Kitzbühel
Der Werbegag des Winters: Hirscher fährt in Kitzbühel und stiehlt Aufmerksamkeit

Lange wurde spekuliert, was Marcel Hirscher, der achtfache Gewinner des Gesamtweltcups, vor hat: Gibt er gar sein Comeback? Jetzt ist klar: Er will vor allem Geld verdienen. Die Geschichte einer Inszenierung.

Martin Probst
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Marcel Hirscher als Vorfahrer in Kitzbühel.

Marcel Hirscher als Vorfahrer in Kitzbühel.

Christian Bruna / EPA

In Österreich stieg bei manchem Skifan der Puls, als in den vergangenen Wochen die Gerüchte um Marcel Hirscher zunahmen. Würde der achtfache Gesamtweltcup-Sieger, der im Herbst 2019 seinen Rücktritt bekannt gab, tatsächlich zurückkehren?

In Kitzbühel folgte die Antwort – und vor allem zeigte sich, wie clever sich Hirscher und seine Sponsoren vermarkten. Als Lars Tragl aus Schweden war ein Vorfahrer für das erste Training gemeldet – und niemand dachte sich etwas dabei, bis er sich am Tag darauf in Marcel Hirscher verwandelte. Selbst der Inter­nationale Skiverband FIS spielte mit und akzeptierte die Falschnennung und damit auch den Werbegag.

Sagen wollte Hirscher nach den Trainings nichts. «Redeverbot», brummelte er – und auch das war nur Kalkül. Schliesslich waren ihm die Schlagzeilen gewiss. Wie schon in den Wochen des Spekulierens.

Knapp sechs Sekunden langsamer als der Sieger

Doch nicht alle spielten mit. So sagte der Österreicher Matthias Mayer, sonst ein höflicher und stets zurückhaltender Mensch: «Wenn man das mediale Interesse unbedingt auf sich ziehen will, dann kann man es natürlich so tun.»

Und genau das tat Marcel Hirscher – unterstützt und geduldet von den Verantwortlichen. Natürlich: Einfach so kann niemand die Streif in Kitzbühel meistern. Hirscher hat sich auf die Aufgabe seriös vorbereitet und war «nur» sechs Sekunden langsamer als Sieger Aleksander Aamodt Kilde.

Und doch bleibt es, was es ist: eine Werbeaktion für seinen Sponsoren – und für einen neuen Ski. Dafür raubte er selbst am Renntag die Aufmerksamkeit, als er endlich sprach: «Supercool, es hat viel Spass gemacht.» Immerhin ihm.