KOMMENTAR: «Unglaubliche Nervenstärke»

Sportredaktor Albert Krütli über den 18. Grand-Slam-Titel von Roger Federer.

Albert Krütli
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Sportredaktor Albert Krütli. (Bild: Philipp Schmidli / LZ (Luzern, 3. Dezember 2016))

Sportredaktor Albert Krütli. (Bild: Philipp Schmidli / LZ (Luzern, 3. Dezember 2016))

Wahrscheinlich wird sich Roger Federer in den kommenden Tagen immer wieder selber fragen, wie er das geschafft hat. Da steigt der Schweizer Superstar nach seiner Verletzungspause in die Australian Open mit dem Ziel, wenn möglich zwei oder drei Runden zu überstehen. Die Viertelfinalqualifikation sah er als optimales Ziel. Man müsse realistisch bleiben, rief er in Erinnerung und dämpfte allzu grosse Hoffnungen seiner Fans. Und was passiert? Der Maestro feiert mit dem Finalsieg gegen Rafael Nadal seinen 18. Grand-Slam-Titel, dem er seit Wimbledon 2012 hinterherlief.

Für diesen Triumph gibt es vor allem drei Gründe: Dass mit Federer und Nadal ausgerechnet zwei Spitzenspieler im Final standen, die nach einer Verletzungspause zurück­kamen, ist kein Zufall. Beide hatten die Erholungszeit, die den meisten anderen Topcracks wie Murray oder Djokovic in diesem Turnier fehlte. Dazu kam, dass Federer gegen seinen Angstgegner Nadal taktisch perfekt auftrat. Die Balance zwischen Angriffs- und Sicherheitsspiel hätte besser nicht sein können.

Und schliesslich dieser ungestillte Hunger, als 35-jähriger Grand-Slam-Rekordsieger nochmals einen draufzusetzen. Nochmals Sportgeschichte zu schreiben. Dazu brauchte es zum Schluss beinahe schon übermenschliche Nervenstärke, um so kurz vor dem Ziel den Fokus, Ungewöhnliches leisten zu wollen, nicht zu verlieren. Nun: Roger Federer hat in Melbourne einmal mehr eindrücklich demonstriert, welch aussergewöhnlicher Sportler er ist – vielleicht sogar der grösste, den die Welt bisher gesehen hat.

Albert Krütli

albert.kruetli@luzernerzeitung.ch