KAMPFKUNST: Besser als der Vater? «Ja!»

Koreanischer Schwertkampf, das ist die Passion des Meggers Martin Siegenthaler und seines Sohnes Marc. International feiern sie beachtliche Erfolge.

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Martin Siegenthaler und sein Sohn Marc letzten Samstag beim Training in Meggen. (Bild Nadia Schärli)

Martin Siegenthaler und sein Sohn Marc letzten Samstag beim Training in Meggen. (Bild Nadia Schärli)

Stephan Santschi

Die Medaillenausbeute der Familie Siegenthaler aus Meggen an den Schweizer Meisterschaften von Ende Oktober lässt sich sehen. Vater Martin (46) gewann zweimal Silber und einmal Bronze, Marc (10) sicherte sich sogar zweimal Gold und einmal Bronze. «Mein Sohn ist besser als ich, ich eifere ihm nach», sagt Martin Siegenthaler und lacht. Beide bestreiten die in der Schweiz noch sehr junge Sportart Haidong Gumdo (siehe Kasten) seit drei Jahren. «Ich habe wenig Sport gemacht und wollte das ändern. Ganz in der Nähe von unserem Zuhause befindet sich eine Dojangschule. Als sich mein Sohn dafür zu interessieren begann, kam auch ich auf den Geschmack», erzählt Siegenthaler. Ihn fasziniert beim koreanischen Schwertkampf die Herausforderung, «Körper und Waffe auf einen Nenner zu bringen. Die Bewegungen müssen sehr harmonisch sein.»

Schreie werden immer leiser

Seine Fortschritte sind beachtlich. Siegenthaler ist bei den Erwachsenen wie sein Sohn bei den Kindern Träger des rot-schwarzen Gurts und hat sich damit sämtliche neun Gürtel des Basistrainings angeeignet. Bevor man zur nächsten Prüfung zugelassen wird, trainiert man jeweils rund vier Monate in verschiedenen Disziplinen. Den Ablauf einer Übungseinheit schildert der Megger so: «Nachdem man den Meister begrüsst hat, startet man mit der Konzentrationsphase. Danach steht vor allem Gumbub im Fokus, eine der Königsdisziplinen im Haidong Gumdo.» Analog zur Kata im Karate kommt es zu einer Abfolge von Kampftechniken gegen einen imaginären Gegner. Bei der Prüfung zum neunten Gürtel habe er acht Formen aneinanderreihen müssen. Die Bewegungen müssen wie im Kendo, dem «japanischen Fechten», von einem Schrei begleitet werden. «Mit der schwindenden Energie wurden diese Schreie immer leiser. Am Ende ging ich auf dem Zahnfleisch», berichtet Siegen-thaler.

Kerzen löschen und Bälle treffen

Weitere Disziplinen sind «Candle» – hier gilt es mit einem Schwerthieb eine Kerze zu löschen, ohne sie zu berühren, sowie der «Papercut», wo man ein Stück Papier an gekennzeichneten Stellen sauber horizontal durchtrennen muss. An den Europameisterschaften in Paris vom letzten Jahr, an dem die Siegen-thalers insgesamt vier Medaillen abräumten, figurierten zudem «Ball cutting» (Treffen eines Balls in der Luft) und «Breaking» (Brechen eines Plastikbretts) im Wettkampfprogramm. Nächstes Jahr finden die EM in Köln statt. Dann wird Siegenthaler, so hofft er, bei den Schwarzgurtträgern am Start sein. Derzeit bereitet er sich auf die Prüfung für diesen 1. Dan vor. «Irgendwann an einem grossen Turnier eine Goldmedaille zu gewinnen, das wäre schon eine tolle Sache», sagt er. Ab dem schwarzen Gurt darf er bei der Disziplin «Bambus schneiden» mit einem echten Schwert üben. Bisher waren es Holz- und Aluminiumwaffen (halbecht).

«Ruhe und Übersicht für Alltag»

Wie andere Kampfkünste soll auch die Ausübung von Haidong Gumdo innere Ruhe, Selbstvertrauen, Disziplin und Respekt vermitteln. Giovanni Ambesi, der Leiter der Dojangschulen in Meggen und Luzern, erklärt es so: «Die innere und äussere Haltung verändern sich positiv. Dies führt dazu, dass wir in komplexen, stressigen Alltagssituationen die notwendige Ruhe und Übersicht bewahren, um sie zu meistern. Wir lernen auch, uns abzugrenzen und zu schützen.» Eine Wirkung, die Martin Siegenthaler so bestätigen kann: «Man wird ruhiger, man lernt, wie man abschaltet und zu Energie kommt.» Sein Sohn Marc, der wöchentlich dreimal und damit einmal mehr als sein Vater trainiert, freut sich derweil an «der Konzentration, der Kraft, dem Teamwork und der Präzision», die ihn Haidong Gumdo lehre. Zudem mache es einfach viel Spass. Bleibt noch eine Frage zu klären: Ist er wirklich besser als sein Papa? Die Antwort kommt mit der Geschwindigkeit eines Schwerthiebs: «Ja!»