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Jürgen Klopp in Liverpool: der fünfte Beatle

Jürgen Klopp gegen José Mourinho. The Normal One gegen The Special One. Das Spiel zwischen dem FC Liverpool und Manchester United vom Sonntag (17 Uhr) ist ein Duell der Gegensätze.
Carsten Meyer
Liverpool-Trainer Jürgen Klopp prangt überdimensional auf einer Hauswand mitten in der Stadt Liverpool. (Bild: Paul Ellis/AFP (10. Dezember 2018))

Liverpool-Trainer Jürgen Klopp prangt überdimensional auf einer Hauswand mitten in der Stadt Liverpool. (Bild: Paul Ellis/AFP (10. Dezember 2018))

Muhammad Ali. David Bowie. Stephen Hawking. Jack Nicholson. Man kann schon sagen: Wer vom grossartigen Streetkünstler Akse P19 verewigt wird, ist ganz oben angekommen. Jürgen Klopp darf sich von Akses letztem Werk also durchaus geschmeichelt ­fühlen. Denn seit ein paar Tagen prangt Liverpools Trainer überdimensional auf einer Hauswand in der Jordan Street, im Liverpooler Bezirk Baltic Triangle. Das Bild zeigt Klopp in einer für ihn typischen Pose – mit der Hand am Herzen und auf dem Vereinslogo.

Zuletzt war die Geste leicht modifiziert am vergangenen Dienstag zu sehen. Da erlebte Anfield eine dieser magischen Champions-League-Nächte, die aus einem Stadion einen Mythos werden lassen. Liverpool bezwang Napoli und zog durch das 1:0 in die Achtelfinals ein. Und die Fans erlebten auf 93 Minuten komprimiert die ganze Faszination des Fussballs. Chancen, Tempo, Leidenschaft und eine unvergleichliche Atmosphäre. Danach sah Klopp in die Menge, formte mit den Händen ein Herz und sprach: «Ich möchte mich bei Anfield bedanken. Unglaublich, was die Leute geleistet haben.»

Immer volle Pulle, immer nach vorne

Eine Liebe, die von den Fans erwidert wird. Klopp hat seit seiner Ankunft 2015 die Herzen der Anhänger im Sturm erobert. Mit seinem Humor. Mit seiner Leidenschaft. Aber vor allem mit der Art des Fussballs, den er seine Mannschaft spielen lässt. Immer volle Pulle, immer nach vorne. Und fast immer erfolgreich. Letzte Saison führte er das Team in den Champions-League-Final, heuer bis an die Spitze der Liga – mit einer eindrucksvollen Bilanz. 16 Spiele, 13 Siege, drei Remis, keine Niederlage. Liverpool ist in England die Mannschaft der Stunde.

Am Sonntag trifft sie auf den Tabellen-Sechsten Manchester United, das mittlerweile so etwas wie der Gegenentwurf des FC Liverpool ist. Die einzige Gemeinsamkeit besteht darin: Beide Teams schlagen auf dem Transfermarkt zu, dass einem nur noch so die Ohren schlackern. Liverpool gab in den vergangenen zwei Spielzeiten fast 400 Millionen Franken aus, Manchester United knapp 315. Aber sonst könnten die Unterschiede kaum grösser sein.

Die einen spielen einen fast schon zynischen Ergebnisfussball, die anderen überrennen ihre Gegner geradezu.

Die einen hecheln ihren Erwartungen meilenweit hinterher, die anderen sind auf einem guten Weg, sie sogar zu übertreffen.

Der eine Trainer (Manchesters José Mourinho) nennt sich selbstverliebt The Special One. Der andere (Klopp) selbstironisch The Normal One. Mehr muss man eigentlich gar nicht wissen, wenn man die beiden miteinander vergleicht. In Liverpool können sie jedenfalls gar nicht genug bekommen von dem 51-jährigen Deutschen. Sie huldigen ihm bei jeder Ge­legenheit. Ihr Motto lautet: «In Klopp We Trust». Es ist, als hätte Liverpool plötzlich einen fünften Beatle bekommen. Das Einzige, was zum vollkommenen Glück fehlt, ist ein Titel. Bisher stand Klopp mit dem FC Liverpool in drei Endspielen (Ligapokal, Europa League, Champions League), alle drei gingen verloren. Doch die grösste Sehnsucht gilt sowieso einem anderen Wettbewerb, der eng­lischen Meisterschaft. Zuletzt ­gewann der Club diesen Titel vor 28 Jahren. Eine lange Zeit, für alle Anhänger des Vereins eine viel zu lange. «Man kann keine Garantien geben», sagt Klopp, «man kann nur die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass man Titel gewinnt.»

Mit guten Transfers, harter Arbeit und leidenschaftlichem Fussball. Das zahlt sich in dieser Saison bisher aus. Auf dem Feld – und in der Tabelle.

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