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KLETTERSPORT: Klettern ist ihr Lebenselixier

15 Jahre jung – aber sie ist bereits eine der Allerbesten in der Schweiz: Hannah Hermann, Schweizer Meisterin im Bouldern. Nun ruft der Europacup.
Roland Bucher
Hannah Hermann, frischgebackene Schweizer Meisterin, in der Kletterhalle Root. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Hannah Hermann, frischgebackene Schweizer Meisterin, in der Kletterhalle Root. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Roland Bucher

Es war für Hannah Hermann Mitte April ein wunderbares Wochenende in Meiringen gewesen. Zusammen mit Mama Anita Dettling, einer ebenfalls passionierten Climberin, beobachtete sie am Samstag die Top-Elite anlässlich eines Weltcup-Events, und am Sonntag schlug die grosse Stunde für die junge Luzernerin: In einem aufwühlend spannenden Wettkampf holte sich das Klettertalent in der U-16-Kategorie der Frauen den Schweizer-Meister-Titel in der Sparte Bouldern. «Ich habe im Vorfeld dieser Titelkämpfe sehr konzentriert darauf hingearbeitet», erzählt die Sekundarschülerin, «ich war wirklich im richtigen Augenblick zu hundert Prozent parat. Ich habe zu diesem Zeitpunkt das Optimum aus mir und meinen Möglichkeiten herausgeholt.» Das mache sie zufrieden und glücklich: «Nicht die Goldmedaille an und für sich ist ein Karrierehöhepunkt, sondern die Tatsache, dass es mir in den entscheidenden Sequenzen gelungen ist, exakt das zu verwirklichen, was ich mir vorgenommen habe.»

Zu müde, um zu feiern

Hannah Hermanns feiner Sieg im Berner Oberland hatte sich bereits in der Qualifikation angedeutet. Der Modellathletin gelangen sämtliche acht Herausforderungen, geprägt von sehr schwierigen Bewegungsabläufen am niedrigen Boulderfelsen, nahezu perfekt: «Das gab mir viel Selbstvertrauen für den Final.» Im Endausstich kämpften sechs Teilnehmerinnen um die Medaillen: «In der Endabrechnung waren die Differenzen zu Rang zwei und drei sehr minim», gesteht die Siegerin, «doch das tat der Freude natürlich keinen Abbruch.» Die eigentlich durchaus angebrachte Siegesfeier musste indes verschoben werden: «Ich war nichts anderes als todmüde», erinnert sie sich, «wir sind unverzüglich nach Luzern zurückgereist ...»

Die Initialzündung der Mutter

Es war vor nunmehr gut fünf Jahren an einem ähnlich trostlosen Regentag, wie ihn Petrus uns in den letzten Wochen mehrfach bescherte, als Hannas Mutter Anita Dettling die zündende Idee hatte: «Komm, wir gehen zusammen in die Kletterhalle.» Die in der Nähe der Luzerner Kunsteisbahn beheimatete Kletterstube hatte es dem damals 10-jährigen quicklebendigen jungen Mädchen schnell angetan: «Ganz am Anfang war die Begeisterung zwar nicht gerade überwältigend, ich hatte zum Beispiel immer wieder Ängste, runterzustürzen.» Tat sie indes nie, im Gegenteil: Sie hangelte sich immer filigraner an den heiklen Kletterpassagen hoch.

Angst ist heute kein Thema mehr, Respekt an den steilen Wänden hingegen ein treuer Begleiter. Nachdem Hannah Hermanns aussergewöhnliche Talente für den schnellsten Weg an der Kletterwand früh einmal entdeckt und mit Kader- und Nationalmannschafts-Zugehörigkeit belohnt wurden, «hat es mir den Ärmel für diesen Sport schnell einmal richtig hereingezogen. Das Training wurde, ohne das spielerische Element zu verdrängen, immer seriöser.» Und plötzlich kam auch der leistungsmässige Quantensprung und die Gewissheit: «Ja, Klettern – das ist mein Ding.» Inzwischen sind die Kletter-Räumlichkeiten in Root für die ambitionierte Kletterin quasi zu einem Lebensmittelpunkt avanciert: «Die Pilatus-Kletterhalle ist so etwas wie meine zweite Heimat geworden», sagt die im Stadtquartier Wesemlin wohnhafte junge Luzernerin schmunzelnd, «ich bin einfach glücklich, wenn ich mich dort austoben darf.»

Berufsziel? Etwas mit Klettern ...

Die Kletterei, das ist das Leben von Hannah Hermann, die sich allerdings nicht blauäugig von anforderungsreichen Indoor-Parcours und fantastischen Felswänden zum Beispiel im Schlänggen bei Engelberg oder ihren Lieblings-Kletterorten im französischen Buoux und Fontainebleau verführen lässt, sondern sie weiss: «Es gibt auch ein Leben nach der Kletterkarriere.»

Im nächsten Herbst strebt sie eine solide KV-Ausbildung bei der Frei’s Talent School in Luzern an – natürlich mit der bereits im Hinterkopf deponierten Idee, dass «ich später einmal auch beruflich etwas mit der Kletterei zu tun habe. Klettern, das ist mein Lebenselixier – dieser Passion werde ich immer treu bleiben.»

Dass sie übrigens in ihren jungen Jahren mit derart hoher Intensität ihrer liebsten Tätigkeit frönen kann, verdankt sie nicht zuletzt ihren Eltern und ihrem persönlichen Sponsor Peax: «Alle die Kosten, welche die Lager und Zusammenkünfte verursachen, belaufen sich schliesslich pro Saison doch in der Grössenordnung eines vierstelligen Betrages. Da bin ich halt schon ein bisschen darauf angewiesen, dass meine Eltern mal das Portemonnaie öffnen.»

Aber: Das lohnt sich. Der feine, mit einer Goldmedaille, einem Steinpokal und einem tollen Rucksack versüsste Sieg in Meiringen hat weiterreichende Konsequenz. «Meiringen war auch ein Qualifikationswettkampf», berichtet Hannah Hermann mit berechtigtem Stolz, «und das Tolle daran ist, dass die Selektionäre mich für einen Europacup-Einsatz am nächsten Wochenende in Portugal eingeladen haben. Das freut mich enorm, mit den Topstars im gleichen Gelände klettern zu dürfen.» Das soll bald einmal zur Regelmässigkeit werden: «Ich habe das Glück, eine spezielle Begabung für das Klettern zu besitzen. Daraus will ich in Zukunft das Beste machen und mich immer wieder für Einsätze im Europa- und Weltcup aufdrängen.» Das wird ihr gelingen, keine Frage.

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