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JUDO: Michael Iten startet zu seiner zweiten Karriere

Der 28-jährige Michael Iten hat sich vom internationalen Wettkampfsport zurückgezogen und arbeitet jetzt mehr, als er trainiert. Für den Berufseinstieg nimmt er einen weiten Weg in Kauf.
Das «Arbeitsgewand» von Michael Iten ist nunmehr ein Anzug mit Krawatte. Der Kleiderwechsel ist ihm nicht so leichtgefallen, da er im Judo viel erreicht hat. (Bild Maria Schmid)

Das «Arbeitsgewand» von Michael Iten ist nunmehr ein Anzug mit Krawatte. Der Kleiderwechsel ist ihm nicht so leichtgefallen, da er im Judo viel erreicht hat. (Bild Maria Schmid)

Marco Morosoli

Acht Mal hat Michael Iten (28) von der Baarer Judoschule Fuji-San seit 2005 den Schweizer-Meister-Titel im Judo in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm geholt. Er kann sich auch vorstellen, dass er bei den nächsten Titelkämpfen in Magglingen im November noch einmal auf die Matte treten wird. Doch es dürfte sein letzter Auftritt an einem solchen Anlass sein. Iten hat sich bereits Mitte Jahr vom internationalen Sport verabschiedet. Und das mit einer Goldmedaille beim Europacup in Uster (siehe Box).

Jetzt soll denn bald also auch in der Schweiz Schluss sein. Ein geplanter Rückzug in Raten, aber das durchdacht und nicht überstürzt. «Es war ein langer Prozess, der zu meinem Entscheid geführt hat», sagt der Judoka. Lange Jahre tanzt Michael Iten auf zwei Hochzeiten: Er trainiert viel für die zahlreichen Wettkämpfe und studiert gleichzeitig an der Universität Zürich Banking und Finance. Das geht bei dieser Doppelbelastung natürlich länger.

Das «innere Feuer» fehlt langsam

Immer wieder redet Iten in der Vergangenheit davon, das Studium abzuschliessen, aber er kann von diesem fordernden Sport nicht lassen. Doch Ende des vergangenen Jahres habe er immer mehr gespürt, so sagt er, dass das «innere Feuer fürs Judo nicht mehr so fest loderte wie früher». Selbst eine mögliche Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im kommenden Jahr ist für ihn keine Triebfeder mehr, um weiter auf die Karte Spitzensport zu setzen. «Ich wollte nicht mehr alles dem Sport unterordnen», begründet er den Schritt. Aber Iten ist keiner, der die Hände in den Schoss legt. Jetzt setzt er sich einen neuen Fokus. Er drückt studienmässig aufs Gaspedal. Er beginnt seine Uni-Masterarbeit zu schreiben. Ihr Titel: «Dynamische Interaktion zwischen Value und Momentum». Diese Aufgabe erledigt Iten zielstrebig. Innerhalb eines halben Jahres ist die Niederschrift erfolgreich erledigt, und er ist im Besitze der Diplome, deren Erlangung er lange vor sich hergeschoben hat.

Er ist weiterhin viel unterwegs

Und Anfang August hat der den Judo-Gi gegen eine adrette Kleidung mit Krawatte eingetauscht. «Ich habe beim Vermögensverwalter, bei dem ich schon während des Studiums gearbeitet habe, einsteigen können», erzählt Michael Iten. Und um zu seinem Arbeitsplatz zu kommen, nimmt er eine grosse Wegstrecke unter die Autoräder. Der Grund: Sein Arbeitgeber ICM hat seinen Sitz in Ruggell im Fürstentum Liechtenstein. «Ich bin mich das Unterwegssein gewohnt», sagt er. Früher pendelte er zwischen seinem Wohnort Baar, der Universität in Zürich und dem Judo-Leistungszentrum in Brugg. Aus dem Dreieck ist jetzt einfach eine Gerade geworden.

Jetzt ist mehr Kopfarbeit gefragt

Trotz der langen Fahrten ins Liechtensteinische ist Michael Iten zufrieden und glücklich. Natürlich fehle ihm der Druck manchmal, den er jeweils vor Wettkämpfen gespürt hatte, doch dies dürfte vorbeigehen. Die Art der Betätigung hat sich aber gewandelt. «Heute arbeite ich mehr mit dem Kopf als früher», sagte Iten und lacht. Wohl wissend, dass es auch beim Judo Köpfchen gebraucht hat, um die Taktik des Gegners lesen zu können. Iten schwärmt von neu gewonnenen Freiheiten: «Ich kann jetzt essen und trinken und muss nicht immer hinterher auf die Waage schauen.» Ob er auch mal ein wenig mehr als 60 Kilogramm schwer ist, das war die Gewichtslimite, welche er vor jedem Wettkampf einhalten musste, kümmert ihn nicht mehr. Er schätzt es aber auch, dass er bei der Freizeitgestaltung «spontaner ist als früher». Er könne nun auch wieder «Freunde treffen» – oder auf Reisen gehen. Dinge, die in seiner Agenda jahrelang keinen Platz mehr hatten.

Vom Training kann er nicht lassen

Von seinem Sport lassen kann Michael Iten jedoch (noch) nicht ganz. Zweimal in der Woche geht er immer noch auf die Matte. Dazu geht er regelmässig ins Krafttraining. Von einem Tag auf den anderen gar nichts mehr zu machen, sei etwas, das er dann doch nicht könne. Schliesslich will er es ja im November bei seiner letzten Schweizer Meisterschaft nochmals wissen. Obwohl Iten nicht mehr alles in die Waagschale wirft, um im Berner Seeland zuoberst aufs Treppchen steigen zu können: «Bei einem solchen Wettbewerb zählt auch die Erfahrung.» Viel wird auch davon abhängen, ob sein langähriger Konkurrent in seiner Gewichtsklasse, Ludovic Chammartin, auch in Biel an den Start gehen wird.

In den Jahren viel erlebt

Doch das kümmert Michael Iten derzeit nicht. Er redet vielmehr von seinen Reisen. Eine grosse hat er schon hinter sich. Als Belohnung für die bestandenen Prüfungen ist er nach Kalifornien geflogen und hat von dort aus einen «Abstecher» auf die US-Inselgruppe Hawaii gemacht. Eines sagt Iten bestimmt: «Ich bereue meinen Rücktritt vom Spitzensport nicht.» Da Judo in der Schweiz leider ein brotloser Sport ist, trieb Iten das Studium parallel zu seiner Sportkarriere konstant voran, um auch nach dem Leistungssport auf dem beruflichen Standbein alle Möglichkeiten offen zu haben.

Durchsetzen auf anderem Parkett

Doch in den Jahren als aktiver Judosportler hat der Baarer auch viel erlebt und ist auch viel auf der Welt herumgekommen – und hat dabei sicher auch viel gelernt, denn wer sich im Judo durchsetzt, lässt sich auch im Beruf nicht so leicht unterkriegen.

Hinweis

Mehr über Michael Iten erfahren Sie auf www.michael-iten.ch. Mehr über die Judoschule Fuji-San auf www.fuji-san.ch.

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