Kommentar
Bitte mehr als leere Versprechungen nach dem Turnskandal in Magglingen

Die Zeit des Personalaustausches beim Schweizerischen Turnverband ist vorbei, jetzt ist Zeit zu handeln. Ein Kommentar zum Untersuchungsbericht im Turnskandal von Magglingen.

Raphael Gutzwiller
Raphael Gutzwiller
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Eine Sportart, die so schön sein kann, aber in Magglingen so viel Schmerz verursachte: Rhythmische Gymnastik.

Eine Sportart, die so schön sein kann, aber in Magglingen so viel Schmerz verursachte: Rhythmische Gymnastik.

Urs Lindt / Freshfocus

Nun ist es auch durch eine externe Untersuchung bestätigt: Die Situation für Turnerinnen der Rhythmischen Gymnastik in Magglingen war jahrelang richtig schlimm. Ein Viertel bilanzierte, dass ihnen Schmerzen zugefügt wurden. Neun von zehn Athletinnen rapportierten, dass sie regelmässig angeschrien wurden.

Es sind erschreckende Zahlen, die der Bericht offenlegt. Vor allem im Wissen darum, dass es sich in dieser Sportart im Spitzensport mehrheitlich um Kinder handelt. Schon in jungen Jahren kommen die talentiertesten Mädchen ins Leistungszentrum in Magglingen, wo es aber nachweislich seit Jahren gravierende Missstände gab.

Den Bericht in Auftrag gegeben hatte der Schweizerische Turnverband, der nach den Schlagzeilen im Zusammenhang mit den Zuständen in Magglingen reagieren musste. Dass die Verantwortlichen erst Konsequenzen zogen, nachdem die Situation publik wurde, zeigt, wie verschlossen die Augen der Entscheidungsträger waren.

Tatsächlich spricht der Bericht davon, dass die Probleme System haben. Der Druck kam von oben. Das meiste wurde damit relativiert, dass Spitzensport nun mal hart sei. Natürlich kann es im Spitzensport ein wenig lauter werden. Die Vorkommnisse aber, die hier aufgedeckt werden, sprengen den Rahmen bei weitem.

In den letzten Jahren war die Reaktion des STV auf solche Probleme immer dieselbe: den Trainer oder die Trainerin entlassen. So geschehen 2002, 2007 und 2013. Die Sündenböcke waren weg, die Probleme im System blieben.

Und was passiert jetzt? Nun ist die neue STV-Führungsriege rund um Direktorin Béatrice Wertli angetreten, um einen tiefgreifenden Kulturwandel herbeizuführen. Die Verantwortlichen sprechen von einem Neuanfang. Dieser ist auch bitter nötig. Es darf kein Stein auf dem anderen bleiben, und es muss alles hinterfragt werden in den verstaubten Stuben und Hallen des STV. Diesmal kann es mit einem Personalaustausch nicht getan sein.

Immerhin: Dass die Olympischen Spiele kein Ziel mehr sind, ist ein gutes Zeichen. Damit wird endlich Druck von den Kindern genommen. Das ist aber erst ein Anfang.

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