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Interview

FCL-Assistenztrainer Silberbauer vor Kanada-Abenteuer: «Der Wechsel ist eine grosse Chance»

Michael Silberbauer ist noch bis am Sonntag Assistenztrainer beim FC Luzern. Danach wird der Däne Cheftrainer beim kanadischen Verein Pacific FC. Was ihn dort genau erwartet, weiss er selber noch nicht genau.
Interview: Raphael Gutzwiller
Blick in Richtung Kanada: Noch-Assistenztrainer des FC Luzern Michael Silberbauer. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 11. Dezember 2018))

Blick in Richtung Kanada: Noch-Assistenztrainer des FC Luzern Michael Silberbauer. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 11. Dezember 2018))

Michael Silberbauer, was erwartet Sie in Kanada?

Alles ist noch ganz neu. Es gibt bisher keine Liga, der Verein wurde erst gegründet. Es erwartet mich viel, bei dem ich Erfahrungen sammeln und profitieren kann. Für mich ist Kanada eine grosse Chance.

Der Wechsel zu einem neugegründeten Verein ist ein Schritt ins Ungewisse. Ist Ihnen der Entscheid leicht gefallen?

Ich habe mir zuerst schon meine Gedanken machen müssen. Ausschlaggebend war für mich die Möglichkeit, als Cheftrainer arbeiten zu können. Der Entscheid fiel nicht gegen Luzern, sondern dafür, dass ich Erfahrungen sammeln darf. In Kanada ist zwar alles noch neu, das Potenzial ist jedoch riesig.

Was wissen Sie schon vom kanadischen Fussball?

Viele Spieler sind auf dem Sprung nach Europa. Die Liga, die jetzt gegründet wurde, soll Kanada helfen an der WM 2026, die in Kanada, den USA und Mexiko stattfindet, ein gutes Team zu stellen. Kanada ist ein riesiges Land mit vielen Fussballern. Man spricht davon, dass es so viele Fussballer gibt wie Eishockeyspieler, also etwa eine Million.

Canadian Premier League

Die Canadian Premier League (CPL) startet im April 2019 in die erste Saison. Die aus kanadischen Teams bestehende Profiliga wurde gegründet, um den Fussball in Kanada besser zu fördern. Neben Silberbauers Pacific starten sechs weitere Vereine in die Liga: Cavalry, Edmonton, Forge, HFX Wanderers, Valour und York 9 FC.

Sportlich ist die CPL eine Liga tiefer als die nordamerikanische Major League Soccer (MLS) anzusiedeln. Dort ist Kanada mit den Vancouver Whitecaps, Montreal Impact und dem Toronto FC durch drei Teams vertreten.

In Ihrem Team werden also viele junge Spieler sein?

Am Anfang sicher. Dies auch deshalb, weil wir wegen dem Salary Cap keine hohen Löhne bezahlen können. Aber schon beim FCL habe ich mit vielen jungen Spielern gearbeitet. Das gefällt mir.

Welche Erfahrungen nehmen Sie aus Luzern mit?

Luzern hat mir geholfen auf meinem Weg. Ich habe mit vielen guten Trainern zusammengearbeitet: Markus Babbel, Patrick Rahmen, Gerardo Seoane, René Weiler und Thomas Binggeli. Von ihnen konnte ich profitieren. Jetzt fühle ich mich parat, es selber als Cheftrainer zu probieren.

Von welchem FCL-Trainer schauen Sie am meisten ab?

Man kann von jedem etwas lernen. Das gilt aber nicht nur für Trainer, sondern allgemein von den Mitmenschen. Das Wichtigste ist aber, dass man authentisch ist. Ich kann nicht so trainieren wie Weiler oder wie Babbel. Ich muss meinen eigenen Stil finden.

Und wie sieht Ihr Stil aus?

Da muss ich mich noch ein bisschen finden. Aber ich habe mich viel mit Persönlichkeitsentwicklung auseinandergesetzt, habe dazu viel gelesen. Ich habe eine Vorstellung, wie ich auftreten möchte. Aber ich werde am Anfang Fehler machen. Ich muss aber schnell lernen.

Bekommen Sie genug Zeit um Fehler zu machen?

Ja, das glaube ich. Ich habe dem Verein meine Vision erklärt, die offenbar überzeugt hat. Aber wissen Sie: Ich bin mir bewusst, dass es im Fussball schnell gehen kann.

Sie kamen einst als Hoffnungsträger zu YB, hatten aber keine erfolgreiche Zeit. Wie profitieren Sie als Trainer von solchen Erfahrungen?

In meiner Spielerkarriere habe ich alles gehabt: sehr erfolgreiche Zeiten, mit drei Meistertiteln mit Kopenhagen, aber auch Phasen, die schwieriger waren. Bei YB durfte ich nur noch in der U21 mittrainieren. Heute profitiere ich von allen Erfahrungen, kann so die Spieler vielleicht besser verstehen. Als ich in die U21 geschickt wurde, habe ich versucht das Beste daraus zu machen. Dann hat es echt Spass gemacht, mit den Jungen zu trainieren. Und so habe ich gemerkt, dass ich gerne Trainer werden würde.

Also war die Verbannung in die U21 eine gute Erfahrung?

Ja, im Nachhinein schon. Seitdem habe ich in der Schweiz eine tolle Zeit gehabt.

Dann folgte mit Biel die erste Station als Co-Trainer, wo es wieder Probleme gab.

Biel ging Konkurs, das war sicher eine spezielle Erfahrung. Aber eigentlich habe ich mich als Assistenztrainer wohlgefühlt. Deshalb habe ich die Diplome gemacht.

Und dann hat Sie der FCL gerettet?

Das war wirklich so. Ich habe mich gefragt, ob ich zurück nach Dänemark soll. Dann ist Luzern gekommen und hat mir ein Angebot gemacht.

Jedoch nur als Videoanalyst und nicht als Assistenztrainer.

Genau, aber ich war von Anfang an ehrlich. Ich habe gesagt, dass ich die Videos gerne mache, aber dass ich Trainer werden möchte. Deshalb wollte ich mit auf den Platz, um lernen zu können.

Machen Sie auch als Cheftrainer Videozusammenschnitte?

Ich schaue die Videos sicher selber zuerst an, das habe ich schon als Spieler gemacht. Aber ob ich auch die Videos selber schneide, weiss ich noch nicht.

Wie wichtig sind solche Videoanalysen?

Es gibt inzwischen viele Daten. Diese muss man nutzen. Die Spieler sehen es gerne visuell, wie sie sich verbessern können.

Sie waren in Dänemark, in den Niederlanden, in der Schweiz und nun geht es nach Kanada. Wie gross ist diese Umstellung?

Ich versuche mich so gut wie möglich, vorzubereiten. Ich will mich möglichst schnell integrieren, wie ich das auch in der Schweiz versucht habe. Hier habe ich rasch Deutsch gelernt. Englisch kann ich zwar schon besser, die kulturellen Unterschiede muss man aber berücksichtigen. Auch deshalb habe ich einen kanadischen Assistenztrainer ausgesucht, der dies einbringen kann.

Bisher haben Sie lediglich einen Rechtsverteidiger im Kader. Wie stellen Sie Ihr Team zusammen?

Wir haben einige Spieler gedraftet. Das bedeutet aber nicht, dass die Spieler im Kader stehen, sondern nur, dass wir mit den Spielern verhandeln können. Es werden nicht alle gedrafteten Spieler zu uns kommen. Wir versuchen, mit unserer Vision das bestmögliche Team zusammenzustellen.

Wie sieht diese Vision aus?

Entscheidend ist vor allem, gute Persönlichkeiten im Team zu haben, die in die gleiche Richtung arbeiten. Dies ist entscheidender als die Tatsache, ob wir ein 3-5-2 oder ein 4-4-2 spielen. Klar ist, dass wir attraktiven Fussball spielen möchten.

Was kann man in der ersten Saison erwarten?

Es ist wichtig, dass wir eine Kultur reinbringen und ein Fundament legen. Zwar sind alle Teams neu, aber es gibt ein paar Vereine, die schon Akademien haben. Somit sind sie im Vorteil. Ich hoffe, dass wir das rasch aufholen können.

Kehren Sie irgendwann in die Schweiz zurück?

Im Fussball weiss man nie. Luzern verlasse ich mit einem guten Gefühl. In Kanada will ich Erfahrungen sammeln. Was später sein wird, ist schwierig zu sagen.

Am Sonntag steht das letzte Spiel mit Luzern an. Mit welchem Gefühl verlassen Sie die Swisspor-Arena?

Das ist jetzt noch schwierig abzuschätzen. Aber es ist unglaublich, wie schnell alles gegangen ist. Im August habe ich Remo Meyer darüber informiert, nun ist der Moment gekommen. Klar ist, dass der Abschied speziell sein wird.

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