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Julien Wanders am Leichtathletik-Meeting in Luzern - der Auftritt des «weissen Kenianers»

Morgen Dienstagabend findet auf der Luzerner Allmend das grosse Leichtathletik-Fest statt.
Turi Bucher
Julien Wanders (Mitte) am letzten Freitag beim 5000-Meter-Lauf an der Athletissima in Lausanne. (Bild: Alexandra Wey/Keystone, 5. Juli 2019)

Julien Wanders (Mitte) am letzten Freitag beim 5000-Meter-Lauf an der Athletissima in Lausanne. (Bild: Alexandra Wey/Keystone, 5. Juli 2019)

Mit einer gewichtigen Absage müssen die Organisatoren des morgigen Spitzenleichtathletik-Meetings von Luzern leben: Der deutsche Speerwerfer Johannes Vetter, der 2017 mit 94,44 m sensationell die zweitbeste je geworfene Weite erreichte, muss schonungshalber verzichten. Die Ärzte rieten Vetter von einem Start in Luzern ab, weil das Risiko einer erneuten Verletzung zu gross sei. Sein Trainer Boris Obergföll sagt: «Johannes will im Herbst in Doha seinen Weltmeistertitel verteidigen. Darauf sind wir fokussiert, deshalb wird Johannes zwei weitere Wochen ohne Wettkampf trainieren.» Ebenfalls verletzt abmelden musste sich der deutsche Speerwerfer Bernhard Seifert, die aktuelle Nummer 3 der Weltbestenliste.

Das sind nur kleine Wermutstropfen. Luzern präsentiert einmal mehr ein attraktives Teilnehmerfeld. Das sind die Stars vom Dienstagabend:

Alex Wilson – Rekordhalter 
über 100 und 200 m

Der für die Basler Old Boys startende Publikumsliebling mit jamaikanischen Wurzeln schlug vor rund einer Woche in der «Höhenluft» von La Chaux-de-Fonds gleich zweimal ganz heftig auf die Pauke: Alex Wilson (28) lief mit 10,08 über 100 m und mit 19,98 über 200 m zwei neue Schweizer Rekorde. Über 200 m blieb er erstmals in seiner Karriere unter 20 Sekunden. An der Europameisterschaft in Berlin holte er sich 2018 die Bronzemedaille über 200 m. Auch in Luzern wird Wilson voraussichtlich lediglich über die 200 m laufen.

Jimmy Vicault – Gentleman-
Sprinter aus Frankreich

Der 27-jährige Sohn eines Franzosen und einer ivorischen Mutter ist über die 100-m-Distanz Europarekordhalter (9,86). An den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro lief er mit 10,04 auf den 7. Rang. Unvergessen ist sein Luzerner Gentleman-Auftritt von 2016: Er hörte wie zwei andere Läufer auch das Fehlstartsignal nicht und rannte das eigentlich bereits gestoppte Rennen in 9,98 Sekunden durch. Die Organisatoren fragten ihn daraufhin, ob es vielleicht möglich wäre, dass er nochmals starten könne. Vicault erzählt: «Im ersten Moment sagte ich ‹Nein›, weil es für die Muskeln nicht gut ist, so rasch nochmals zu sprinten. Doch dann sagte ich mir, ‹bien›, das ist schliesslich mein Job, also laufe ich halt nochmals.» Knapp 10 Minuten später lief er also erneut und gewann das 100-m-Rennen in 10,08 Sekunden.

Mujinga Kambundji – längst Luzerner Stammgast

Die Bernerin mit kongolesischen Wurzeln ist seit sechs Jahren Stammgast am Luzerner Meeting. Noch ist die Sprinterin, die am 
17. Juni ihren 
27. Geburtstag feierte, auf der Suche nach der Topform. Ihr grösster Erfolg bisher: Bronze an der EM 2016 in Amsterdam über 100 m. Auch ihre Saisonplanung ist auf die WM in Doha ausgerichtet. Wer weiss, vielleicht gelingt ihr in Luzern ein erster Exploit im Jahr 2019.

Gina Lückenkemper – die EM-Silbersprinterin

Die 22-jährige Deutsche, die in Bochum Wirtschaftspsychologie studiert, ist in Luzern eine Topkonkurrentin von Mujinga Kambundji. An der EM 2018 in Berlin holte sich Gina Lückenkämper im 100-m-Final die Silbermedaille mit einer Zeit von 10,98 Sekunden. Ihre beste Zeit über 100 m stammt aber aus dem Jahr 2017: An der WM in London lief sie 10,95.

Pamela Dutkiewicz – mit viel sportlichem Background

Ihre polnische Mutter Brygida lief früher über 800 m, die 27-jährige Pamela Dutkiewicz startet 
selber für Deutschland über die 100 m Hürden. An der Weltmeisterschaft 2017 in London gewann sie überraschend die Bronzemedaille mit einer Zeit von 12,72 Sekunden. An der Europameisterschaft in Berlin vor einem Jahr erfolgte die Steigerung zur Silbermedaille (ebenfalls 12,72). Vor einem Jahr lief Dutkiewicz, deren Vater Marian polnischer U21-Nationalfussballer war, in Luzern sogar 12,67.

Julien Wanders – der 
weisse Kenianer

Der 23-jährige Genfer Langstreckenläufer ist eine absolute Attraktion für Luzern. Er startet morgen Abend um zirka 21.15 Uhr über die 3000-m-Distanz. Wanders hält die Europarekorde über die Halbmarathonstrecke (59,13 Minuten) sowie über 10 Kilometer (27,25). Ausserdem ist er Weltrekordhalter über die 5-km-Strecke auf der Strasse. Er ist vor drei Jahren nach Kenia ausgewandert und lebt dort vergleichsweise auf Pilatus-Höhe im Hochland. In der Stadt Iten mit rund 42 000 Einwohnern lebt er zusammen mit seiner Freundin Koly, die ein Restaurant betreibt. Wanders sagt es gerne nochmals: «Wenn du so schnell laufen willst wie ein Kenianer, dann musst du nicht nur trainieren wie ein Kenianer, sondern auch so leben wie ein Kenianer.»

Daniel Roberts – nach der Footballverletzung über Hürden

Erst 21-jährig, ist der US-Student über die 110 m Hürden ein heisser Anwärter auf eine Medaille an der WM in Doha. Für diese WM muss er sich allerdings an den US-Trials vom 25. bis 28. Juli noch qualifizieren. Am vergangenen Freitag startete er schon in Lausanne (13,11), Luzern ist ein weiterer Trials-Test für ihn. Roberts ist mit seinen 13 Sekunden, die er dieses Jahr im texanischen Austin lief, die aktuelle Weltnummer 2. Die 100-m-Strecke läuft er übrigens in 10,91 Sekunden. Auch der sympathische US-Athlet Roberts stammt aus einer sportlichen Familie: Er spielte mit seinen Brüdern Football, wobei er sich eine schwere Knieverletzung zuzog und zweimal operiert werden musste. Seine Schwester Alicia war eine Spitzenvolleyballerin.

Magnus Kirt – die Speerspitze eines Topfeldes

Dass das Luzerner Meeting Speerwurf-Sport vom Feinsten bietet, ist längst weltweit bekannt. Der letztjährige Luzern-Sieger Magnus Kirt aus Estland führt mit seiner Jahresweltbestweite von 90,61, geworfen im finnischen Kuortane und gleichzeitig persönliche Bestmarke, ein starkes Feld an. Neben dem 1,91-m-Mann sind nämlich auch die Deutschen Thomas Röhler und Andreas Hofmann am Start. Röhler ist Olympiasieger von Rio, (Bestweite 93,90 m, Doha 2017). Hofmann, ein Fan der Rhein-Neckar-Löwen-Handballer, warf den Speer im letzten Jahr auf 92,06 m.

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