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KLETTERN: Müllers Aufstieg ins Glück

Damit war nicht zu rechnen: Der Küssnachter Marco Müller (21) gewinnt in Uster die Schweizer Meisterschaften in der Disziplin Lead. Die Olympischen Spiele 2020 nennt er dennoch nicht als Ziel.
Stephan Santschi
«Mir gefällt die Freiheit, die ich beim Klettern empfinde», sagt Marco Müller. (Bild: davidschweizer.ch)

«Mir gefällt die Freiheit, die ich beim Klettern empfinde», sagt Marco Müller. (Bild: davidschweizer.ch)

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Es waren spezielle Momente Ende Oktober in der Griffighalle von Uster. Marco Müller hatte seinen Einsatz an der Schweizer Meisterschaft im Lead-Klettern bereits hinter sich – im Wissen, die Sache ganz ordentlich gemacht zu haben. Da er in der Qualifikation Dritter gewesen war, galt es aber noch, die Einsätze der beiden Topcracks abzuwarten. Beide scheiterten allerdings am Dynamo und hingen kurz darauf am Seil. «Beim Dynamo erreicht man den nächsten Griff mit einem Sprung. Für kurze Zeit schwingen die Beine im Freien», erklärt Müller. Da er diese Schlüsselstelle passiert hatte, durfte er sich erstmals in seiner Karriere in der Elite zum Schweizer Meister küren lassen. «Das ist mein bisher grösster Erfolg, das freut mich sehr. Erwartet habe ich das nämlich nicht.» Zwar sei ihm die steile, überhängende Route entgegengekommen. Dass er Topfavorit Sascha Lehmann in die Knie zwingen würde, damit hatte der 21-jährige Küssnachter aber nicht gerechnet.

«Beim Klettern geht es nicht ums Tempo»

Müller, der an der ETH Zürich seit eineinhalb Jahren Maschinenbauingenieur studiert, investiert pro Woche rund 15 Stunden ins Training. Geübt wird in der Kletterhalle in Root (Pilatus Indoor D4). Die Ansprüche in seiner Sportart sind vielfältig, reichen von Maximalkraft und Ausdauer über Technik und Balance bis hin zur mentalen Stärke. Um den Herausforderungen an der Wand gewachsen zu sein, werden besonders der Oberkörper, der Rumpf und die Finger gestärkt.

In der Disziplin Lead, dem Schwierigkeitsklettern, geht es darum, so weit nach oben zu kommen wie möglich. Daneben gibt es die Kategorie Speed, in der eine vorgegebene, 15 Meter hohe Route möglichst schnell absolviert werden muss. Im Bouldern ist man derweil an einer vergleichsweise kleinen Wand (vier bis fünf Meter) ohne Seil unterwegs und versucht, den obersten Griff mit möglichst wenig Versuchen zu erreichen.

Der beste Allrounder gewinnt am Ende den Swiss Climbing Cup, der aus insgesamt fünf Wettkämpfen besteht, darunter auch die von Müller gewonnene Schweizer Meisterschaft im Lead-Klettern. In diesem Gesamtranking belegte er 2017 den vierten Rang. «Damit bin ich zufrieden.» Das Speed-Klettern, dessen nationaler Vergleich er als Dritter beendete, sei zwar interessant, weil es ab dem Achtelfinal im K.-o.-System und mit Eins-gegen-eins-Duellen durchgeführt werde. «Eigentlich mag ich diese Disziplin aber nicht besonders, weil es dem ursprünglichen Gedanken des Kletterns widerspricht. Klettern kommt von draussen, und dort geht es nicht um das Tempo.»

Noch nie in Gefahr gewesen

Die Leidenschaft fürs Klettern entwickelte der Sohn einer Thailänderin und eines Schweizers früh, weil sein Onkel es ebenfalls machte. «Zunächst kraxelte ich einfach etwas herum, bald einmal nahm er mich mit ans Seil, später trat ich dem Zentralschweizer Regionalkader bei und begann, Wettkämpfe zu bestreiten.» Im Nachwuchs gewann er mehrere Schweizer Meisterschaften in allen Kategorien. «Mir gefällt die Freiheit, die ich beim Klettern empfinde. Für eine Route gibt es nicht nur eine, sondern verschiedene Lösungen.» Zudem geniesse er es, seinem Hobby in der Natur zu frönen. Neben den Indoor-Wettkämpfen des Swiss Climbing Cups erklimmt er nämlich auch immer wieder Felswände unter freiem Himmel. In eine gefährliche Situation sei er dabei noch nie geraten. «Wir sind gesichert. Achtgeben muss man höchstens auf Steinschläge, doch unsere Gebiete befinden sich meistens an geschützten Stellen.»

Wenn man Müller nach sportlichen Zielen befragt, erwähnt er nicht Olympia 2020, an dem Klettern erstmals im Programm figurieren wird. Zwar käme er an einem Weltcup gerne mal in den Halbfinal (Top 26), sein Fokus liegt aber auf Erlebnissen an Outdoor-Routen. An der Nordwand des Titlis, am Eiger, in Graubünden und im Tessin. Oder in den Höhlen von Norwegens Flatanger und am Strand von Krabi in Thailand. Dort findet er die wirklich speziellen Momente.

Marco Müller

Geboren: 26. Juni 1996
Wohnort: Küssnacht
Ausbildung: Student Maschinenbauingenieur
Grosse/Gewicht: 1,73 Meter / 61 Kilogramm
Nationalität: Schweiz/Thailand
Verein: Schweizer Alpen-Club, Sektion Pilatus
Kader: Nationalteam Lead
Erfolge: Schweizer Meister 2017, Lead; mehrere SM-Titel beim Nachwuchs
Hobbys: Klettern, Fotografieren

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