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Nach dem Grand-Prix-Sieg: Jetzt spricht das Ross

Das Spitzenpferd Fit for Fun hat seine Reiterin Luciana Diniz zum Grand-Prix-Sieg am CSIO St. Gallen getragen. Die Stute erklärt im Interview stolz, dass die Pferde im Springreiten etwa 75 Prozent des Erfolgs ausmachen.
Interview: Daniel Good
Siegerpferd Fit for Fun: "Wir sind mental stärker als Fussballer." (Bild: Urs Bucher)

Siegerpferd Fit for Fun: "Wir sind mental stärker als Fussballer." (Bild: Urs Bucher)

Nach dem Sieg vom Freitagabend stand Fit for Fun Red’ und Antwort. Die 14-jährige Hannoveraner-Stute äussert sich selten in der Öffentlichkeit. Für diese Zeitung machte die Grand-Prix-Gewinnerin eine Ausnahme.

Fit for Fun, haben Sie schon realisiert, dass Sie die wichtigste Einzelprüfung am CSIO St. Gallen gewonnen haben?

Dumme Frage. Wir Spitzenpferde sind doch keine alten Gäule. Dass ich keinen Fehler beging, merkte ich ja selber. Zudem war mir klar, dass wir schnell unterwegs waren, obwohl die Zeit knapp bemessen war. Dann ging der Jubel los und ich spürte das anerkennende Tätscheln vieler Menschenhände.

Gratulieren sich die Pferde gegen­seitig auch?

Ja, klar doch. Aus der Ferne werfen wir uns anerkennende Blicke zu. Und wir wiehern und heben den Kopf an. Das ist unter uns ein Zeichen von Anerkennung.

Wie gross ist Ihr Anteil am Sieg im St. Galler Grand Prix?

Noch so eine doofe Frage (wiehert und wirkt verärgert). Haben Sie keine Augen im Kopf? Sehr gross natürlich. 75 Prozent. Wer galoppiert und springt? Ich!

Und was macht die Reiterin?

Sie führt mich durch den Parcours. Sie muss die richtige Distanz finden und auch schauen, dass sie im Sattel bleibt. Fällt sie runter, sind wir disqualifiziert.

Wie kamen Sie heute mit den Tücken des Wassergrabens zurecht?

Ich weiss eigentlich schon, wie es geht. Aber zur Vorbereitung des Grand Prix wollten wir auf sicher gehen. Deshalb hat meine Pflegerin einen interessanten Artikel aus dieser Zeitung übersetzt und ihn mir am Donnerstag vorgelesen.

Wie reagieren Sie auf die Peitsche?

Manchmal braucht es sie. Die Hiebe tun nicht weh. Ich bin ja im Wettkampfmodus und produziere Adrenalin. Ich weiss, dass Luciana es nur gut meint mit mir. Es geht ja meistens um eine Stange Geld, wenn wir zu einem Wettkampf antreten.

Was erhalten Sie als Belohnung für den ersten Platz?

Am liebsten habe ich eine Pferdetorte mit Äpfeln, Rüebli, Bananen, Birnen, Haferflocken und 20 Kräuterbonbons. Und im Stall hat es extraweiches Stroh.

Gibt es für Sie auch etwas vom Siegergeld, das ansehnliche 37500 Franken beträgt? Etwa für eine schöne Pension auf einem gediegenen Gestüt?

Darüber mache ich mir noch keine konkreten Gedanken. Zurzeit geht der Sport vor. Aber ich hoffe schwer, dass mein Besitzer für mich vorsorgt. Am liebsten ginge ich in der Pension an die französische Atlantikküste, wo schon viele ehemalige Spitzenpferde wie etwa Idéo du Thot hausen.

Wie gefällt es Ihnen in St. Gallen?

Sehr gut. Ich war schon ein paar Mal hier. Man merkt, dass die Stadt eine grosse Tradition im Pferdesport hat. Von Kollegen habe ich allerdings vernommen, dass es das Wetter nicht immer so gut meint mit dem Turnier. Einmal musste ja sogar abgebrochen werden, weil es so stark geregnet hat. Wir Pferde haben es lieber trocken.

Wie ist es im Stallzelt im Gründenmoos?

Gediegen und auf jeden Fall sehr sicher. Und falls es doch einem Ungebetenen gelingt, bis zu mir vorzudringen, werde ich ausschlagen. Fit bin ich ja.

Wie hält sich denn ein Spitzenpferd wie Sie fit?

Es ist eigentlich wie beim Menschen. Training, Erholung, Pflege und gutes Essen sind wichtig. Weil wir verhältnismässig dünne Beine haben, müssen wir schauen, dass wir möglichst von Verletzungen verschont bleiben. Wir Pferde sind aber mental stärker als viele Fussballspieler. Deshalb sind Pferdewetten einträglicher als Fussballwetten. Wettprofis wissen das seit Jahrzehnten.

Gibt es im Reitsport auch Berater und Agenten wie im Fussball?

Der Pferdehandel kann sehr lukrativ sein. Reiche Osteuropäer oder Scheichs kaufen immer wieder für astronomische Summen Pferde. Und unter den Händlern gibt es natürlich auch Schlitzohren.

Sind Spitzenpferde Kollegen untereinander oder Rivalen? Der Mensch spricht ja von Stutenbissigkeit. Zu Recht?

Auch das ist wie bei den Menschen. Manche mögen sich, und manche nicht.

Eine letzte Frage. Wäre Martina Hingis mit Ihnen auch im Reiten Weltklasse?

Wahrscheinlich nicht. Aber es wäre trotzdem ein Versuch wert. Ich hätte nichts dagegen.

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