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KÖNIGSTRANSFERS: Betrieb auf dem Velobasar

Im Profiradsport geht es in der zweiten Jahreshälfte zu und her wie im Fussball. Auch die ganz jungen Rennfahrer haben einen oder mehrere Manager. An Vorschriften hält sich fast keiner.
Daniel Good
Chris Froome (links) muss sich die Konkurrenz künftig ohne Helfer Mikel Landa vom Leib halten. (Bild: Christophe Ena/EPA (Izoard-Pass, 20. Juli 2017))

Chris Froome (links) muss sich die Konkurrenz künftig ohne Helfer Mikel Landa vom Leib halten. (Bild: Christophe Ena/EPA (Izoard-Pass, 20. Juli 2017))

Daniel Good

Es war einiges los abseits der Strassen. Zwar dürften Transfers erst ab dem 1. September kommuniziert werden. Weil im Radsport nicht nur emsig pedalt, sondern mindestens so viel geredet wird, sind die ersten Teamwechsel für die kommende Saison aber schon seit Mitte Jahr bekannt. Die Rennfahrer sehen und hören vor und nach den Etappen, wer mit wem verhandelt, und sind auf dem Laufenden. Die Manager heizen mit gezielten Indiskretionen die Gerüchteküche an. Schon während der Tour de France in diesem Sommer stand so gut wie sicher fest, dass der Spanier Mikel Landa das Team Sky mit Gesamtsieger Chris Froome verlassen und in sein Heimatland zu Movistar wechseln wird.

Der 27-jährige Landa war der stärkste Fahrer an der Tour de France 2017. Stärker auch als Froome, der vor allem dank seines Chefhelfers aus dem Baskenland zum vierten Triumph kam. Nun will Landa nach Jahren im Schatten der Champions selber ein Star werden. Er ist deshalb der Königstransfer in diesem Jahr. Zu vergleichen mit dem Fussballspieler Neymar, der Barcelona Richtung Paris verliess, um nicht mehr hinter Lionel Messi im zweiten Glied stehen zu müssen. Wie weit Landa im nächsten Jahr kommen wird, ist offen. Die Begeisterung von Movistars bisherigem Leader Nairo Quintana hält sich in Grenzen. Für den Kolumbianer steht ausser Frage, dass er an der nächsten Tour de France der Captain der starken spanischen Mannschaft ist. «Ich bin der Anführer des Teams», sagt Quintana, der zweifache Gesamtzweite der Tour de France. Er geht davon aus, dass Landa auch für ihn Helferdienste verrichten wird.

Der starke Helfer muss kein guter Chef sein

«Ich komme in sein Haus. Man hätte mich auch freundlicher begrüssen können», sagt Landa. «So wie ich das sehe, schaut es so aus, als ob er das nicht mag.» Landa geht jedoch davon aus, dass Movistars Manager Eusebio Unzue, ein erfahrener Mann, die teaminterne Hierarchie zum Vorteil aller zurechtrückt. «Er wird das Beste aus uns herausholen.»

Eine Reihe ehemaliger Chefhelfer ist allerdings in der Rolle des Leaders einer Mannschaft gescheitert. Das Schweizer Team Phonak holte vor gut zehn Jahren Tyler Hamilton und Floyd Landis aus dem Rennstall von Lance Armstrong, um mit ihnen die Tour de France zu gewinnen. Landis beendete die Fahrt durch Frankreich 2006 sogar als Erster, der Sieg wurde dem Amerikaner aber wegen Dopings aberkannt.

Für das Team BMC fährt seit 2016 Richie Porte, der Vorgänger Landas als wichtigster Mannschaftsgefährte Froomes. In der vergangenen Saison wurde der Australier Fünfter der Tour de France, in diesem Jahr stürzte Porte in aussichtsreicher Position. Landa beendete die Rundfahrt in Frankreich auf dem vierten Platz eine Sekunde hinter dem drittklassierten Franzosen Romain Bardet.

Ärger für Aru mit Astana-Manager Winokurow

Einen Rang hinter Landa erreichte Fabio Aru in diesem Sommer das Ziel in Paris. Der 27-jährige Italiener hatte in den Farben der kasachischen Astana-Mannschaft die erste Bergankunft für sich entschieden. Aru ist Landesmeister, Sieger der Spanien-Rundfahrt 2015 und der mit Abstand beste Allrounder Astanas. Nun zieht es den Teamleader in die Wüste. Aru hat sich mit dem Rennstall Emirates auf einen Dreijahresvertrag geeinigt.

Das gefällt Astanas Manager Alexander Winokurow gar nicht. Der Strassen-Olympiasieger von 2012 will Aru auf Schadenersatz verklagen. Er habe zu spät vom Wechsel erfahren, so Winokurow, und könne deshalb keinen adäquaten Ersatz verpflichten. Wenn er früher von den Absichten Arus gewusst hätte, wäre eine Verpflichtung von Rigoberto Uran möglich gewesen, sagt Winokorow. Der Kolumbianer Uran war Zweiter der Tour. Auch Landa startete schon für Astana.

Mehr Geld für den Topsprinter Kittel

Die Erfolge an der Tour de France bestimmen den Marktwert der Rennfahrer. Gute Karten im Transferpoker hatte deshalb der 29-jährige Marcel Kittel. Der Deutsche gewann im Sommer fünf Etappen in Frankreich. Schon damals sagte Kittels Teammanager Patrick Lefévère, dass der Topsprinter für ihn nun wohl zu teuer werde. Der umtriebige Belgier sollte recht behalten. Kittel fährt in der kommenden Saison für die in der Schweiz lizenzierte und in Genf domizilierte Equipe Katjusha. Er trifft auf seinen Landsmann und guten Freund Tony Martin. Bei Katjusha stehen auch der Thurgauer Tour-de-France-Teilnehmer Reto Hollenstein und der Slowene Simon Spilak, der Gewinner der Tour de Suisse, unter Vertrag.

Die Transfers. (Bild: sbu)

Die Transfers. (Bild: sbu)

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