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Kleines Betis ganz gross

Sevilla, die Stadt mit 700000 Einwohnern, ist in der kommenden Saison mit zwei Teams in der Europa League vertreten. Das kleine Betis hat dem grossen FC Sevilla in der vergangenen Meisterschaft den Rang abgelaufen.
Christian Winiker, Sevilla
Die Spieler von Betis Sevilla bejubeln im Derby die Führung, der Stadtrivale gleicht aber aus. (Bild: Antonio Pozo/Imago)

Die Spieler von Betis Sevilla bejubeln im Derby die Führung, der Stadtrivale gleicht aber aus. (Bild: Antonio Pozo/Imago)

Vieles eint die Sevillanos. Ihre Lebensfreude, die Vorliebe für Tapas, die prachtvoll inszenierten Feste, der Flamenco oder schlicht und einfach der Stolz, Bürger dieser Stadt zu sein. Doch beim Fussball hört die Verbrüderung auf. Man ist entweder Anhänger von Betis – ein Bético – oder des Sevilla FC – ein Sevillista. Die Leidenschaft für den eigenen Club ist grenzenlos.

Die Hierarchie der Spiele in Spaniens höchster Liga ist klar: An erster Stelle steht der Clásico zwischen Real Madrid und Barcelona. Gleich dahinter folgen die Stadtderbys in Madrid, Barcelona und Sevilla. Das 142. Derby zwischen Betis und Sevilla am vergangenen Wochenende war das wichtigste seit Jahren, denn es ging zwei Runden vor Schluss nebst der Ehre um entscheidende Punkte. Betis, dem Kleineren, reichte das 2:2 für die direkte Qualifikation für die Europa League. Der erfolgsverwöhnte FC Sevilla kam mit einem blauen Auge davon, denn im Falle einer Niederlage hätte dem Club eine Saison ohne europäischen Wettbewerb gedroht. Und dies nach der besten Phase der Vereinsgeschichte: Sevilla gewann seit 2006 fünfmal die Europa League, zweimal den spanischen Cup sowie je einmal den spanischen als auch den europäischen Supercup. Nach einer verkorksten Rückrunde wird Sevilla immerhin die Qualifikation zur Europa League bestreiten. Was dem Club und seinen Anhängern aber besonders wehtut: Betis wird die Meisterschaft an diesem Wochenende vor dem FC Sevilla abschliessen. Mit ein bisschen Glück könnte sich das Stadtderby auf europäischer Ebene wiederholen. Aus den zwei besten Spielen der Saison würden deren vierAABB22– der Traum der Sevillanos.

Zwei unterschiedliche Philosophien

Der FC Sevilla hat eine turbulente Rückrunde hinter sich. Joaquín Caparrós, Sevillas Architekt der Erfolgsserie, wurde vier Runden vor Schluss als Krisenmanager zurückgeholt. Er ersetzte Vincenzo Montella, dem mit Sevilla die beste Champions-League-Kampagne der Clubgeschichte gelang, der aber nach einer Serie von Niederlagen und dem 0:5 im Cupfinal gegen den FC Barcelona seinen Platz räumen musste. Caparrós setzte auf die Tugenden Biss, Kampf, Entschlossenheit und Routine, um die Saison zu retten. Anders ist die Philosophie seines Gegenübers, Quique Setién: gepflegter Aufbau, Kurzpassspiel, Ballbesitz. Partien werden mit spielerischen Mitteln gewonnen, nicht mit roher Kraft.

Zamorano, Ramos, Rakitic

Der FC Sevilla hat nicht nur mehr Titel gewonnen als Betis, sondern erwies sich zuletzt auch als das bessere Sprungbrett. Ivan Zamorano, Sergio Ramos und Ivan Rakitic haben via Sevilla den internationalen Durchbruch bei Real Madrid und beim FC Barcelona geschafft. Solcherlei gibt es von Betis nicht zu vermelden. Doch der Kleinere aus Sevilla zieht landesweit mehr Leute an, er erreicht die höheren TV-Quoten. Die Herzen fliegen Betis zu, nicht dem wirtschaftlich potenteren Sevilla. Die Spiele von Betis sind unterhaltsam, enden oft mit vielen Toren, und das Team verfügt immer wieder über charismatische Spieler.

Auf der Führungsetage der spanischen Liga wird derweil eifrig die Zukunft des Sevilla-Derbys geplant. Während der Clásico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid die Fussballfans global in Atem hält, ist das Sevillano noch eine spanische Angelegenheit. Gemäss Javier Tebas, Präsident der La Liga, soll sich das ändern, ganz nach dem Muster des Clásico: Das Sevilla-Derby wurde in 180 Länder übertragen. Positioniert werden soll die Affiche nicht als Konkurrenz zum Clásico. Dazu fehlen die Stars, das internationale Renommee der Clubs und Siege in der Champions League. Aber das weltweit spannendste Stadtderby – als solches soll es vermarktet werden. Echte Konkurrenz gäbe es höchstens aus Manchester und allenfalls Mailand.

Gewonnen hat in der vergangenen Saison Sevilla. In einer Saison mit zwei Clubs auf europäischem Parkett vertreten zu seinAABB22– welche Stadt mit 700000 Einwohner kann das schon von sich behaupten? Zum Schluss fragen wir den Bético neben uns, ob ihm der Name Zamorano etwas sage, dieser sei Anfang der 1990er-Jahre von St. Gallen nach Sevilla gekommen. «Claro que sí.» Ein hervorragender Stürmer sei er gewesen und eine sympathische Person obendrein. Aber mit einem grossen Makel: Er spielte für den falschen Club.

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