Carl Klingberg beschert dem EV Zug die Tabellenspitze

Leonardo Genoni beschliesst, ein grosser Goalie zu sein. Der EV Zug besiegt Bern im besten Saisonspiel mit 1:0.

Klaus Zaugg
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Carl Klingberg (rechts) trifft für den EVZ gegen Torhüter Tomi Karhunen zum 1:0-Sieg.Claudio Thoma/Freshfocus (Zug, 23. Dezember 2019)

Carl Klingberg (rechts) trifft für den EVZ gegen Torhüter Tomi Karhunen zum 1:0-Sieg.Claudio Thoma/Freshfocus (Zug, 23. Dezember 2019)

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Eishockey ist ein Mannschaftspiel. Klar. Aber am Ende entscheidet oft der letzte, der einsamste Mann. Der Goalie. Meister Bern hat seine Krise erst mit der Verpflichtung von Tomi Karhunen gestoppt. Mit dem finnischen Goalie haben die Berner zuletzt siebenmal in Serie gepunktet und nur zwei Niederlagen nach Penaltys erlitten (gegen Davos und Ambri-Piotta).

Zug hat diese Serie gestern im besten Saisonspiel beendet. Gegen einen SCB, der auch seine beste Partie der laufenden Qualifikation spielte. Was einiges über die hohe Qualität dieses Gipfeltreffens aussagt: Intensität, Taktik und Tempo hatten europäisches Niveau. Eigentlich gewinnen die Berner genau solche Partien. Sie sind die Spezialisten für knappe Entscheidungen. Das ist der Grund, warum sie in den letzten vier Jahren dreimal die Meisterschaft gewonnen haben. Und umgekehrt gilt: eigentlich verlieren die Zuger genau solche Partien. Sie sind die Spezialisten für knappe Niederlagen, wenn es um alles geht. Das ist der Grund, warum sie in den letzten drei Jahren zweimal den Final verloren haben.

Aber nun haben die Berner in Zug ihren Meister gefunden. In einer Partie, die nach ihrem Drehbuch gelaufen, die nach der Art gelaufen ist, wie sie Hockey mögen. Den SCB in einem solchen Spiel zu besiegen ist die wahre, die hohe Kunst. Es kann sehr wohl sein, dass wir im Rückblick diesen 23. Dezember als Wendepunkt in der neueren Geschichte des Innerschweizer Hockeys erkennen werden. Als den Tag, an dem die Zuger gelernt haben, Spiele zu gewinnen, die sie bisher meistens verloren haben.

Der grosse Sieg hat viele Gründe. Eine sehr hohe taktische Disziplin. Eine exzellente Defensivorganisation. Gesundes Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen in den Zweikämpfen. Santeri Alatalo besteht sogar eine Prügelei gegen Berns notorischen Bösewicht Thomas Rüfenacht in der Schlussphase unbesiegt. Die Zuger lassen sich nicht mehr einschüchtern. Trainer Dan Tangnes sprach von einem grossen Spiel. Es sei auch ein Geduldsspiel gewesen. «Wir finden jetzt Wege, solche Spiele zu gewinnen. Wir entwickeln uns in die richtige Richtung.» Wo er recht hat, da hat er recht. Und doch hätte alles auch anders kommen können. In der 34. Minute hat Berns Topskorer Marc Arcobello freie Fahrt gegen Leonardo Genoni. Es ist das einzige Mal in dieser Partie, dass ein Stürmer der Zuger Abwehr zu entwischen vermag. Aber Zugs letzter Mann stoppt den zweitbesten Skorer der Liga. Was, wenn da der SCB 1:0 in Führung gegangen wäre? Es ist nicht passiert. Und so ist die Behauptung nicht übertrieben, dieser grosse Sieg habe einen Vater: Leonardo Genoni. Er hat beschlossen, ein grosser Torhüter zu sein. Also war er ein grosser Goalie. Er stoppte alle 32 Abschlussversuche seines letztjährigen Arbeitgebers. Am Ende ist er verdientermassen zum ersten Mal zum besten Mann der Zuger gekrönt worden. Als es vollbracht ist, echot sein Name tausendfach durch die ausverkaufte Arena. Als hätte es nie Zweifel gegeben. Als sei nie Luca Hollenstein, die Nummer 2, als Held gefeiert worden.

Vorweihnachtliches Spektakel

Im letzten Spiel des Jahres hat Leonardo Genoni mit seinem zweiten Shutout den Zugern die Gewissheit gegeben, dass sie einen Meistergoalie haben. Und noch etwas stimmt zuversichtlich: die Art und Weise, wie der goldene Treffer im Powerplay in der 46. Minute erzielt worden ist. Erst nimmt Carl Klingberg dem überragenden Tomi Karhunen die Sicht, dann versenkt er den abprallenden Puck zu seinem 9. Saisontreffer im Netz. Und geschossen hatte Grégory Hofmann, neben Leonardo Genoni der spektakulärste Einkauf von Sportchef Reto Kläy. Das vorweihnachtliche Spektakel ist also eine Blaupause für die Playoffs: Leonardo Genoni lässt sich nicht überwinden, und vorne fädelt Grégory Hofmann die Entscheidung ein. So hat es Reto Kläy geplant. Gestern ist sein Plan zum ersten Mal umgesetzt worden.