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Kick it like Cinzia

FC Zürich, Uni Zürich: Die Bundesliga-Rückkehrerin und Medizinstudentin Cinzia Zehnder aus Wil geht ihren Weg – auf und neben dem Platz.
Andreas Ditaranto
Cinzia Zehnder im Wiler Stadion Bergholz. Bereits als 5-Jährige stiess die heute 21-jährige FCZ-Spielerin zu den Junioren des FC Wil. (Bild: Benjamin Manser)

Cinzia Zehnder im Wiler Stadion Bergholz. Bereits als 5-Jährige stiess die heute
21-jährige FCZ-Spielerin zu den Junioren des FC Wil. (Bild: Benjamin Manser)

Es gibt Situationen, in denen man froh ist, dass es sich beim Gegenüber um eine grosse (1,83 Meter), aber grazile, freundlich lächelnde Fussballerin handelt, und nicht um eine hünenhafte grimmig dreinblickende Hammerwerferin – etwa in einem kleinen Zweipersonenlift. Ein solcher führt von der Tiefgarage in ein gepflegtes Anwesen mit Garten am Stadtrand von Wil – zu Hause bei Cinzia Zehnders Eltern. Die 21-jährige FCZ-Spielerin und Medizinstudentin, die ansonsten in einer 3er-WG in Oerlikon wohnt, geniesst ein paar trainings- und vorlesungsfreie Tage in den heimischen Gefilden.

Eines der grössten Talente ihrer Generation

In der Äbtestadt nahm die Fussballkarriere ihren Anfang: Im Kindergarten kickt die kleine Cinzia mit ihren Gspänli, bereits als 5-Jährige stösst sie zu den Junioren des FC Wil – ihr Kinderzimmer war damals voll mit Postern von Fussballern. Mit 14 wechselt Zehnder zu Kirchberg in die Frauen-NLB, an ihrem 15. Geburtstag gibt sie im FCZ-Trikot ihr Début in der NLA und läuft mit 16 erstmals für das Schweizer A-Nationalteam auf. Kantonsschule in Wil, Trainings in Zürich – der Zug war ihr zweites Zuhause.

Cinzia Zehnder spielte zwei Saisons beim SC Freiburg in der deutschen Bundesliga.

Cinzia Zehnder spielte zwei Saisons beim SC Freiburg in der deutschen Bundesliga.

Cinzia Zehnder gilt als eines der grössten Schweizer Talente ihrer Generation, mit 17 reist die Mittelfeldspielerin an die WM nach Kanada und verschiebt dafür extra die Maturaprüfungen. Im Sommer 2015 wechselt die Wilerin in die Bundesliga zum SC Freiburg, wird Profi – wobei die Gehälter im Frauenfussball in keinster Weise mit jenen der Männer zu vergleichen sind. Die Stadt und das Umfeld sagen ihr zu, mit den Mitspielerinnen versteht sich die junge Ostschweizerin auf Anhieb bestens, es entstehen Freundschaften fürs Leben.

Fussballprofi oder Studentin?

Zehnder spielt zwei Saisons beim Club im Breisgau, jobbt nebenbei im Theatercafé, beginnt Spanisch zu lernen und absolviert ein Pflegepraktikum sowie einen Rettungsschwimmerkurs. Die Eltern unterstützen ihre Tochter im Sport, wichtig war aber immer noch etwas anderes: die akademische Ausbildung. Cinzia war eine gute Schülerin und wusste schon früh, dass sie Medizin studieren will. Im Sommer 2016 schreibt sie sich an der Uni Freiburg ein. Vorlesungen, Praxis-Seminare, Auswendiglernen, dazu sechs Trainings in der Woche und Matches an den Wochenenden (oft verbunden mit langen Anreisen). «Es wurde mir alles zu viel», sagt die junge Wilerin, «ich konnte weder im Studium noch im Fussball mein Bestes geben.»

«Es wurde mir alles zu viel, ich konnte weder im Studium noch im Fussball mein Bestes geben.»

Cinzia Zehnder zieht die Konsequenzen und entschliesst sich, nach der EM 2017 in den Niederlanden zum FCZ zurückzukehren und einen neuen Anlauf als Medizinstudentin an der Uni Zürich zu nehmen. Beim FC Zürich ist sie Stammspielerin, eine wertvolle Teamstütze mit bereits vier Meistertiteln und drei Cupsiegen, aber Cinzia ist kein «Profi» mehr – «nur» vier Trainings in der Woche, vor allem keine mehr am Morgen, erlauben ihr die nötige Fokussierung aufs Studium. Die Zwischenprüfungen Ende Juni hat sie erfolgreich bestanden.

Auf dem Weg an die WM 2019 in Frankreich

Im Nationalteam (die Schweizerinnen sind auf bestem Weg, sich für die WM in Frankreich zu qualifizieren) ist Zehnder derzeit Ergänzungsspielerin – sie muss Zusammenzüge auslassen, weil sie nicht in den Stundenplan passen. Aber die Ostschweizerin, die am 4. August Geburtstag feierte, ist mit sich im Reinen – sie lächelt, so wie sie es meistens tut, eine Frohnatur mit Ambitionen und klaren Vorstellungen.

Cinzias «Mitbringsel» aus ihrer Zeit in Freiburg im Breisgau: eine Oldtimer-Vespa und Freund Fabio. Er studiert Jus, sie Medizin.

Cinzias «Mitbringsel» aus ihrer Zeit in Freiburg im Breisgau: eine Oldtimer-Vespa und Freund Fabio. Er studiert Jus, sie Medizin.

Cinzia, letzten Sommer bist Du nach zwei Jahren Bundesliga zurückgekehrt – was hast Du alles aus Freiburg «mitgenommen»?

Eine Menge an Erfahrung und schöne Erinnerungen an den super Zusammenhalt im Team – ich treffe mich weiterhin regelmässig mit meinen «alten» Kolleginnen im Breisgau. Mitgebracht aus Freiburg habe ich zudem die alte Vespa, die ich mir im zweiten Jahr geleistet habe – und natürlich meinen Freund Fabio. (lacht) Er studiert Jus an der Uni Freiburg – wir sehen uns jedes Wochenende.

Kennen gelernt habt Ihr Euch...

Am Oktoberfest im Europa-Park – aber nicht bei einem Biergelage! Ich arbeitete dort als Kellnerin. An einem der Tische fiel mir ein dunkelhaariger Typ mit blauen Augen auf. Ich glaube, ich starrte ihn die ganze Zeit an...

Erinnerst Du Dich noch an Dein allererstes NLA-Spiel?

Klar! Es war ja an meinem 15. Geburtstag, meine Eltern waren ebenfalls im Stadion. Wir spielten gegen Kriens, und ich durfte von Beginn weg ran. Die arrivierten Mitspielerinnen beim FC Zürich wie Inka Grings waren sehr nett und meinten, ich müsse nicht nervös sein. Es war ein gutes Spiel, wir siegten 5:1. Ich rannte «um mein Leben» und war nach 60 Minuten absolut platt!

Deine Lieblingsspielerin?

Dzsenifer Marozsán (deutsche Nationalspielerin, beim Spitzenclub Olympique Lyon in Frankreich unter Vertrag). Ich konnte nach einem Länderspiel sogar das Trikot mit ihr tauschen.

Und Dein lateinischer Lieblingsbegriff aus dem Medizinstudium?

Musculus sternocleidomastoideus (Muskel zwischen Brustbein, Schlüsselbein und der Schädelbasis; gehört zu den vorderen Halsmuskeln). Klingt ziemlich hochstehend, gell! (lacht)

Du giltst als eines der grössten Talente Deiner Generation. Fühlst Du Dich geschmeichelt?

Eher stolz auf das bereits Erreichte als junge Spielerin. Aber etwas darauf eingebildet habe mir ich nie. Ich gebe mich ohnehin nicht schnell zufrieden und will vor allem mir selber und nicht anderen etwas beweisen. Letztlich zählt aber nur eines: der Spass und die Freude am Fussball!

Die Fussball-WM der Männer in Russland ist noch in bester Erinnerung: Deine Meinung zu Schwalben?

Theatralisches Hinfallen und sich am Boden wälzen – das sind absolute No-Gos. Ein solches Verhalten macht das Spiel kaputt. Bei uns Frauen ist es da anders – wenn es irgendwie geht, versuchen wir selbst nach einem klaren Foul noch weiterzulaufen!

Grösse: 1,83 Meter, Erscheinung: grazil, Lieblingsgericht: Cordon-bleu mit Spätzli.

Grösse: 1,83 Meter, Erscheinung: grazil, Lieblingsgericht: Cordon-bleu mit Spätzli.

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