Jubel in Wolhusen – und in Schladming

Sie brauchen starke Nerven, die Mitarbeiter des Wolhuser Unternehmens Stöckli Swiss Sports AG. Genauer gesagt, jene des Verkaufsladens Stöckli Outdoor Sports in Wolhusen. Jedenfalls gestern.

Theres Bühlmanntheres Bühlmann
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Die Stöckli-Mitarbeiter mit CEO Beni Stöckli (vorne, rechts) freuen sich im Verkaufsladen in Wolhusen über die WM-Silbermedaille von Tina Maze im Riesenslalom. (Bild Philipp Schmidli/AP)

Die Stöckli-Mitarbeiter mit CEO Beni Stöckli (vorne, rechts) freuen sich im Verkaufsladen in Wolhusen über die WM-Silbermedaille von Tina Maze im Riesenslalom. (Bild Philipp Schmidli/AP)

Denn wie immer, wenn Athleten mit Stöckli-Ski unter den Füssen irgendwo auf der Welt an der Arbeit sind, werden ihre Fahrten vor dem Fernseher mitverfolgt. Vor allem natürlich jene der ganz grossen Dominatorin dieses Winters, der 29-jährigen Slowenin Tina Maze. Und an einer Weltmeisterschaft bekommt so ein Rennen eine noch viel grössere Bedeutung. «Ich bin überzeugt, Tina schafft es auf das Podest, diese zwei Zehntel sind doch aufzuholen», prophezeit Beni Stöckli (43), CEO von Stöckli Swiss Sports AG. Auf Platz 4 liegt sie, die Tina Maze, nach dem ersten Lauf im Riesenslalom in Schladming.

Hochbetrieb am Kaffeeautomaten

Im Verkaufsladen in Wolhusen herrscht erst einmal Hochbetrieb am Kaffeeautomaten – und dann füllt sich der Raum vor dem Fernseher zusehends. «Ich trete etwas in den Hintergrund, sonst sieht ja niemand mehr nach vorne», sagt Aart-Jan Wernas, der mit seinen 197 Zentimetern tatsächlich alle überragt. Erster Applaus gibt es für die Schwyzerin Wendy Holdener. «Ist die Maze schon runter?», fragt einer, der später dazukommt. «Mensch, die kommt doch als Vierte nach dem ersten Lauf erst später», wird er von einem Kollegen belehrt.

Dann folgt eine Werbepause, Zeit, sich noch einmal einen Kaffee zu besorgen, denn die nächsten Minuten werden es in sich haben – grosse Spannung liegt in der Luft. Es wird heftig diskutiert, analysiert und kommentiert. Einige Fahrerinnen hätten beim ersten Lauf etwas Mühe mit der eisigen Piste bekundet, stellt der Urner Patrick Kenel, der bei Stöckli im Verkauf arbeitet, fachmännisch fest. «Aber im zweiten Lauf wird es durch die Sonneneinstrahlung ja besser.»

Bei der Fahrt von Maria Höfl-Riesch nickt Beni Stöckli anerkennend und applaudiert. Jubel auch für Lara Gut, und dann atmet der CEO tief durch – langsam, aber sicher rückt der Start von Tina Maze näher. Stöckli trommelt nervös mit einer Hand auf den Hocker. Noch sind fünf Fahrerinnen ausstehend. Er trommelt nun mit beiden Händen. Anspannung pur bei den rund 30 Besuchern im Laden, darunter auch Kunden, denn die werden natürlich trotz den WM-Rennen bedient.

«Tina, wink doch in die Kamera»

Und dann steht sie im Starthaus – Tina Maze. «Hopp, Tina!», wird sie angefeuert. Ab und zu ein kleiner Rutscher bei ihrer Fahrt. «Das reicht nicht», glauben einige. Doch, es reicht, Führung für die jubelnde Maze in Schladming – grosser Jubel auch in Wolhusen. «Tina, wink doch bitte in die Kamera», sagt Patrick Kenel. Und als ob sie diese Bitte gehört hätte, winkt sie tatsächlich, was für Lacher sorgt. Anna Fenninger bleibt hinter Maze – eine Medaille hat die Slowenin nun auf sicher. Überschwängliche Freude und «Apéro, Apéro» tönt es in Wolhusen. Dann rutscht auch noch die Österreicherin Kathrin Zettel hinter Maze – es gibt fast kein Halten mehr, in der Kommetsrüti 7 in Wolhusen – Silber auf sicher. Dass die Führende nach dem ersten Lauf, die Französin Tessa Worley, am Ende vor Maze klassiert ist, mag die Hochgefühle nicht zu dämpfen.

Am Ende des Rennens geht Beni Stöckli hinter den Tresen, öffnet eine Flasche Wein und feiert mit allen Anwesenden diese WM-Silbermedaille. Ein Ritual, welches bei jedem Podestplatz einer Fahrerin oder eines Fahrers auf Stöckli-Ski wiederholt wird. «Wir kommen fast nicht mehr nach mit Feiern», sagt Ramona Gsponer, 3. Lehrjahrtochter im Verkauf, sagt es und stösst mit ihren Kollegen auf diese Medaille an. Und dies wird kaum der letzte Medaillen-Apéro in der Kommetsrüti 7 in Wolhusen gewesen sein.