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Kein Coup, aber Lob eines Weltmeisters: Schötz verliert im Cup gegen Sion mit 0:3

Schötz war im Sechzehntelfinal gegen Sion näher dran an der Cup-Überraschung, als das nackte 0:3 vermuten lässt.

Stephan Santschi
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Fussball im Stadion Wissenhusen in der 2. Runde des Schweizer Cup zwischen dem FC Schötz und dem FC Sion am Samstag, 12. September.
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Junge Zuschauer beim Spiel Schötz gegen Sion.
Zuschauer beim Spiel Schötz gegen Sion.
Zuschauer beim Spiel Schötz gegen Sion.
Nach dem 1:0 für Sion.
Luan Patrick, mitte rechts, von Sion beim 0:2 gegen Eduard Nikmengjaj, mitte, links.
Anto Grgic von Sion bei einem Eckball im Stadion Wissenhusen.
Patrik Gjidoda (Schötz) verpasst gegen Torhüter Kevin Fickentscher (Sion).
Torhüter Kevin Fickentscher (Sion).
Jared Khasa, rechts, von Sion.
Die Sion Spieler mit Anto Grgic, mitte, feiern das 0:1 für Sion.
Die Sion Spieler mit Gaetan Karlen, Costa Baltasar und Anto Grgic, von links, feiern das 0:1 für Sion.
Torhüter Kevin Flickentscher, rechts, von Sion im Spiel gegen Michael Koch, links, von Schötz.
Zuschauer mit Masken.
Birama Ndoye, rechts, von Sion im Spiel gegen Joel Stephan, links, und Luca Frey, mitte, von Schötz.
Birama Ndoye, links, von Sion im Spiel gegen Torhueter Philip Bolliger, unten, von Schötz.
Jared Khasa (Sion, oben) und Jessy Nimi (Schötz).

Fussball im Stadion Wissenhusen in der 2. Runde des Schweizer Cup zwischen dem FC Schötz und dem FC Sion am Samstag, 12. September.

Bild: Urs Flüeler (Schötz, 12. September 2020)

Kurz nach 15 Uhr rauschte der Helikopter über den Sportplatz Wissenhusen und landete in der angrenzenden Wiese. Zehn Minuten nach dem Schlusspfiff hob er wieder ab und machte sich zurück auf den Weg nach Sion. Der auffälligste Walliser war am Samstag kein Spieler, sondern deren extrovertierter Präsident Christian Constantin. Eigentlich hatte er sich mit dem Ferrari angekündigt, disponierte aber kurzfristig um. Zwischen seinen spektakulären Einlagen in der Luft gab sich der Patron volksnah, schrieb Autogramme und stand Porträt für Selfies. «Zum Cup muss man Sorge tragen. Ich finde es wunderbar, wenn wir mit Sion Spiele wie jetzt in Schötz bestreiten», liess er sich im Matchprogramm zitieren.

Und damit rein ins Spiel: So zielgerichtet wie ihr Präsident waren die Sittener Akteure auf dem Platz nicht unterwegs. Zwar hatte der Favorit aus der Super League klar mehr Ballbesitz. Der gastgebende Erstligist zeigte indes wenig Ehrfurcht vor dem drei Ligen höher klassierten Gegner. Keine zehn Minuten waren gespielt, da hatten die Schötzer Gente Mazreku und Sandro Fischer jeweils einem Walliser einen ordentlichen Tritt verpasst. Sion tat sich im Aufbau schwer gegen leidenschaftlich kämpfende Luzerner, die – wann immer sich die Gelegenheit bot – schnell in den Angriff umschalteten. «Wir wussten, dass wir über aussen zu Räumen kommen werden», erklärte der Schötzer Trainer Roger Felber die Marschroute.

Doppelchance für die Schötzer zur Führung

Und tatsächlich: Der Amateurtrainer aus dem Luzerner Hinterland schlug seinem prominenten Antipoden an der Seitenlinie, dem früheren Weltmeister Fabio Grosso, ein taktisches Schnippchen. In der 22. Minute entwischte Jessy Nimi nach einem herrlichen Zuspiel von Mazreku über die linke Seite und passte den Ball zur Mitte auf den völlig freistehenden Michael Koch. Sein Abschluss allerdings wurde von Sions Goalie Kevin Fickentscher pariert, den anschliessenden Nachschuss von Eduard Nikmengjaj klärte Birama Ndoye auf der Linie. «Ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass ich den mache. Ich war wohl etwas zu überhastet», haderte Koch. So bitter die vergebene Doppelchance zur 1:0-Führung war, so positiv war deren Effekt für den weiteren Verlauf des Spiels, wie Nimi betonte: «Diese Szene gab uns mehr Kraft, als dass sie uns enttäuschte. Wir merkten, dass wir eine Chance haben.»

Auch Sion tauchte nun das eine oder andere Mal gefährlich vor dem Tor auf, die 1000 Zuschauer mit den befohlenen Mund-Nasen-Bedeckungen im Gesicht sorgten für echte Cup-Atmosphäre, veranstalteten sozusagen einen Maskenball. «L’équipe de Felber» sei sehr gut aufgestellt, befand der welsche Radioreporter. Mit einem 0:0 ging es in die Pause, die Rauchschwaden über den Bratwurstständen stiegen noch dichter in den Himmel dieses sonnigen Spätsommernachmittags.

Tipps von Serey Die direkt auf dem Platz

Aus Schötzer Sicht war es nach dem Seitenwechsel aber bald einmal vorbei mit der Herrlichkeit. Ein Stellungsfehler reichte, und der Walliser Stürmer Gaëtan Karlen traf frei vor dem Gehäuse zum 0:1 (48.). Die Partie wurde etwas gehässig, Schötz probte nochmals den Aufstand, haderte mit dem Schiedsrichter und hatte durch Koch und Mazreku weitere gefährliche Abschlüsse. Am Ende liess ein enttäuschendes Sion immerhin in Sachen Chancenauswertung den Klassenunterschied erkennen, erzwang dank Toren des eingewechselten Patrick Luan einen zu hohen 3:0-Erfolg. So verpassten die Schötzer auch im neunten Anlauf gegen einen NLA-Vertreter die Cup-Überraschung. Wie schon 2008 gegen Basel (0:1) oder 2009 gegen Luzern (2:3) waren sie nahe dran gewesen. Damals war Felber noch Spieler beim FC Schötz, «einmal mehr bin ich enttäuscht, dass es nicht gereicht hat», erklärte er.

Da vermochte ihn auch das Lob von Fabio Grosso nach dem Spiel nicht wirklich aufzumuntern. «Das war nicht unkompliziert», fand der Italiener, der 2006 im WM-Final gegen Frankreich den entscheidenden Penalty versenkt hatte. Speziell: Die Walliser nahmen sich auf dem Platz sogar Zeit, um ihren Gegnern Tipps zu geben. «Serey Die erklärte mir nach einem Foulspiel, wie ich es besser hätte machen können, um an den Ball zu kommen», erzählte Jessy Nimi mit einem Lachen.

Schötz – Sion 0:3 (0:0)
Wissenhusen. – 1000 Zuschauer (ausverkauft). – SR Jancevski. – Tore: 48. Karlen 0:1. 76. Luan 0:2. 88. Luan 0:3. – Schötz: Bolliger; Frey (50. Osaj), Fischer (50. Gänsler), Mijatovic, Nimi; Stephan (85. Bühler), Gasser; Nikmengjaj (85. Rapelli), Mazreku, Gjidoda; Koch (85. Roth). – Sion: Fickentscher; Abdellaoui (90. Theler), Ndoye, Ruiz; Khasa, Baltazar (90. Edgar), Serey Die, Itaitinga (66. Luan); Grgic; Rodrigues (46. Martic), Karlen (66. Uldrikis).

Video: Tele 1

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