KAMPFSPORT: «Der Kampfsport ist unberechenbar»

Thaiboxerin Sonja Schnüriger kämpft am Freitagabend in der Casino Fight Night in Luzern um den Europameistertitel. Herausgefordert wird die 30-Jährige aus Kriens von der Griechin Sofia Teskou.

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Ist seit nunmehr neun Jahren in der Thaibox-Szene aktiv: die 30-jährige Sonja Schnüriger aus Kriens. (Bild Dominik Wunderli)

Ist seit nunmehr neun Jahren in der Thaibox-Szene aktiv: die 30-jährige Sonja Schnüriger aus Kriens. (Bild Dominik Wunderli)

Roland Bucher

Sonja Schnüriger ist eine umtriebige junge Frau. Was sie anpackt, mit Lust, Freude und Herzblut, dem haftet schon bald einmal die höchste Qualitätsgüte an. Seit nunmehr bald neun Jahren in der Thaibox-Szene bekannt, beliebt und erfolgreich, feilt die Krienserin gleich auf drei Ebenen an ihrer Karriere. Als erfahrene Thaibox-Kämpferin zählt die amtierende Europameisterin nach Version WFC (Word Fighters Council) einerseits zu den Klasseathletinnen ihrer Sportart. Andererseits macht sie sich auch als Trainerin in der Ausbildung junger Kampfsport-Zöglinge einen guten und respektvollen Namen.

Ausdauer in jedem Bereich

Und zusammen mit Thomas Hladky leitet Sonja Schnüriger als Geschäftsführerin auch das Thai-Kickbox Center Luzern. Was vor vielen Jahren in Horw mit einem bescheiden kleinen Kampflokal begann, gedieh auch dank dem unerhörten Engagement des Aushängeschilds – prächtig und hat mittlerweile in Ebikon eine zweite Trainings- und Kampfstätte erhalten. «Mein Pensum wächst und wächst», sagt sie mit einem Lächeln, «so zu 120 Prozent lege ich im Moment schon in die Riemen. Aber wissen Sie was? Ich mache es gerne.» Oder um es noch ultimativer auszudrücken: «Ich mache nichts so gerne, wie mich der Thaiboxerei zu widmen.»

Wer mit Sonja Schnüriger parliert, der spürt den Biss, die Hingabe für ihr geliebtes Thaiboxen. Die Modellathletin, die sehr gerne auf Reisen geht, aber immer wieder mit grösster Freude ins Nest ihrer Familie und Freunde zurückkehrt, schwärmt zum Beispiel nicht zuletzt von Thomas Hladky, ihrem Mentor, Trainer und Geschäftspartner in Personalunion. «Ihm», meint sie anerkennend, «habe ich so unendlich viel zu verdanken. Er war und ist mein grösster Förderer. Und er trichtert mir auch immer ein, dass ich als Kämpferin noch längst nicht den Zenit erreicht habe. Das macht mir Mut, weiterhin ambitioniert in den Ring zu steigen.»

Kampftaktik bereits im Kopf

Thomas Hladky wird auch am Freitagabend in Sonja Schnürigers Ringecke stehen, Anweisungen für den Kampf diktieren, die Taktik bestimmen, Regungen zeigen und so hoffentlich – am Schluss zusammen mit seinem Zögling in Jubel ausbrechen. Im Hinterkopf wisse sie schon, betont Sonja Schnüriger, wie sie den Kampf angehen will. Zum Beispiel hoffe sie, sich im Clinch Vorteile zu erobern, zu beeindrucken, zu punkten. «Aber der Kampfsport ist unberechenbar», erklärt sie, «und ganz besonders beim Thaiboxen kannst du dich nicht auf zwei, drei Kampfelemente beschränken, sondern musst alle deine Trümpfe ausspielen.» Das wird sie gewiss tun und versuchen, ihrer Anhängerschaft das grosse Erfolgserlebnis zu vermitteln: «Ein zweiter EM-Titel, das wäre – ja, das wäre einfach fantastisch!»

Spektakulärer TV-Auftritt

Ein zweiter EM-Titel, das würde übrigens auch den Machern der Ende Mai oder Anfang Juni zur Ausstrahlung gelangenden Schweizer TV-Sendung «Virus Voyage» ganz gut in den Kram passen. Diese Serie zeigt, wie die Schweiz auch anders sein kann, verblüffend und überraschend. In einer Hauptrolle auch Sonja Schnüriger: Letzten Donnerstag weilte die Kameraequipe bei der Krienserin, die ihre Kampfkunst in ihrem Lokal in Horw und Trainingsvorbereitungen auf dem nahen Sonnenberg demonstrierte. «Es hat wirklich Spass gemacht», erzählt sie, «und ich bin durchaus auch ein bisschen stolz, hier mitmachen zu dürfen.»

So wird Sonja Schnüriger am kommenden Freitag mit grösster Zuversicht in den Ring steigen und alles geben, um den über fünf Runden (zu je zwei Minuten) führenden Europameisterschaftskampf zu ihren Gunsten zu entscheiden. «Ich bin zuversichtlich, dass ich es packe», sagt sie, die als grosses Vorbild «meine Eltern» tituliert: «Für Mama und Papa kam die Familie immer an erster Stelle. Ohne ihre so unglaubliche positive Einstellung und ihre Grossherzigkeit hätte ich nie geschafft, was ich heute vorweisen kann.» Zusammen mit ihren Eltern Irene und Werner und ihren drei Brüdern wird an der vordersten Zuschauerplatzierung auch Aaron, ihr Freund, kräftig die Daumen drücken: Ihn, der ebenfalls Thaiboxen betreibt, hatte sie in einem Trainingscamp in Thailand kennen gelernt. «Ich bin nichts anderes als ein glücklicher Mensch», sagt Sonja Schnüriger. Das Glück könnte am Freitag kurz vor Mitternacht zur Perfektion gedeihen.