Interview

Ex-FCL-Goalie Jonas Omlin: «Ich musste mir diese Position in Basel erarbeiten»

Jonas Omlin tritt am Sonntag (16.00) mit Basel in Luzern an. Der 25-Jährige spricht über seine Standpauke, Marius Müller sowie seinen Schwiegervater in spe, René van Eck. Und er neckt Pascal Schürpf.

Daniel Wyrsch aus Basel
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Basel-Torhüter Jonas Omlin freut sich auf das Spiel gegen seinen Ex-Klub.

Basel-Torhüter Jonas Omlin freut sich auf das Spiel gegen seinen Ex-Klub.

Daniela Frutiger, Freshfocus (Basel, 8.Dezember 2019)

Bevor FCB-Goalie Jonas Omlin am Sonntag bei seinem Ex-Klub FC Luzern das letzte Spiel vor der Winterpause bestreitet, stand am Donnerstag daheim das abschliessende Europa-League-Spiel gegen Trabzonspor auf dem Programm. Der FC Basel sicherte sich mit einem 2:0-Sieg den Gruppensieg.

Der Obwaldner Omlin meinte vor der Rückkehr nach Luzern, dass er zum neunten Mal in der Meisterschaft ohne Gegentor bleiben möchte. Auf Instagram würde er dann einen weiteren «Zero Piero» feiern. Diese Bezeichnung komme noch vom Jassen mit seinen Teamkollegen in Luzern, da spielten sie den sogenannten Molotow. Wer null Punkte hat, ist Sieger.

Wunschziel Bundesliga oder England

Womöglich verstanden die Luzerner dabei etwas falsch: Sechs Fussballspiele hintereinander haben sie zuletzt keinen Punkt gewonnen. Jonas Omlin dagegen ist erfolgreich in Basel, hat den Cupsieg errungen und ist im Nationalteam die Nummer 2 hinter Yann Sommer. Für FCB-Legende Ernie Maissen ist klar, «dass unsere aktuelle Nummer 1 früher oder später wie einst Sommer ins Ausland wechseln wird», sagte er diese Woche bei «Tele Basel». Omlins Wunsch wäre es, «einmal in der Bundesliga oder in England zu spielen».

Seit eineinhalb Jahren sind Sie nun beim FC Basel, haben sich als Nummer 1 etabliert. Ein gutes Gefühl?

Jonas Omlin: Ich spiele praktisch immer, habe das volle Vertrauen der Trainer, ich schätze das sehr und freue mich auf jedes Spiel, das ich hier machen darf.

Ist es für Sie fast schon normal geworden, beim grossen FCB der unangefochtene Stammtorhüter zu sein?

Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Es ist jetzt nicht mehr so, dass sehr viel Neues auf mich zukommt. Es ist schon recht viel Routine dabei. Ich muss mich aber trotzdem auf jeden Match immer noch so vorbereiten, wie ich es früher getan habe und in den Trainings genauso viel investieren. Ich versuche, meinen Job zu machen und hoffe, dass es mir möglichst oft gelingt.

Nach der 0:2-Niederlage bei Servette sprachen Sie vor den Medien Klartext, kritisierten die Vorderleute für die mangelhafte Einstellung. Ihr Standing als Basler Führungsspieler ist dort definitiv zum Ausdruck gekommen.

Bei der Kritik habe ich mich selber nicht rausgenommen. Wir gewinnen und verlieren die Spiele immer als Mannschaft. Aber ja, es wird erwünscht von mir, Verantwortung zu übernehmen. Ich bin auf diese Saison hin zum dritten Captain ernannt worden. Mir gab das schon eine gewisse Bestätigung vom Trainer gegenüber meiner Person und ebenso in der Hierarchie der Mannschaft. Ich musste mir diese Position erarbeiten, habe in eineinhalb Jahren in Basel immer meine Leistungen gebracht.

«Wenn wir schlecht spielen, dann darf man auch mal offen und ehrlich sagen, dass die Leistung ungenügend war. Ich bin nicht der Einzige der Mannschaft, der klare Worte spricht. Wir haben viele Leader im Team.»

Die markigen Worte haben in der Liga Wirkung gezeigt: Gegen Meister YB gab es einen 3:0-Sieg, und auch Sion wurde gleich mit einem 4:0 nach Hause geschickt.

Nicht nur meine Aussagen führten zu dieser Reaktion, wir wussten natürlich, dass wir eine solche Niederlage nicht auf uns sitzen lassen dürfen. Wir haben hochgesteckte Ziele, die wir erreichen wollen, da dürfen wir solche Spiele wie in Genf nicht verlieren. Darum investierten wir mehr, sind wieder konzentrierter und wacher auf den Platz gegangen. Es hat in der Meisterschaft sehr gut funktioniert.

Hat vor allem der klare Sieg über den Leader YB Auftrieb gegeben im Kampf um den Meistertitel?

Das Duell mit YB ist unser Gradmesser, jeder fussballinteressierte Schweizer mit Bezug zur Super League schaut auf diesen Match. Wir haben eine Duftmarke gesetzt und gezeigt, dass mit dem FC Basel wieder zu rechnen ist.

Der FCL hat in 17 Spielen nur 15 Tore erzielt, nicht einmal einen Treffer pro Match. Wie gehen Sie in diese vermeintliche einfache Begegnung?

Ehrlich gesagt schaue ich nicht gross die Statistiken an, sondern bereite mich wie für jedes andere Spiel vor. Ich freue mehr auf den FC Luzern, spiele immer sehr gerne dort. Ich muss probieren, meinen Kasten sauber zu halten. Ob mehr oder weniger Bälle aufs Tor kommen, das sehen wir dann am Sonntag.

Sie leben nach wie vor in Alpnach, hatten viele Jahre beim FCL gespielt. Beobachten Sie die Streitereien in der Klubführung? Wissen Sie um die lange Niederlagenserie?

Ich habe den Verlauf der Dinge in Luzern schon mitbekommen, ich habe auch noch Kontakt mit dem einen oder anderen Spieler. Was mir auffällt, ist, dass das Team sehr viele verletzte Spieler zu beklagen hat. Das ist sicher ein Grund, warum Luzern derzeit nicht die sonst übliche Leistung auf dem Platz bringt. Unter diesen Bedingungen ist es für jeden Trainer schwierig, Resultate zu holen. Ich hoffe, dass sie so schnell wie möglich aus dieser Negativspirale herausfinden, aber natürlich nicht schon am Sonntag, dann würde ich nämlich gerne zu null spielen. (lacht) Sonst wünsche ich dem FC Luzern immer nur das Beste.

Pascal Schürpf hat in der überragenden Rückrunde der Saison 2017/18 zehn Tore erzielt, als Sie Topleistungen zwischen den FCL-Pfosten zeigten und das Team vom neunten auf den dritten Platz gesprungen ist. Haben Sie dem Luzern-Captain eine Whatsapp-Mitteilung geschickt nach dem Eigentor zum 1:0-Sieg von YB am letzten Samstag, welches auch Basel geschadet hat?

Nein, das nicht gerade. Das Eigengoal habe ich im TV gesehen.

«Ich wusste von seiner Torgefährlichkeit, habe aber gestaunt, dass sie vor dem eigenen Tor ebenfalls gross ist. Pasci macht den Treffer souverän mit dem Oberschenkel.» (schmunzelt)

Er sprach nach dem Spiel selbstironisch davon, dass er zu wenig Speck an den Hüften habe. Dann wäre der Ball wohl langsamer aufs Tor gekommen, Goalie Marius Müller hätte vielleicht noch eine Abwehrchance gehabt…

… es ist wirklich sehr unglücklich gelaufen.

Marius Müller gilt in Luzern als würdiger Nachfolger für Sie. Wie sehen Sie ihn?

Er ist sehr solide, zählt zu den besten Torhütern in der Schweiz. Was ich von ihm gesehen habe, ist sehr positiv. Auch vom Menschen Marius Müller höre ich nur Positives. Ich glaube, der FC Luzern hat mit ihm einen hervorragenden Mann verpflichtet.

Sie sind mit Janice, der Tochter von FCL-Legende René van Eck, liiert. Findet durch die Beziehung auch ein reger Austausch über Fussball mit Ihrem Schwiegervater in spe statt?

Wir sprechen das eine oder andere Mal über Fussball, wenn wir uns treffen. Er lebt derzeit in Holland, darum sehen wir uns nicht allzu oft. Letztes Mal kam er hier in Basel unseren Match schauen, wir gingen anschliessend zusammen essen. Klar sprechen wir dann auch über das Spiel und Fussball.

Die Hoffnung bleibt also bestehen, dass Sie mit 35 Jahren Ihre Karriere in  Luzern ausklingen lassen und RvE mit über 60 noch einmal den FCL trainiert.

Das wäre eine schöne Geschichte.

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