KARATE: Mit dem Tempo eines ICE-Zugs

Fabienne Kaufmann (19) aus Oberkirch strebt am Heimturnier in Sursee nach Spitzenklassierungen. Ihr Kampfschrei schüchtert auch ihren Chefcoach ein.

Stephan Santschi
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Fabienne Kaufmann in der Surseer Karatehalle: Dort hat sie am Wochenende ihren Heimauftritt. (Bild Eveline Beerkircher)

Fabienne Kaufmann in der Surseer Karatehalle: Dort hat sie am Wochenende ihren Heimauftritt. (Bild Eveline Beerkircher)

«Ausserhalb des Karate ist sie ein blondes, nettes, härziges Mädchen. Doch wehe, wenn sie losgelassen. Dann kommt sie daher wie ein ICE-Zug.» Jutta Wimmer, Chefcoach von Fabienne Kaufmann an der Karateschule in Sursee, fasst das Wesen ihres Schützlings in eindrückliche Worte. 19-jährig ist Kaufmann, 1,70 Meter gross, und über sich selbst sagt sie, dass ihr nicht mancher die Sportart zutrauen würde, die sie betreibe. Doch die robuste, junge Frau aus Oberkirch macht Karate, seit sie fünf Jahre alt ist, seit ihre beiden Tanten sie dafür begeistern konnten. «Es war ein Weg, um zu mehr Selbstvertrauen zu kommen», erklärt sie ihre Wahl heute. Dass sie im Wettkampf den Schalter umlegen könne, habe mit einer intensiven, mentalen Vorbereitung zu tun. «Ich pushe mich mit einer Trainingspartnerin hoch.» Um den Tunnelblick auf die Gegnerin zu richten. Um bereit zu sein, wenn es ernst gilt.

Die Nummer zwei des Turniers

Ernst gilt es am Wochenende in Sursee. Traditionsgemäss findet das erste von drei Turnieren der Swiss Karate League in der Stadthalle statt. Sie gelten als Qualifikationswettkämpfe für den Final der Schweizer Meisterschaft im November in Liestal. Wer einen Podestplatz an einem der Anlässe feiert, ist an der Endausmarchung definitiv teilnahmeberechtigt. Kaufmann startet im Kumite in zwei Kategorien – beim U-21-Nachwuchs und bei der Elite. In Sursee ist sie in beiden Gewichtsklassen als Nummer zwei gesetzt. Dass sie eine Spitzenplatzierung anstrebt, ist also selbstredend. Erst recht an ihrem Heimturnier, mit Familie und Freunden unter den Zuschauern. Bei den ältesten Juniorinnen will sie sich für das Schweizer U-21-Nationalkader empfehlen, um im Herbst erstmals an einer Weltmeisterschaft dabei zu sein. Deshalb strebt sie bei den ältesten Juniorinnen auch nach dem Schweizer-Meister-Titel – es wäre ihr vierter nationaler Erfolg nach jenen auf U-14-, U-16- und U-18-Stufe. Bei der U 18 gewann sie übrigens sogar den Karate-Grand-Slam, indem sie alle drei Qualifikationsturniere und den Finalkampf für sich entschied.

«Schrei geht durch Mark und Bein»

Für ihre Karriere investiert die Absolventin des Sport-KVs an der Frei’s Talentschool viel. «Fabienne trainiert sehr gewissenhaft. Sie ist äusserst zielstrebig und ehrgeizig», sagt ihr Chefcoach Jutta Wimmer. Ihr Markenzeichen sei dabei die Schnelligkeit. «Fabienne wartet auf ihre Chance, um dann explosiv zuzuschlagen.» Sehr eindrücklich sei ihr «Kiai», der Kampfschrei, mit dem man die Gegnerin einzuschüchtern versuche. «Der geht durch Mark und Bein», sagt Wimmer.

Ehrgeiz, Siegeswille und Potenzial, Fabienne Kaufmann hat also alles. Das ist viel versprechend in einer Sportart, die bald noch grössere Reize setzen könnte. Dann nämlich, wenn Karate an der IOC-Session im August dieses Jahres zur olympischen Disziplin befördert wird.

Sollte dies geschehen, rücken für die 19-jährige Luzernerin die Olympischen Spiele 2020 in den Fokus. Dann wäre sie 23 Jahre alt. «Ein Alter, in dem man sich im Karate auf dem Zenit befindet», sagt sie. Später werde es schwieriger, weil ihr Sport doch einiges vom Körper abverlange. «Bis ich 30 Jahre alt bin, werde ich wohl noch Wettkämpfe bestreiten, danach möchte ich mich auf die Gürtel konzentrieren», erzählt Kaufmann, aktuell Trägerin des 1. von insgesamt 10 möglichen Dans. Ohne Zweifel: Der ICE aus Oberkirch nimmt allmählich Fahrt auf.

Swiss-Karate-League in Sursee

Samstag: 8.30–18.15. – Sonntag: 8.30–17.00 (Stadthalle). Zeitplan: www.sportdata.org/karate