Nachgefragt
Cheftrainer Telemark bei Swiss-Ski: «Klar wäre ich lieber Trainer im Vollamt»

Ruedi Weber (57) ist Cheftrainer Telemark bei Swiss-Ski. Der Thuner betreibt dieses Amt nicht als Vollzeitjob, sondern lediglich von Anfang Oktober bis Ende März. Das andere Halbjahr ist Weber als Bademeister im Strandbad Thun tätig.

Interview: René Leupi
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Lässt sich sein derart wichtiges sportliches Amt überhaupt in einem 50-Prozent-Pensum zu bewältigen?

Ruedi Weber: Klar wäre ich lieber Trainer im Vollamt. Telemark ist nicht olympisch und das Budget daher beschränkt. Im Gegensatz zu anderen Ländern gehört Telemark dem Leistungssport von Swiss-Ski an. Damit werden wir von Swiss-Ski finanziell unterstützt und sind bei Swiss Olympic auch in einer Förderungsstufe eingeteilt. In Deutschland beispielsweise ist Telemark im Breitensport angesiedelt, die Unterstützung vom Deutschen Skiverband ist somit weniger gross.

Ruedi Weber, Cheftrainer Telemark bei Swiss-Ski

Ruedi Weber, Cheftrainer Telemark bei Swiss-Ski

PD

Die Alpinen absolvieren im Frühling und Sommer in mehreren Trainingscamps und mit professionellen Trainern die Saisonvorbereitung. Wie funktioniert das im Telemark?

Telemark kennt diese Art von Vorbereitung nicht. Der Grossteil des Kaders ist erfahren genug und weiss, was es braucht. Er bereitet sich individuell und nach vorgegebenen Trainingsplänen vor.

Wie wird denn der Nachwuchs beim Telemark rekrutiert?

Das ist unterschiedlich. Viele sind Quereinsteiger, kommen vom alpinen Skirennsport, durch Werbung in den Vereinen oder Sichtung an regionalen Rennen. Martina Wyss beispielsweise wurde Zweite an der Skilehrer-SM. Daraufhin habe ich sie angesprochen und für den Telemark animiert. Heute zählt die 25-Jährige aus Lauterbrunnen zu den Leistungsträgerinnen.

Das Schweizer Team hat an der WM 14 von 19 möglichen Medaillen geholt. Haben Sie diese Dominanz erwartet?

Ehrlich gesagt schon, weil wir in allen Disziplinen die Weltcup-Sieger stellen. Und dennoch bin ich überrascht. Eine WM hat eigene Gesetze, es zählt nur das eine Rennen, ein grober Fehler und die Medaille ist weg. Ich bin stolz auf mein Team, mit dieser Bilanz haben wir mit den Alpinen gleichgezogen, die 1987 in Grand Montana ebenfalls 14 Medaillen holten.