«Killer» Schneuwly zeigt beim FCL den jungen Spielern den harten Weg zum Profi

Ex-Goalgetter Marco Schneuwly arbeitet wieder in Luzern: Seit vier Monaten ist er zuständig für die Luzerner Talente.

Daniel Wyrsch
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Marco Schneuwly ist als Talentmanager zurück beim FC Luzern in der Swisspor-Arena.

Marco Schneuwly ist als Talentmanager zurück beim FC Luzern in der Swisspor-Arena.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. November 2020)

Marco Schneuwly steht auf dem Trainingsplatz neben den Allmend-Hochhäusern. Das Bild löst beim Betrachter positive Assoziationen aus. Erinnerungen werden wach an den erfolgreichsten FCL-Torschützen aus bald zehn Jahren in der Swisspor-Arena. Zwischen 2014 und 2017 stürmte der 35-jährige Freiburger für die Innerschweizer. Er schoss in den drei Super-League-Saisons nacheinander 17, 16 und 14 Tore. Total 47 Ligatreffer und 17 Assists. Der «Killer», wie er im Team wegen seiner Kaltblütigkeit im Abschluss genannt wurde, lieferte stolze Stürmerzahlen: In insgesamt 121 Pflichtspielen für Luzern traf er 68 Mal und servierte 20 Assists.

Auf die erfolgreichen Jahre bei den Blau-Weissen angesprochen, sagt Schneuwly:

«Die Zeit in Luzern war für mich sehr prägend, natürlich ist sie in bester Erinnerung geblieben. Ich erlebte hier die besten Jahre meiner Karriere.»

Weder vorher bei YB und Thun noch später bei Sion und Aarau agierte er derart effizient. «Ich war bereits 29 als ich zum FCL wechselte, in diesem Alter half mir die Erfahrung. Es hat von Anfang an funktioniert, ich spielte konstant.»

Seine Meinung hatte in der Kabine Gewicht

Marco Schneuwly gehörte schon bald zu den Leitwölfen. Sein Wort hatte Gewicht. «Ich bin in diese Rolle dank den Leistungen und meines grösser gewordenen Standings gewachsen. Meiner Meinung nach braucht es zwei, drei Spieler in einer Mannschaft, die den Weg vorgeben», sagt er.

Die Anfrage von FCL-Sportchef Remo Meyer bekam er im Sommer, als noch nicht klar war, ob er seine Karriere fortsetzt. Nach intensiven Gesprächen sah er den Zeitpunkt gekommen, aufzuhören und das Angebot als Talentmanager anzunehmen.

Auf dem Trainingsplatz trägt er jetzt ein rotes Langarm-Shirt, es unterscheidet die Coaches von den blau gekleideten Profis. Auf der einen Seite findet es Schneuwly «schön, dass ich nach dem Training nicht mehr körperlich kaputt bin. Positiv ist ebenso, keine Schmerzen mehr von den gegnerischen Schlägen zu spüren.» Aber natürlich kann er nicht verneinen, immer noch in einer Art Entwöhnungsphase zu sein. «Der Matchtag und der Wettkampf im Stadion, für mich gehören sie zu einer super Zeit.» Umso glücklicher ist er, weiterhin auf dem Rasen stehen zu können, junge Spieler bei den Profis sowie Talente der U16 bis U21 als Coach zu unterstützen. Kürzlich hat er das B-Plus-Trainerdiplom abgeschlossen.

Die Bedeutung der Videoanalyse

Seine Erfahrung gibt er den Nachwuchsleuten auch ausserhalb des Platzes weiter. «Es geht dabei unter anderem ums Verhalten auf dem Weg zum Profi», erklärt Schneuwly und stellt fest: «Das schaffen sie nur mit harter Arbeit. Kein Spieler, der alle Stufen durchlaufen hat, bekommt eine Garantie, jemals bei den Profis aufzulaufen.» Ein riesiger Mehrwert, den Spielern zu helfen, sei die Videoanalyse: «Sie bringt neben dem eigenen Eindruck auf dem Feld die Bewegtbilder von lehrreichen Szenen.»

Wichtig sei ausserdem die Karriereplanung neben dem Fussball. So hilft er den Jungen in schulischen Fragen und bei der Berufsausbildung. «Viele Einflüsse prasseln auf die Nachwuchsspieler aus den sozialen Medien und von Beratern ein. Wir können sie in einer entscheidenden Phase ihrer jungen Karriere unterstützen.» Er sieht es als Vorteil an, selber lange Erfahrung als Profi gesammelt zu haben.

«Das kommt bestimmt glaubwürdiger rüber von jemandem, der die Dinge selber erlebt hat.»

Um weiterzukommen, «zeigen wir ihnen den Weg auf, gehen müssen sie ihn selber.»

Vereine investieren aus gutem Grund in den Nachwuchs

Von der Wichtigkeit seines Jobs ist Schneuwly überzeugt: Die Schweizer Klubs hätten in den vergangenen Jahren erkannt, wie wertvoll der Verkauf von gut ausgebildeten Jungprofis für sie sei. Er hütet sich aber zu versprechen, als Talentmanager einen neuen Ruben Vargas oder Darian Males herauszubringen.

Marco Schneuwly (rechts) für den FC Luzern am Ball im Cup-Halbfinal 2017 gegen den FC Sion. Die Luzerner unterlagen im Penaltyschiessen.

Marco Schneuwly (rechts) für den FC Luzern am Ball im Cup-Halbfinal 2017 gegen den FC Sion. Die Luzerner unterlagen im Penaltyschiessen.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Sion, 5. April 2017)