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Golden State lebt die kalifornische Nonchalance

Die Golden State Warriors haben so viel Talent angehäuft, dass sie eigentlich unschlagbar sind. Das wiegt das Team immer wieder in falsche Sicherheit – dies könnte in den Playoffs die grosse Chance von Clint Capela und den Houston Rockets sein.
Nicola Berger
Einer der Superstars bei den Golden State Warriors: Kevin Durant (rechts). (Bild: Brandon Dill/AP)

Einer der Superstars bei den Golden State Warriors: Kevin Durant (rechts). (Bild: Brandon Dill/AP)

Seit Steve Kerr vor fünf Jahren Trainer wurde, führte er die Golden State Warriors dreimal zum Titel, 2016 ehrte man ihn als «Coach des Jahres». Kerr (52) hat eine faszinierende Vita. Schon als Spieler war er fünffacher NBA-Champion, vor allem aber reicht sein Horizont weit über den Sport hinaus. Seine Kindheit verbrachte er im Libanon und in Ägypten, sein Vater Malcolm wurde 1984 von islamischen Terroristen in Beirut mit zwei Schüssen in den Hinterkopf hingerichtet. Seither sagt Kerr, Niederlagen und Misserfolge könnten ihm nichts mehr anhaben, es sei ja nur Sport. Und dazu passt, dass er vor kurzem sein Rezept für den Erfolg mit den Warriors verriet: «Ich lasse die Spieler einfach machen.»

Es ist eine riskante Strategie, aber beim Team aus Oakland funktioniert sie. Bis sich der Center DeMarcus Cousins verletzte, verfügten die Warriors über fünf All-Stars, jetzt sind es noch deren vier, darunter mit Stephen Curry, Kevin Durant und Klay Thomp-son drei Spieler, die eine Partie in der Offensive alleine entscheiden können. Der General Manager Bob Myers, ein ehemaliger Spieleragent, hat ein Team zusammengestellt, das der Konkurrenz so überlegen ist, dass den Warriors im Juni der dritte Titel in Folge winkt. Seit den Los Angeles Lakers mit Kobe Bryant und Shaquille O’Neal zwischen 2000 und 2002 ist das niemandem mehr gelungen.

Capelas Kampfansage

Doch die Warriors geben in dieser Saison seltsam oft Rätsel auf. In der ersten Playoff-Runde verloren sie zu Hause zweimal gegen die tapferen, aber sehr bescheidenen Los Angeles Clippers, deren Skorer Lou Williams ihnen darauf «Arroganz» vorhielt. Tatsächlich wirkt Golden State in dieser Saison oft desinteressiert, gehandicapt von einer kalifornischen Nonchalance; manche Spieler scheinen die Defensivarbeit als optional zu begreifen, weil es diese Gewissheit gibt: Dass das Kollektiv die Klasse hat, jeden noch so grossen Rückstand zu drehen. Aber das Spiel ist gefährlich, ein Tanz vor dem Abgrund, es hat in den letzten Monaten oft genug nicht funktioniert. Die Frage ist, ob die Schiffsladung an Talent übertüncht werden kann von Trägheit, von Egos, von einem aus den Erfolgen der letzten Jahre genährten Sattheitsgefühl.

Die Verletzlichkeit der Warriors ist der Konkurrenz nicht entgangen, der Schweizer Clint Capela sagte, er wünsche sich Golden State als Zweitrundengegner. Dazu braucht es im siebten Spiel einen Sieg der Denver Nuggets über die San Antonio Spurs, damit dieses Duell bereits in der zweiten Runde stattfinden kann. Der Genfer Center der Houston Rockets ist selten um eine Kampfansage verlegen, schon im Vorjahr sagte er, sein Team sei «besser» als die Warriors. Beinahe hätte er recht behalten, doch nachdem sich die Teamstütze Chris Paul verletzte, verspielten die Rockets im Direktvergleich eine 3:2-Serienführung.

Dreamteam könnte auseinanderbrechen

Nun dürfte sich ihnen bald die Chance zur Revanche bieten, in einer Art vorgezogenem Final; der Sieger der Serie wird in der Western Conference kaum aufzuhalten sein. Es würde nicht erstaunen, sollten die Warriors ihr Mojo wiederfinden und die Dynastie weiterführen. An Motivation sollte es ihnen aller Genügsamkeit zum Trotz nicht mangeln: Es ist ein realistisches Szenario, dass das Dreamteam nach der Saison auseinanderbrechen könnte, es droht ein Abgang Durants, dessen Vertrag endet. Es sind Sorgen für andere Tage, vorerst benötigten die Warriors in der Nacht auf heute Samstag in Los Angeles den vierten Sieg der Serie. Klay Thompson sagte: «Lasst uns dieses Spiel mit 30 Punkten Unterschied gewinnen, das ist unser wahres Potenzial.» Der Grat zwischen Selbstvertrauen und Überheblichkeit ist in Kalifornien schmal. Es ist die Aufgabe des tiefenentspannten Trainers Steve Kerr, dass die Warriors diesen Frühling unbeschadet überstehen.

NBA. Playoffs (best of 7). Achtelfinals. 6. Runde. Western Conference: San Anton io (7. der Qualifikation) – Denver (2.) 120:103; Stand in der Serie 3:3.

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