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Joel Wicki gewinnt zum ersten Mal das Luzerner Kantonale

Joel Wicki triumphiert in Hohenrain am Luzerner Kantonalfest. In Schwierigkeiten konnte ihn keiner der sechs Gegner bringen.
Claudio Zanini
Joel Wicki feiert seinen Sieg im Schlussgang gegen Sven Schurtenberger (Bild: Roger Grütter)

Joel Wicki feiert seinen Sieg im Schlussgang gegen Sven Schurtenberger (Bild: Roger Grütter)

Von der Arena in Hohenrain ist die Aussicht auf die Innerschweizer Bergwelt malerisch. Man schweift von rechts nach links, sieht Pilatus, Stanserhorn, Titlis und Uri-Rotstock. Oder auch die Rigi. Dort oben hatte sich vor knapp einem Jahr schaurig Dramatisches abgespielt. Die Protagonisten waren damals wie am Sonntag, am Luzerner Kantonalen, die gleichen: Sven Schurtenberger und Joel Wicki. Sie standen sich Anfang Juli 2017 letztmals an einem Kranzfest gegenüber. Und wenn zwei solche Naturgewalten aufeinanderprallen, kann es eben ganz schön krachen.

Doch was war passiert auf der Rigi? Joel Wicki schaffte es in den Schlussgang, Bruno Nötzli auch. Nötzli riss sich das Kreuzband und musste folglich aufgeben. Man brauchte einen Ersatzmann. Sven Schurtenberger bekam das alles gar nicht mit, denn er stand bereits unter der Dusche. Doch die Einteilung brachte ihn zurück ins Spiel. Mitkommen, Schlussgang bestreiten, hiess es. Und wie es sich für einen Sportsmann gehört, legte er sich nicht einfach ins Sägemehl, sondern kämpfte mit seiner gesamten Masse, mit all seinen 133 Kilo. Wicki verletzte sich dann jedenfalls am Fuss, wälzte sich, schrie. Schurtenberger stand verdattert im Ring, rief die Sanitäter um Hilfe. Natürlich tat es ihm leid, er hatte ein schlechtes Gewissen. Das Siegerinterview brach er mit Tränen in den Augen ab, man litt mit ihm. Wie sich nach diesem denkwürdigen Rigi-Schlussgang herausstellte, hatte Wicki Glück. Bis zum Saisonhöhepunkt, dem Unspunnen-Schwinget, wurde er wieder fit. Nicht nur ein bisschen fit, sondern bilderbuchmässig wiedergenesen. Sodass er in Interlaken schier den Festsieg erbte.

Joel Wicki feiert seinen Sieg im Schlussgang gegen Sven Schurtenberger (Bild: Roger Grütter)
Joel Wicki (oben) macht mit Sven Schurtenberger im Schlussgang kurzen Prozess. (Bild: Roger Grütter)
Joel Wicki (oben) legt Marcel Bieri ins Sägemehl. (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Hohenrain, 27. Mai 2018))
Philipp Gloggner (rechts) gegen Michael Gwerder. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Ralf Schelbert (links) im Duell mit Fabian Portmann. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Blick in die Festarena in Hohenrain. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Andreas Ulrich (links) jubelt über den Sieg gegen Josef Portmann. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Marcel Bieri (links) im Duell mit Damian Stöckli. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Der Kopf von Sven Schurtenberger liegt im Sägemehl. (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Hohenrain, 27. Mai 2018))
Sven Schurtenberger (links) im 5. Gang gegen Werner Suppiger. (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Hohenrain, 27. Mai 2018))
Joel Wicki (links) bei seinem Sieg über Philip Wüthrich im 4. Gang. (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Hohenrain, 27. Mai 2018))
Schwingerhosen liegen bereit am Luzerner Kantonalen (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Hohenrain, 27. Mai 2018))
12 Bilder

99. Luzerner Kantonal-Schwingfest in Hohenrain

Eine untypische Marotte

Zwar hoffte man auf Spektakel in der Neuauflage dieses Rigi-Schlussgangs. Klar, man wünscht sich immer offensive Duelle als Zuschauer. Aber ein solch übertriebenes Mass an Dramatik wie im letzten Juli wird sich wohl keiner der 6600 Personen in der Arena in Hohenrain gewünscht haben. Das Wiedersehen am Luzerner Kantonalfest endete glimpflich. Keine Rega, keine Verletzungen, keine Ressentiments. Wicki griff nicht mit seinem gefürchteten Kurz an, sondern mit Übersprung und düpierte damit Schurtenberger. Sieben Sekunden waren abgelaufen, dann lag er auf dem Rücken. Ein nächstes frustrierendes Ende für Schurtenberger, nachdem er vor zwei Wochen gegen Andi Imhof am Ob-/Nidwaldner Verbandsfest bereits unterlag. Schurtenberger war zwar mit fünf Siegen förmlich in den Schlussgang gestürmt, aber dort konnte er nichts mehr zu einem spannenden Duell beitragen. Für Aufsehen sorgte er nur mit seiner neueren Marotte, sich zweimal bitten zu lassen, bis er in die Hosen steigt. Wicki musste, wie Imhof vor zwei Wochen, ungewöhnlich lange auf Schurtenberger warten, bis dieser im Sägemehl erschien. Doch der Entlebucher nahm es sportlich. «Es soll sich jeder so viel Zeit lassen, wie er benötigt», sagte er. «Das macht mich nicht nervös.»

Ob ihn dieser skurrile Rigi-Moment noch beschäftigt habe, wird Wicki nach seinem Sieg gefragt. «Nein. Das ging mir nicht mehr durch den Kopf. Solche Dinge muss man vergessen können, sonst kann man nicht gewinnen.» Zwischenzeitlich standen sich die beiden auch wieder gegenüber, aber nicht an einem Kranzfest, sondern am Herbstschwinget in Schachen, wo Wicki den Schlussgang für sich entschied.

«Champions League» steht noch bevor

Was blieb, war die Gewissheit, dass Wicki derzeit kaum zu bezwingen ist. Seine sechs Siege lassen einen vergessen, dass der junge Mann ja erst 21 ist. Seinen Gegnern geht es immer ähnlich. Sie wollen zwar, aber sie können nicht. Ob Routinier Benji von Ah, der Aufsteiger der letzten Saison Marcel Bieri oder der formstarke Ralf Schelbert: Sie alle werden durch die Luft gewuchtet, als wären sie Leichtgewichte. Fünf Kranzfestsiege hat Wicki nun auf dem Konto. In dieser Saison werde die «Champions League» noch folgen, sagte Wicki. Er meint damit die Bergfeste, aber auch das Innerschweizer Verbandsfest am 1. Juli in Ruswil, sein nächstes grosses Ziel. Klingende Namen sind eingeladen, etwa Christian Stucki, Matthias Sempach oder Samuel Giger. Wicki kann den Tag wohl kaum erwarten.

Luzerner Kantonalfest Hohenrain.

Luzerner Kantonalfest (250 Schwinger, 6600 Zuschauer). Schlussgang: Joel Wicki (Sörenberg) bezwingt Sven Schurtenberger (Buttisholz) nach 7 Sekunden mit Übersprung und Nachdrücken am Boden. – Rangliste: 1. Wicki 59,25. 2. Schurtenberger 58,25. 3. Erich Fankhauser (Hasle) 58,00. 4. Marcel Bieri (Edlibach) und Philipp Gloggner (Ruswil) je 57,75. 5. André Muff (Rain), Andreas Ulrich (Gersau), Roman Fellmann (Winikon) und Ralf Schelbert (Bisisthal) je 57,25. 6. Stefan Arnold (Attinghausen), Thomas Thalmann (Wolhusen), Roland Kälin (Schönenberg), Werner Suppiger (Wauwil), Marco Wyrsch (Attinghausen), Joel Ambühl (Hergiswil bei Willisau), Reto Gloggner (Ettiswil), Damian Stöckli (Wolhusen), Marco Thierstein (Hochdorf), je 57,00. 7. Marco Heiniger (Willisau), Marco Lussi (Ennetbürgen), Michael Gwerder (Brunnen), Sven Lang (Emmenbrücke), Jonas Michel (Bigenthal), Marco Schmidiger (Fontannen bei Wolhusen), Adrian Steinauer (Willerzell), Bruno Fink, Martin Zimmermann (Ennetbürgen), je 56,75. 8. Bruno Linggi (Goldau), Benji von Ah Benji (Giswil), Martin Amgarten (Lungern), Daniel Inderbitzin (Schönenberg), Fabian Portmann (Sigigen), Josef Portmann (Wiggen), Remo Vogel (Hasle), Michael Müller (Kottwil), Roman Zurfluh (Dietwil), Armin Reichmuth (Mettmenstetten), je 56,50. 9. Fabian Arnold (Bürglen), Simon Schmid (Flühli), Christoph Bernet (Grosswangen), Ueli Rohrer (Flüeli-Ranft), je 56,25. – Alle mit Kranz.

Der Schlussgang

Mit dem ersten Angriff kommt es am 99. Luzerner Kantonalen vor 6600 Zuschauern bereits zur Entscheidung: Joel Wicki setzt einem perfekten Tag (6 Kämpfe/6 Siege) die Krone auf und bezwingt nach wenigen Sekunden Sven Schurtenberger mit Übersprung. Für Wicki ist es der erste Sieg an einem Luzerner Kantonalfest und der fünfte an einem Kranzfest.

«Ich habe probiert, ihm meine Taktik aufzuzwingen», sagte Wicki hinterher mit dem Siegermuni Pilatus in der Hand. Er habe sich sehr gut vorbereitet auf diesen Sonntag. «Dieser Titel bedeutet mir sehr viel.» Seine persönlichen Saisonhöhepunkte werden erst noch folgen. Am 1. Juli tritt er am sehr stark besetzten Innerschweizer Verbandsfest in Ruswil an. Ausserdem konzentriert er sich auch auf das Bergfest auf der Schwägalp am 19. August.

5. Gang

Die beiden Schlussgangteilnehmer stehen fest: Sven Schurtenberger und Joel Wicki bestreiten zirka um 17 Uhr das letzte Duell des Tages. Schurtenberger gewann gegen Werner Suppiger, es war der fünfte Sieg hintereinander. Auch Wicki zieht mit reiner Weste in den Schlussgang ein. Der Entlebucher bekam es mit Marcel Bieri zu tun, liess ihm aber keine Chance.

Die Überraschung verpasste der Nichtkranzer Fabian Portmann. Er bekam mit Erich Fankhauser den erwartet hochkarätigen Gegner zugeteilt und verlor. Es ist die erste Niederlage für Portmann an diesem Fest.

4. Gang

Und dann waren plötzlich die beiden Luzerner Favoriten an der Reihe im vierten Gang. Zuerst Sven Schurtenberger. Ein Zug, ein Plattwurf, der Gang bereits Geschichte. Schurtenberger liess Roger Baumann keine Chance und steht nun bei vier Siegen.

Nach diesem Blitzsieg betrat Joel Wicki den selben Sägemehlring wie zuvor Schurtenberger. Er griff mit Philip Wüthrich zusammen. Ein Zug, ein Schwung und gegessen war die Sache. Auch Wicki steht nun bei vier Siegen.

Dieselbe Bilanz hat auch Marcel Bieri, der Turnerschwinger aus Edlibach. Bieri lieferte sich einen Abnützungskampf mit Adrian Widmer, entschied das Duell letztlich aber für sich. Immer noch vorne mit dabei ist der Nichtkranzer Fabian Portmann. Er bezwang Dominik Waser. Auch Portmann hat vier Siege. Man darf gespannt sein, wie die Einteilung im fünften Gang vorgehen wird.

3. Gang

Es läuft bisher wie am Schnürchen für die beiden Topfavoriten: Joel Wicki und Sven Schurtenberger haben nach drei Gängen je drei Siege auf dem Konto. Vor der Mittagspause hatte Wicki aber die härtere Prüfung zu bestehen. Dem Entlebucher wurde Ralf Schelbert zugeteilt, es war das Spitzenduell des dritten Ganges. Der Schwyzer aus Bisisthal befindet sich derzeit in blendender Verfassung, vor zwei Wochen am Ob-/Nidwaldner Kantonalen erreichte er den geteilten zweiten Platz. Wicki ging wie immer angriffig ins Duell und siegte dann auch nach einer der ersten Attacken. Schurtenberger musste mit Dominik Waser zusammengreifen, kam aber gegen den Zuger nicht wirklich in Bedrängnis.

Mit Marcel Bieri hält ein anderer Zuger mit den beiden Luzerner Favoriten mit. Bieri bezwang Remo Vogel und steht ebenfalls bei drei Siegen. Seinen dritten Erfolg en suite feierte auch Philip Wüthrich, der Gast aus dem bernischen Zäziwil. Er fügte Reto Gloggner die erste Niederlage zu.

2. Gang

Joel Wicki und Sven Schurtenberger gewinnen auch im zweiten Gang. Wicki macht kurzen Prozess mit Roman Blaser. Schurtenberger besiegt den Urner Marco Wyrsch - es ist die zweite Maximalnote für Schurtenberger. Den zweiten Sieg landen auch Ralf Schelbert (gegen Martin Bättig), Marcel Bieri (gegen Marco Schmidiger) oder etwa Reto Gloggner (gegen Michael Zurfluh).

Von den sieben angetretenen Eidgenossen traten nur noch fünf zum zweiten Gang an. Marcel Mathis und René Suppiger mussten bereits die Segel streichen. Wie gravierend die Verletzungen der beiden sind, ist derzeit unklar.

Zu ihren ersten Siegen kommen Erich Fankhauser und Philipp Gloggner. Nicht nach Wunsch verläuft das Fest hingegen für Benji von Ah. Nach seiner Niederlage gegen Wicki im ersten Gang muss er mit Christoph Bernet stellen.

Frühaufsteher unter sich: Die Arena in Hohenrain ist bereits am Morgen gut gefüllt. (Bild: Claudio Zanini (Hohenrain, 27. Mai 2018))

Frühaufsteher unter sich: Die Arena in Hohenrain ist bereits am Morgen gut gefüllt. (Bild: Claudio Zanini (Hohenrain, 27. Mai 2018))

1. Gang

Die einheimischen Favoriten erleben einen Start nach Mass: Joel Wicki bekundet mit Benji von Ah wenig Mühe und hat ihn schnell am Boden. Dort kann sich der Giswiler nicht mehr befreien und verliert. Wicki hat Grosses vor am heutigen Tag. Voller Selbstbewusstsein sagte er in dieser Woche gegenüber unserer Zeitung: «Es kann nichts schiefgehen.»

Ebenfalls mit einem Sieg beginnt das Fest für Sven Schurtenberger. Er bezwingt den Nidwaldner Marcel Mathis im ersten Zug. Schurtenberger, der Eidgenosse aus Buttisholz, konnte das Luzerner Kantonale bereits zweimal gewinnen (2013, 2016).

Andere Luzerner Spitzenschwinger straucheln bereits: Erich Fankhauser verliert gegen den Schwyzer Ralf Schelbert, Philipp Gloggner unterliegt dem Zuger Marcel Bieri. Ein Sieg gelingt hingegen Reto Gloggner gegen Adrian Steinauer. Andreas Ulrich und Michael Müller stellen, ebenso auch René Suppiger und Stefan Arnold.

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