Wintersport
Die Luzernerin Jill Gander sorgt bei ihrem Weltcup-Debüt im Skeleton für Erstaunen

Die Emmerin Jill Gander gewann vor einer Woche ihre erste internationale Medaille. Am Freitag folgte für die 16-Jährige die nächste Premiere.

Stephan Santschi
Merken
Drucken
Teilen
Jill Gander bei ihrem Weltcup-Einstand in Innsbruck.

Jill Gander bei ihrem Weltcup-Einstand in Innsbruck.

Bild: Freshfocus

«Sixteen years old!» Sechzehn Jahre alt! Die beiden Kommentatoren des Livestreams konnten es kaum fassen, wiederholten die Zahl während des Auftritts von Jill Gander immer wieder. Ja tatsächlich, die Skeletonfahrerin aus Emmen war am Freitag bei ihrem Weltcup-Debüt in Innsbruck erst 16-jährig, Ende Dezember feierte sie Geburtstag. «Es war eine völlig neue Erfahrung, ich war angespannter als sonst. Das ganze Drumherum mit den vielen Kameras fühlte sich schon anders an», sagte sie später, als sie im Hotel die Eindrücke sacken liess.

Jill Gander holte Bronze an der U20-WM in St. Moritz.

Jill Gander holte Bronze an der U20-WM in St. Moritz.

Giancarlo Cattaneo/Freshfocus

Resultatmässig war für Gander noch nichts zu holen, mit 4,32 Sekunden Rückstand klassierte sie sich in diesem letzten Weltcup-Rennen des Winters auf dem 19. und letzten Platz. Doch das Ergebnis stand auch nicht im Zentrum des Interesses, vielmehr war es die Tatsache, dass mit Jill Gander erstmals in dieser Saison überhaupt eine Schweizerin im Skeleton-Weltcup angetreten war. Sie erbte dabei den Platz der Spitzenathletin Marina Gilardoni – die in Siebnen im Kanton Schwyz wohnhafte WM- und EM-Zweite des letzten Jahres verzichtet heuer wegen einer Gehirnerschütterung auf Wettkämpfe.

Ihre erste Fahrt erschreckte den Vater

Das erste Rennen im Weltcup ist für Jill Gander nicht die einzige Premiere in diesen Tagen. Am vergangenen Wochenende in St.Moritz gewann die Luzernerin ihre erste internationale Medaille, an der U20-Weltmeisterschaft fuhr sie auf den dritten Platz. «Dass mir auf der Heimbahn zwei gute Läufe gelungen sind, hat mich megagefreut», erzählt sie mit einem Lächeln. Nicht minder stolz ist ihr Vater Billi Meyerhans, der vor zwei Jahren im Alter von 51 Jahren noch im Bob-Weltcup angetreten ist. «Wenn Jill fährt, bin ich fünf Mal nervöser, als wenn ich selber im Eiskanal bin», sagt er und erzählt sogleich die Anekdote von Jills allererster Skeletonfahrt im Dezember 2016. «Ich setzte sie mit dem Schlitten beim Horse-Shoe-Corner in St.Moritz aufs Eis. Als sie unten ankam, hörte ich den Speaker rufen: 110 km/h! Ich erschrak, fuhr mit dem Auto sofort nach unten, vermutete, dass sie weinen würde. Denn das war doch etwas schnell.» Jills Reaktion aber lautete nur: «Ich will noch höher oben starten.» Kein Zweifel also: Die Freude an der Geschwindigkeit, die hat sie von ihrem Vater übernommen. «Wäre ich nicht so lange gefahren, dann wäre der Sport womöglich an ihr vorbeigegangen», mutmasst Meyerhans.

Bereits nächste Woche geht es für die Sportschülerin der Kantonsschule Alpenquai weiter, in Königssee steht ein Europacup-Rennen auf dem Programm. Auch in dieser Disziplin hat sie in diesem Winter debütiert, Ende November fuhr sie in Winterberg zweimal auf den achten Platz. Mitte Februar geht es dann zurück nach Innsbruck an die Europameisterschaft der Juniorinnen. Ist sie selber nicht erstaunt, wie schnell sich alles vorwärtsentwickelt? «Ich realisiere das gar nicht so, ich fokussiere mich nicht zu stark auf die Resultate. Es ist einfach schön, zu fahren, ich möchte möglichst viele neue Bahnen kennen lernen», erklärt sie. So wie eben gestern in Innsbruck, als sie sich erstmals auf Weltcup-Niveau präsentiert hat. Für Meyerhans jedenfalls steht fest: «Nach oben steht ihr alles offen.»

Starttrainings zu Hause in Emmen

Die grössten Verbesserungsmöglichkeiten hat sie am Start. Dass die zum Teil deutlich älteren Konkurrentinnen mehr Tempo und Wucht in den Anlauf bringen, versteht sich von selbst. Auch hier ist ihr Vater mit seiner Startbahn zu Hause in Emmen eine grosse Hilfe. Und so würde es nicht überraschen, wenn Jill Gander schon bald wieder von sich hören lassen würde.