Kommentar

Das Lauberhorn als Mahnmal der Ski-Krise

Ob der öffentliche Streit zwischen OK und Swiss-Ski Mittel zum Zweck war, bleibt Spekulation. Klar ist aber: der Ski-Weltcup wird spätestens in fünf Jahren wieder über Geldsorgen lamentieren, falls die derzeitigen Strukturen bestehen bleiben.

Rainer Sommerhalder
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Rainer Sommerhalder.

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Sandra Ardizzone

Antreten beim Kadi! Erst Sportministerin Viola Amherd brachte die Ski-Streithähne rund ums legendäre Lauberhornrennen zurück an den Verhandlungstisch und letztlich zur Räson. Anstatt internationale Richter in Lausanne entscheidet nun wieder der gesunde Menschenverstand über die Zukunft eines Schweizer Kulturguts. Hundschopf, Minschkante oder Brüggli-S lassen den Sportfan auch in den nächsten Wintern das Wasser im Mund zusammenlaufen. Jetzt verliert man die wertvolle Zeit wieder auf der Piste im Österreicherloch und nicht daneben in sinnlosen Schuldzuweisungen rund ums Finanzloch.

Tatsächlich werden nun erst einmal Löcher gestopft – auch dank dem Anzapfen von neuen staatlichen Finanzquellen. Ob der öffentliche Streit zwischen OK-Chef Näpflin und Ski-Boss Lehmann ein Stück weit Mittel zum Zweck war, bleibt Spekulation. Dass der Ski-Weltcup spätestens in fünf Jahren wieder über Geldsorgen lamentieren wird, falls die derzeitigen Strukturen bestehen bleiben, ist hingegen garantiert. Wenn mit Adelboden und Wengen zwei der fünf Topanlässe selbst bei einem perfekten Drehbuch über Defizite klagen, dann ist dies ein Alarmsignal. Soll der gestrige Effort nicht als reine Pflästerlipolitik enden, muss die Ski-Familie ihre Vermarktung endlich grenzüberschreitend betrachten. So wie dies alle grossen Sportverbände tun. Doch bisher hat die FIS dies nicht einmal geprüft. Man wartet auf den neuen Präsidenten, der vielleicht Urs Lehmann heisst.

Wengen zählt weiterhin zum Weltcup-Kalender.

Wengen zählt weiterhin zum Weltcup-Kalender.

Anthony Anex / KEYSTONE
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