriens zahlt sowieso die tiefsten Löhne der Liga –, sondern auch jene der übrigen SCK-Angestellten. «Wir dürften nach aktuellstem Stand in den nächsten fünf Jahren nicht mal eine zusätzliche Servicekraft im Restaurant einstellen», sagt SCK-Finanzchef Simon Bachmann. Die achtköpfige SCK-Geschäftsleitung steckte deshalb am Abend des erfolgreichen Spiels in Neuenburg in einer Sitzung die Köpfe zusammen. Mit dem Resultat: Vertagung des Entscheids.

Kriens erfuhr übrigens am Freitag von der Liga den Entscheid über die beantragte Lizenz für eine weitere Saison in der Challenge League. Die Sperrfrist für die Veröffentlichung des Entscheids läuft bis Montagvormittag. Die Krienser mussten diese Woche zwar noch ein Dokument nachliefern, erwarteten aber nichts anderes als einen positiven Bescheid.

36 Punkte aus 36 Spielen – das müsste genügen

Zurück auf den Rasen. Während der Tabellenletzte Chiasso schon gestern spielte (im Tessin gegen Stade Lausanne-Ouchy, siehe Seite 43), muss Kriens heute gegen Wil die nächsten «Big Points» landen. «36Punkte könnten», so Galliker, «zum Ligaerhalt reichen.» Das heisst, Kriens würde ab jetzt noch sechs Punkte benötigen. Denn Galliker meint: «Zeigen Sie mir die Schlussstabelle in einer Spitzenliga, in welcher ein Team gleich viele Punkte wie Spiele hat und trotzdem auf dem letzten Rang landet! Wer in 36 Spielen ebenso viele Punkte holt, wird nicht Letzter, wird nicht absteigen.»

Wichtig ist für Galliker: «Wie schon gegen Xamax dürfen wir den Wilern wenig überlassen, wenig zulassen, müssen frech und mit Freude vorwärts spielen.» Mangelnde Effizienz konnte man der überraschenden SCK-Mannschaft in Neuchâtel tatsächlich nicht ankreiden. Dass der heutige Gegner am Dienstag daheim Aarau gleich mit 7:0 (!) überfuhr, irritiert Galliker nicht. Was für Wil am Dienstag mehr oder weniger den Abschied aus dem Abstiegskampf bedeutete, heisst für Kriens heute: Die Weichen in Richtung rettenden Bahnhof namens «Ligaerhalt» können definitiv gestellt werden. Ein kleiner statistischer Vergleich: Kriens hat in dieser Saison gegen Xamax in vier Spielen zehn Punkte geholt; gegen Wil in drei Spielen auch schon sechs.

«Druck ist ein schlechtes Werkzeug»

Was kann der Sportchef persönlich dazu beitragen, dass die für den Ligaverbleib nötigen Punkte noch erkämpft werden, ohne das grosse Zittern bis zum Schluss herauszufordern? «Positiv ausgerichtete Einzelgespräche zum Beispiel», sagt Galliker, «ganz ohne Druck freilich, denn Druck ist in einem Abstiegskampf ein schlechtes Werkzeug, ein schlechter Ratgeber.»

Das Krienser Team profitiert heute endlich wieder von der Unterstützung von SCK-Anhängern, die ins Stadion dürfen. Es gibt allerdings keinen Ticketverkauf, keine Verpflegung im Stadion und somit auch keine Einnahmen für den Kleinfeld-Klub. Ausgewählte Saisonkartenbesitzer, Donatoren und Sponsoren – in der Summe 100 Besucher eben – dürfen mit Maske auf der Tribüne Platz nehmen. Was wollen diese Hundert im Stadion? Den SC Kriens siegen sehen natürlich.

Hinweis

Das Spiel SCK – Wil wird im Livestream übertragen: www.sfl.ch/challengeleague/matchcenter.