Handball-Playoffs
Noch ein Sieg fehlt zum Halbfinal-Einzug: Jetzt müssen die Krienser Handballer auf die Zähne beissen

Der HC Kriens-Luzern will auf den Totalausfall reagieren und heute bei Wacker Thun den Einzug in den Playoff-Halbfinal sicherstellen.

Stephan Santschi
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«So ein schlechtes Spiel passiert uns nicht zweimal im Jahr», ist Trainer Goran Perkovac überzeugt. Anstatt Wacker Thun im dritten Spiel zum dritten Mal zu bezwingen und in den Playoff-Halbfinal einzuziehen, verlor der HC Kriens-Luzern am letzten Sonntag 25:31 und muss heute nochmals im Berner Oberland antraben (18.15Uhr, handballtv.ch). «Wir waren nicht zu 100 Prozent bei der Sache, nahmen das Spiel auf die leichte Schulter.» Wenn man die technischen Fehler reduziere und klare Torchancen verwerte, werde man auf die Erfolgsstrasse zurückkehren, so Perkovac. Der Blick auf die Mannschaftsteile verrät dabei einiges über die aktuelle Formkurve:

Tor

Wird Paul Bar (Bild) durch Kayoum Eicher ersetzt?

Wird Paul Bar (Bild) durch Kayoum Eicher ersetzt?

Marc Schumacher/Freshfocus

Paul Bar (30) zählt zu den Top-Goalies der Liga, auch seine Auftritte waren zuletzt aber unbeständig. Back-up Kayoum Eicher (22) kann nur selten in die Bresche springen. Fehlt es zwischen den Pfosten an Ausgewogenheit? «Kayoum hat einen speziellen Stil, für die Angreifer ist das oft unangenehm. Ich spüre, dass er darauf brennt, ein richtig gutes Spiel zu zeigen. Wieso nicht gegen Thun?», ist Perkovac zuversichtlich.

Abwehr

Fällt seit der Verletzung im Cupfinal aus: Aljaz Lavric.

Fällt seit der Verletzung im Cupfinal aus: Aljaz Lavric.

Marc Schumacher/Freshfocus

Der Ausfall von Aljaz Lavric wiegt schwer. Der 27-jährige Slowene erlitt im Cupfinal vor 12 Tagen einen Nasenbeinbruch und musste operiert werden. Sein Stellvertreter Gino Delchiappo (22) lässt zuweilen eindrücklich die Muskeln spielen, Konstanz brachte er aber nicht in seine Auftritte. Dass die Defensive ohne Lavric funktionieren kann, hat sie indes bewiesen: im zweiten Viertelfinalspiel gegen Thun vor einer Woche zum Beispiel. Oder beim furiosen 37:26-Erfolg gegen Schaffhausen Mitte April, als Lavric nach sechs Minuten rot sah.

Rückraum

Von ihm will der Trainer «sieben bis acht Tore pro Spiel»: Hleb Harbuz.

Von ihm will der Trainer «sieben bis acht Tore pro Spiel»: Hleb Harbuz.

Manuel Lopez/Keystone

Die Ausgewogenheit des Krienser Aufbaus beeindruckt auch den TV-Experten und 214-fachen Ex-Internationalen Manuel Liniger. Derzeit finden sich dort aber einige Baustellen. Die Wurfqualitäten von Hleb Harbuz, dem Torschützenkönig der letzten Saison, sind unbestritten. Wird er vom Gegner hart angegangen, verschwindet er allerdings von der Bildfläche. Für einen Akteur seines Formats verbringt der 27-jährige Weissrusse zu viel Zeit auf der Ersatzbank. «Wenn er nicht in eine gute Wurfsituation kommt, mangelt es ihm an Entschlossenheit, in den Zweikampf zu gehen», so Perkovac. «Wir brauchen von Hleb sieben bis acht Tore pro Spiel. Er ist ein unglaublicher Shooter.» Sein Ersatz, der hochtalentierte Tim Rellstab (19), der letzten Dezember im Schweizer Nationalteam debütierte, wirkt verunsichert. «Tim befindet sich im Abschluss seiner Ausbildung, er steht unter Druck, alles zusammen ist ihm im Moment etwas zu viel», erklärt Perkovac.

Im rechten Rückraum fehlt Jernej Papez (30), der wegen Hüftproblemen zurücktreten musste. Der Tscheche Tomas Piroch (21) hat viel Potenzial, sein Fehlschuss im Cupfinal, als er die vorentscheidende 21:18-Führung vergab, lastet aber schwer auf ihm. Gegen Thun ging er am letzten Sonntag erst nach 40 (!) Minuten zum ersten Mal in den Abschluss. «Tomas ist viel zu gut, als dass er einer Torchance nachtrauern sollte», ermutigt Perkovac den einzigen Linkshänder im Aufbau. Der Trainer ist bei der Auswahl des Spielmachers besonders gefordert: Wann setzt er auf den 26-jährigen Slowenen Janus Lapajne, den Mann mit der stupenden Täuschung in 1:1-Situationen? Wann auf Moritz Oertli (20), der für mehr Spielfluss sorgt?

Flügel

Adrian Blättler, die Offensivwaffe.

Adrian Blättler, die Offensivwaffe.

Marc Schumacher/Freshfocus

Adrian Blättler (26) auf links und Ammar Idrizi (19) auf rechts befinden sich in ausgezeichneter Verfassung. Wenn die Abwehr wie jüngst kaum Gegenstösse generiert und der Positionsangriff die Breite meidet, bringt man sich aber selbst um diese effektive Offensivwaffe.

Kreis

Kämpft mit Adduktorenproblemen: Filip Gavranovic.

Kämpft mit Adduktorenproblemen: Filip Gavranovic.

Bild: Pius Amrein

Captain Filip Gavranovic (29) ist nicht nur im Innenblock, sondern auch als Kreisläufer ein Leistungsträger. Zuweilen geht er aber gar leger in den Abschluss, vergibt Chancen nonchalant. «Filip plagen seit drei Monaten Adduktorenprobleme», erklärt Perkovac. «Doch er kann auf die Zähne beissen.»

Auf die Zähne beissen, so dürfte generell das Motto der Krienser im Saisonfinish lauten, zumal das Kader im Vergleich zur Konkurrenz eher schmal bestückt ist. «Handball ist ein Sadomaso-Sport, es geht darum, Schmerzen zu ertragen und zu verursachen», sagt Perkovac mit einem Schmunzeln. «Wer Spass daran hat, wird gut spielen.»

Handball-Playoffs

QHL. Viertelfinals. 4. Runde (best-of-5). Heute, 18.15 Uhr: Wacker Thun (6.) – HC Kriens-Luzern (3.); Stand: 1:2. BSV Bern (7.) Jetzt müssen die Krienser Handballer auf die Zähne beissen – Kadetten Schaffhausen (2.); Stand 1:2. – 20.15 Uhr: St.Otmar St.Gallen (5.) – Suhr Aarau (4.); Stand: 1:2. – Entschieden: Pfadi Winterthur (1.) – RTV Basel (8.); Endstand 3:0.