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JONGLEUR: Eile mit Keule

Der Luzerner Nick Meier (28) bewältigt den Halbmarathon im gehobenen Mittelfeld – 1:43:35. Das ist eine sehr respektable Zeit. Übrigens: rund 5000 Keulenwürfe inbegriffen.
Roland Bucher
Ganz spezieller Läufer im Halbmarathon-Feld: Nick Meier. (Bild: Philipp Schmidli)

Ganz spezieller Läufer im Halbmarathon-Feld: Nick Meier. (Bild: Philipp Schmidli)

Roland Bucher

regionalsport@luzernerzeitung.ch

In Atemnot scheint der junge Mann nach 21 Kilometern ja nicht gekommen zu sein: Kaum drei Stunden nach seinem frenetisch applaudierten Zieleinlauf meldete sich Nick Meier bereits im Luzerner Kulturpavillon Treibhaus zurück: Stimm- und Orchesterprobe mit der Luzerner A-cappella-Formation Vokabular. «Bei mir muss halt immer etwas laufen», sagt er in einem ernsten Unterton, der durchaus eindeutig zu interpretieren ist.

Nick Meier läuft und läuft und läuft. Schon viele Jahre lang, jedes Wochenende zum Beispiel zweimal acht Kilometer ab Wohnort Hellbühl auf den Ruswilerberg und retour: Der in der Ausbildung zum Sekundarlehrer steckende Athlet schenkt dort in einem Therapieheim soziales Engagement. Dort arbeiten und helfen zu dürfen, das mache ihn glücklich.

Und läuft und läuft. Das darf im Teilnehmerfeld des Luzerner Marathons mancher für sich in Anspruch nehmen. Doch wenn Nick Meier ganz besonderen Spass am Laufen haben will, dann assortiert er sich. Zum Beispiel mit drei Keulen. Die wirft er dann quasi im Sekundentakt in die Luft, hochgerechnet sind’s dann schon rund 5000 Wurfbewegungen, welche die 21 Kilometer Laufdistanz schmücken.

Die Zuschauer am Strassenrand johlen, klatschen begeistert, wenn der Marathon-Rastelli im Schnellschritt und Keulen-Jongliereinklang locker seine Kilometer abtänzelt. «Wenn ich etwas unbedingt loswerden möchte, dann schreiben Sie: Das Publikum an der Strecke ist einfach fantastisch. Es hat mich unerhört motiviert.»

Fünfmal runter – ja nicht mehr

Nick Meiers Bestzeit am Luzerner Halbmarathon ist mit 1:22:40 eingetragen, damals erreicht vor einigen Jahren, als er noch für den LC Luzern Langstreckenläufer war. Vor einem Jahr wagte er sich erstmals jonglierend an den Anlass, mit drei Bällen. Da rieben sich schon einige verwundert die Augen, die ganz grosse Attraktion indes war er noch nicht. Doch wie der Zufall so spiele, schmunzelt er: «Als ich mich in Ebikon bei Jasmin zum Sekundarlehrer-Praktikum meldete, entdeckte ich ein Auto mit der Swiss-City-Marathon-Aufschrift. Da habe ich mal gestaunt.»

Und herausgefunden, dass Jasmin die Ehegattin von Reto Schorno, dem Geschäftsführer des Anlasses ist. Schüchtern habe er gefragt: Dürfte ich den Lauf mal mit Keulen absolvieren? Immerhin bestehe ja die Gefahr, dass eine runterfallen und ein Läufer drüber stolpern könnte. Die Gefahr war am Sonntag indes klein. «Ich habe mir vorgenommen, dass mir höchstens fünfmal eine Keule aus den Händen gleitet.» So war es denn auch: dreimal in der Startgegend an der Halde, «weil der Wind so kräftig blies», einmal auf der Horwer Halbinsel und einmal ausgerechnet in der Luzerner Altstadt: «Dort, wo der Fotograf auf mich wartete …»

Forrest Gump? Wer weiss …

Seit Nina, seine Freundin, sich im Sommer für längere Zeit für ein Nachdiplomstudium in der Sparte der Rechtslehre nach Kalifornien verabschiedete, feiert Nick Meiers Rasierer Ruhepause. Der dunkelrote Bart spriesst, und wer ihn dann so anschaut, ihn mit seinem unbändigen Drang zur Laufarbeit in Verbindung bringt: Ja, dann erinnert dies an Tom Hanks, den legendären Dauerläufer aus Forrest Gump. «Reiner Zufall», behauptet der Luzerner. Immerhin wird er im nächsten Frühjahr seine Lebenspartnerin in Kalifornien besuchen, und wenn es die Gelegenheit ergäbe, auch an einem Marathon teilnehmen. Dort sind balljonglierende und keulenschwingende Teilnehmer schon fast an der Tagesordnung: in der Kombination mit der Bein-Hauptarbeit heisst dies dann Joggling. «Was einfach Spass macht.» Ihm, Nick Meier, und vielen tausend begeisterten Zuschauern am Strassenrand.

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