KAMPFSPORT: Schnüriger: Spital statt EM-Krone

Sonja Schnüriger kämpft erstmals um den Pro-Europameister-Titel im Muay Thai der Profis. Eine offene Wunde über dem rechten Auge macht der 30-Jährigen einen dicken Strich durch die Rechnung.

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Lag bis zum Abbruch in der fünften Runde vorne: die 30-jährige Sonja Schnüriger aus Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Lag bis zum Abbruch in der fünften Runde vorne: die 30-jährige Sonja Schnüriger aus Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Nathalie Ehrenzweig

Der vergangene Freitagabend endete für Sonja Schnüriger im ausverkauften Casino (400 Zuschauer) in Luzern nicht so, wie es sich die 30-Jährige vorgestellt hatte: Sie landete im Spital und musste sich einen Cut (offene Wunde) über ihrem rechten Auge nähen lassen. Ziel wäre gewesen, mit Freunden und der Familie den Pro-Europa-Meistertitel im Muay Thai (Thai-Kick-Boxen) zu feiern. Der Cut war denn auch der Grund, dass der Schiedsrichter den Titelkampf in der fünften und letzten Runde abgebrochen hatte. «Ich lag nach Punkten vorne», war Schnüriger nach dem Abbruch überzeugt, «und hätte er den Kampf nicht beendet, ich hätte nochmals richtig Gas gegeben und den Kampf auch gewonnen.» Dieses Gefühl habe sie schon während der ersten vier Runden gehabt.

Markus Adlun (links) gegen Oliinyk Oleksii. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
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Markus Adlun (links) gegen Olinky Oleksii. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Michael Böbner (oben) gegen Olinky Oleksii. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Michael Böbner (unten) gegen Olinky Oleksii (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Kenan Aksoy (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Impression aus dem Casino. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Sonja Schnüriger (hinten) betritt den Boxring. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Sonja Schnüriger ist nach dem Kampf gezeichnet. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Sonja Schnüriger (rechts) verliert den Kampf gegen Veronica Vernocchi. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Sonja Schnüriger (links) gegen Veronica Vernocchi. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Sonja Schnüriger (links) gegen Veronica Vernocchi (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Sonja Schnüriger (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Sonja Schnüriger muss einen Schlag einstecken. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Sonja Schnüriger (rechts) gegen Veronica Vernocchi (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Sonja Schnüriger (links) gegen Veronica Vernocchi (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Anne Ernert im Kampf gegen Elenora Fornasieri (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Anne Ernert (rechts) gegen Elenora Fornasieri (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Anne Ernert (links) gegen Elenora Fornasieri (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Anne Ernert holt zum Schlag aus. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Anne Ernert (rechts) gegen Elenora Fornasieri (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
André Renzenberger (rechts) gegen Bryan Merlin. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
André Renzenberger (rechts) gegen Bryan Merlin. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
André Renzenberger (links) gegen Bryan Merlin. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
André Renzenberger (links) gegen Bryan Merlin. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
André Renzenberger (rechts) gegen Bryan Merlin. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Anne Ernert (links) gegen Elenora Fornasieri. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Anne Ernert (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Anne Ernert (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Anne Ernert (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Anne Ernert (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Anne Ernert (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Anne Ernert (rechts) gegen Elenora Fornasieri. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Anne Ernert (rechts) gegen Elenora Fornasieri. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Markus Adlun (links) gegen Oliinyk Oleksii. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Vernocchi mit harten Kicks

Veronica Vernocchi aus Italien, ihre Gegnerin an der vierten Casino Fight Night, ist Pro-Weltmeisterin bis 62 kg – und seit letztem Freitag auch Europameisterin bis 60 kg. «Vernocchi hat doppelt so viele Kämpfe bestritten wie ich. Gegen eine Weltmeisterin zu verlieren, ist keine Schande», betonte Schnüriger mit schmerzverzerrtem Gesicht und kurz bevor sie ins Spital gefahren wurde. «Ich habe natürlich an den Sieg geglaubt. Doch ihre Kicks waren hart, sehr hart sogar. Sie war mit Abstand die stärkste Gegnerin, gegen die ich bisher gekämpft hatte», resümierte die Kick-Boxerin mit Respekt.

Es ist ein Vorteil, gegen eine Weltmeisterin zu kämpfen, da eine Menge Kampfvideos online aufgeschaltet sind. «Ich habe ihre Kämpfe analysiert, wusste, dass sie stark und auch mit hoher Intensität boxt. Darum war mein Plan, möglichst viel zu clinchen (regelwidriges Halten mit Stehen; Anm. der Red.)», erklärt die Luzernerin ihre Marschrichtung. Doch knapp drei Wochen vor dem Kampf verletzte sich Schnüriger im Training an der Schulter. «Wegen dieser Zerrung konnte ich kaum Clinching trainieren.» Im Kampf sei diese Verletzung aber erst in der vierten Runde wieder ausgebrochen. Ein Profi-Titel-Fight ist auf fünf Runden zu je drei Minuten angesetzt (Amateure 5 x 2 Minuten), dabei wird anders als bei den Amateuren kein Ellbogenschutz getragen. «So ist auch der Cut über meinem rechten Auge entstanden. Dieser war so tief, dass die Blutung nicht gleich gestoppt werden konnte, was den Schiedsrichter zum Abbruch bewogen hat», schildert Schnüriger die wohl entscheidende Kampfsituation. «Verlieren gehört im Sport dazu.»

Das Versprechen an die Mutter

Sonja Schnüriger kam vor neun Jahren auf einer Weltreise erstmals in Berührung mit dem Thai-Boxen. Als sie nach Luzern zurückkehrte und ihr ein Plakat vom Thai-Kick-Box-Center Luzern in die Augen stach, entschied sie sich spontan für ein Probetraining – auch um eine neue Sportart kennen zu lernen. Dass sie dereinst im Ring stehen, geschweige denn Titelkämpfe bestreiten würde, hätte sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen können – auch wenn sie damals ihrer Mutter versprochen hatte, nie kampfmässig in den Ring zu steigen.

Heute sitzen die ganze Familie und viele Freunde im Publikum, fiebern lautstark mit, wenn die studierte Sportwissenschaftlerin und Betriebswirtin in den Ring steigt. «Diese Rufe höre ich natürlich im Ring, und das motiviert zusätzlich», bestätigt die 30-Jährige mit einem Lachen. Ausserdem wird sie auch von ihren Schülern vom Thai-Kick-Box-Center unterstützt, vor allem von den Frauen. «Ich leite dort verschiedene Trainings. Und das ist auch der Grund, warum ich nur zwei oder drei Kämpfe im Jahr bestreite. Denn die Vorbereitungen sind sehr zeitintensiv», weiss Sonja Schnüriger.

EM-Titel noch nicht abgehakt

Nach einem Kampf gönnt sich Sonja Schnüriger normalerweise eine Woche Trainingspause, führt ihrem Köper viele Kohlenhydrate und Süssigkeiten zu. In den nächsten Tagen kuriert sie primär die offene Wunde über dem Auge aus. Danach beginnt sie wieder mit dem Training. «Ich bin ja noch immer Amateur-Europameisterin. In dieser Disziplin möchte ich noch um den Weltmeistertitel kämpfen. Das ist mein nächstes grosses Ziel», verrät Sonja Schnüriger ihre Zukunftspläne. Aber auch nach den Pro-Regeln (Profi) wolle sie nochmals einen Angriff auf den Europameistertitel nehmen. Und wer weiss, vielleicht trifft die Luzernerin dann wieder auf Veronica Vernocchi – und nimmt erfolgreich Revanche an der Italienerin ...

4. Casino Fight Night Luzern

Hauptkämpfe. Muay Thai, Pro-Titelkampf um die Europameisterschaft (ISKA/–60 kg): Veronica Vernocchi (It) s. Sonja Schnüriger (TKBC Luzern). – K-1, Pro-Titelkampf um die Schweizer Meisterschaft (–72,5 kg): Markus Adlun (TKBC Luzern) s. Maziar Housianpour (Phoenix Gym).

Rahmenkämpfe. K-1 (–68 kg): Stephan Kistler (Dübendorf) s. Kevin Glauser (TKBC Luzern). – Muay Thai (–67 kg): Bryan Merlin (Lausanne) s. André Ranzenberger (TKBC Luzern) K.o. in der 3. Runde. – Muay Thai (–56 kg): Anne Ernert (TKBC Luzern) s. Elenora Fornasieri (It). – K-1 (68 kg): Kenan Aksoy (TKBC Luzern) s. Marco Ronchetti (It). – MMA (–71 kg): Michael Böbner (TKBC Luzern) s. Oliinyk Oleksii (Ukr) durch Aufgabe in der 1. Runde.