JU-JITSU: Noch ist der imaginäre Gegner stärker

Die beiden 17-jährigen Krienser Dario Francioni und Janik Arnet hatten sich für die U-21-Weltmeisterschaften in Madrid viel vorgenommen. Am Schluss blieb vor allem Enttäuschung – aber auch sanfter Trotz.

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Die Ju-Jitsu-Kämpfer Janik Arnet (links) und Dario Francioni trainieren in der Obernauer Dojo-Mahari-Halle. (Bild Pius Amrein)

Die Ju-Jitsu-Kämpfer Janik Arnet (links) und Dario Francioni trainieren in der Obernauer Dojo-Mahari-Halle. (Bild Pius Amrein)

Roland Bucher

Ju-Jitsu, das ist – um es für den sportlichen Durchschnittskonsumenten wieder einmal zu repetieren – eine von den Samurai übernommene Kampfkunst der waffenlosen Selbstverteidigung. Ju-Jitsu dient einerseits der Körperbeherrschung und stärkt andererseits den Charakter und das Selbstbewusstsein. Exakt diese beiden Eigenschaften waren für Dario Francioni und Janik Arnet am Sonntag nach der Rückreise von den U-21-WM in Madrid, wo der Ertrag nicht mit den Vorstellungen in Einklang kam, gefragt: «Wir waren einfach nicht richtig parat», erklärt Dario Francioni, «es gibt nichts zu beschönigen.» Die beiden Startfights hatten dem Krienser Duo einen Doppel-K.-o. beschert: «Schade, aber da war der Wettkampf für uns schon vorbei.» Nebensache bleibe, ob «wir nun Letzte oder Zweitletzte geworden sind». Wichtig für die Fortsetzung ihrer sportlichen Pläne sei, wie es der Philosophie eines sanften Kampfkünstlers entspricht: «Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf. Wer uns kennt, weiss, dass wir in sechs Wochen bei unserem nächsten Einsatz am French Open die richtige Antwort parat haben werden.» Zur Erinnerung: Das verschworene Gespann hatte seine hohe Klasse in diesem Jahr schon einmal unter Beweis gestellt, als es sich beim Hamburg Open mit dem zweiten Rang versilberte.

Dario Francioni und Janik Arnet treten bei internationalen Wettkämpfen als Duo auf. «Wir liefern zusammen eine Demonstrationsshow», erklärt Polymech-Stift Dario Francioni das Prozedere, «und die Schiedsrichter bewerten die Leistung im Vergleich mit dem imaginären Gegner.» Der, das müsse man neidlos eingestehen, «in Madrid einfach besser war als wir». Spannend an dieser Wettkampfform sei, dass man einerseits eine optimale Vorbereitung abliefern und das technische Know-how perfekt beherrschen müsse, andrerseits aber auch auf der Matte unverzüglich auf die spezifischen Vorlieben der Richter zu reagieren habe: «Nicht jeder Schiedsrichter bewertet gleich, deshalb musst du eine gute Spürnase und Antizipation besitzen, um deine Demo in die richtigen Bahnen zu leiten.» Damit übrigens kein falscher Verdacht aufkommt: «Die Unparteiischen waren in Madrid absolut korrekt. Es lag wirklich nur an uns, dass wir nicht dort gelandet sind, wo wir uns das vorgestellt haben», betont Francioni.

Francioni ist Chef der Zweierbande

Dass Dario Francioni quasi die «Communiqué-Fassung» des gescheiterten Abenteuers in Spanien übernahm, hat durchaus seinen Grund: «Er ist der Chef in unserer Zweierbande», erklärt Janik Arnet, «er ist erfahrener, er zieht den Karren, er ist die Antriebsfeder.» Eine kleine Ergänzung will der Schüler an der Kanti Alpenquai mit Matura­abschluss 2017 doch noch beifügen: «Wir waren beide nicht zu hundert Prozent fit. Das soll keine Ausrede sein, aber an einem derart hochklassigen Anlass bist du auch mit ganz kleinen Defiziten sofort weg vom Fenster. Vielleicht waren wir auch ein bisschen ‹überbissen› und wollten zu viel.»

Janik Arnet fand den Draht zum Kampfsport auf die Initiative eines Schulkollegen, präferierte indes vorerst die Judo-Sparte. «Aber ich habe früh gemerkt, dass hier die Anforderungen sehr hoch sind und die Konkurrenz gross, wenn du ganz an die Spitze willst.» Vor vier Jahren entschloss sich der früher beim Luzerner SC als Fussballer Talent verratende Krienser zum Übertritt ins Ju-Jitsu-Lager, wo er bald einmal Kollege Dario kennen lernte. Bald schmiedeten die beiden gemeinsame Pläne, mittlerweile zählen sie im Duopack zur erweiterten internationalen Spitze.

Der Nachbar ist Weltmeister

Madrid ist nun definitiv abgearbeitet. Es geht nun vor allem auch darum, zu erzählen, was die beiden ansonsten gut bis sogar sehr gut machen. Seit zwei Jahren ein Team, sind Dario Francioni und Janik Arnet in der Schweiz mittlerweile die Nummer eins in ihrer Alterskategorie und international – man beachte den entsprechenden Eintrag in den Steckbriefen – durchaus auch in der Nähe der Allerbesten.

Schlüsselfiguren beim Schnellaufstieg der beiden jungen Ju-Jitsu-Künstler waren indes die Gebrüder Remo und Pascal Müller. Die beiden vor noch nicht allzu langer Zeit mit Europameister- und Weltmeistertiteln geschmückten Ju-Jitsu-­Legenden wohnten in Kriens in nächster Nachbarschaft von Dario Francioni, der schon als kleiner Knirps im Garten die Qualitäten eines sportlichen Talentes andeutete. Dario war jede Woche einmal bei Müllers zum Mittagessen eingeladen, und so war logisch, dass steter Tropfen bei den Gesprächen den Stein fürs Kampfsport-Interesse höhlte. «Als ich auf den Geschmack kam, hats mir den Ärmel tüchtig hineingezogen.» Die grössten Fans sind übrigens seine Eltern: «Sie waren sogar in Madrid dabei, unterstützen und helfen mir in meiner Laufbahn, wo und wie es nur geht. Dafür bin ich dankbar, das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit.»

Korrektur am French Open

Janik Arnet, das Pendant mit den Attributen «sehr zielstrebig und deshalb hie und da auch ein bisschen ungeduldig» (Francioni), hat seinerseits seine jüngere Schwester Soraya zum Kampfsport animiert und schätzt am Ju-Jitsu die Möglichkeit, im Gegensatz zum Judo auch Schläge und Tritte andeuten zu dürfen. «Das macht die Sportart für die Zuschauer durchaus auch ein bisschen spannender.» Aber, das betont der später sein Studium in Richtung Sport lenkende Krienser: «Neben der Matte bin ich der allerliebste Kerl.» Mit einem sportlichen Leitfaden notabene, der die Niederlage in Madrid schon bald in ein anderes Licht rücken wird: «Jedes Mal alles geben. Das ist das, was ich von mir und Dario fordere.» In der nächsten Trainingseinheit schon und spätestens mit aller Konsequenz in sechs Wochen beim French Open. Dort will das Duo «sanft», aber bestimmt den Beweis antreten, dass Madrid nur eine Episode war.