Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Katar – oder doch eine Golf-WM?

Nach dem Ende des Turniers in Russland richten sich die Blicke auf die nächste WM. Im Emirat Katar könnten neue Rekord aufgestellt werden – wenn die WM denn in Katar stattfindet.
Thomas Seibert, Istanbul
Vor dem Khalifa International Stadium in der katarischen Hauptstadt Doha.Bild: Neville Hopwood/Getty (Doha, 19. Mai 2017)

Vor dem Khalifa International Stadium in der katarischen Hauptstadt Doha.Bild: Neville Hopwood/Getty (Doha, 19. Mai 2017)

Bis zum Anpfiff der nächsten Weltmeisterschaft werden noch fast viereinhalb Jahre vergehen, doch die ersten Schlagzeilen gibt es jetzt schon: Das kleine, aber superreiche Golf-Emirat Katar will als erster Gastgeber einer WM auf arabischem Boden neue Rekorde aufstellen und fängt auch gleich damit an. Angeblich wollen die Kataris dem Weltstar Zinedine Zidane insgesamt 200 Millionen Euro zahlen, wenn er die Nationalmannschaft des Landes als Trainer bis zur WM 2022 auf Vordermann bringt. Geld ist für Katar, den weltweit grössten Produzenten von Flüssiggas, kein Problem. Die Schwierigkeiten liegen eher woanders – und könnten die ehrgeizigen Pläne ins Wanken bringen.

Mit seinen 2,6 Millionen Einwohnern – von denen nur 300 000 katarische Bürger und der Rest Ausländer sind – hat das kleine Emirat auf einer Halbinsel im Persischen Golf bisher noch nie an einer WM teilgenommen. In der Qualifikation für das Turnier in Russland scheiterte Katar in der Vorausscheidung an Gegnern wie Iran und Südkorea. In der Fifa-Weltrangliste liegt das Emirat auf Platz 98 – Zidane hätte in den kommenden Jahren viel zu tun, wenn er das Jobangebot vom Golf annimmt.

Wüsten-WM in acht futuristischen Stadien

Doch bei der Ausrichtung der WM geht es Katar weniger um eigene sportliche Erfolge als um den internationalen Prestige-Gewinn. Acht Stadien in futuristischem Design in der Nähe der Hauptstadt Doha sollen für die Wüsten-WM gebaut werden, und zwar als wiederverwendbare Sportstätten – nach dem Turnier sollen Teile der Sitzreihen abgebaut und in arme Entwicklungsländer verschifft werden.

Neuartig ist auch die Terminplanung. Erstmals findet eine WM nicht im Sommer statt, sondern im Winter. Anpfiff ist am 21. November 2022, das Endspiel ist für den 18. Dezember geplant. Möglicherweise müssen westliche Fussballfans bei der ersten WM in einem muslimischen Land auf Alkohol rund um die Stadien verzichten: Britische Zeitungen berichten empört, Fussball-Anhänger würden in Katar «zum Trinken in die Wüste geschickt».

Die Krise mit den arabischen Nachbarstaaten

Mit diesen Unwägbarkeiten für Organisatoren und Gäste fangen die Probleme aber erst richtig an. Die schwere Krise zwischen Katar und den arabischen Nachbarstaaten Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Bahrain und Ägypten störte nicht nur vorübergehend die Lieferung von Baumaterial für die Stadien, sondern wirft auch die Frage auf, ob die erste arabische WM ohne Zuschauer aus wichtigen arabischen Staaten auskommen muss. Die Grenzen zwischen Katar und dem verfeindeten Quartett sind seit mehr als einem Jahr geschlossen. Niemand rechnet mit einer baldigen Beilegung des Streits.

Für Unruhe sorgen auch Berichte über die schlimmen Zustände an den Stadion-Baustellen in Katar. Arbeiter schuften sich bei grosser Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit buchstäblich zu Tode, sagen Menschenrechtler. Von regelrechter Sklavenhaltung ist die Rede. Die Regierung Katars, die einen Imageschaden für das Land schon vor dem Turnier befürchtet, verspricht Besserung.

Auch Vorwürfe, Katar habe sich bei der Vergabe der WM-Austragung vor acht Jahren mit Hilfe üppiger Schmiergelder gegen die USA durchgesetzt, werfen einen Schatten auf die Vorbereitungen. Die katarische Fernsehgesellschaft beIN soll der Fifa die Summe von 100 Millionen Dollar zugesagt haben, wenn Katar den Zuschlag erhalte. Der damalige Fifa-Chef Sepp Blatter soll demnach US-Präsident Barack Obama schon einige Tage vor der offiziellen Entscheidung im Jahr 2010 angerufen haben, um ihn vom bevorstehenden Sieg Katars zu informieren.

Katar will die WM allein – auch mit 48 Nationen

Nach wie vor ist nicht sicher, wie die WM in vier Jahren aussehen soll – und ob Katar sie wirklich alleine ausrichten wird. Laut Presseberichten drängen Katars ebenfalls reiche Rivalen in Saudi-Arabien und anderswo bei der Fifa auf eine Ausweitung des Turniers von 32 auf 48 Mannschaften. Das würde die Frage aufwerfen, ob das kleine Emirat eine solche Massenveranstaltung noch alleine stemmen kann oder ob der Wettbewerb nicht besser zu einer «Golf-WM» erklärt werden sollte, bei der auch die Saudis mitmachen würden. Das würde den Kataris die Schau stehlen und das kleine Land als nicht stark genug erscheinen lassen – genau das ist die Absicht von Katars Gegnern.

Die Regierung in Doha betont deshalb demonstrativ, das Land könne auch 48 Mannschaften alleine verkraften. Noch ist über das Format nicht entschieden. Doch schon jetzt deutet sich an, dass sich die nächste WM wohl tief in die Rivalitäten auf der Arabischen Halbinsel verstricken wird.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.