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KONKURS: Red Ice Martigny: Der neunte Konkurs eines Teams in der Swiss League

In der kommenden Saison warten auf das Academy-Team des EV Zug nur noch zehn Gegner – der Konkurs von Red Ice Martigny ist endgültig.
Sport@luzernerzeitung.ch
Ihre Spielzeit ist abgelaufen: Spieler des walliser Clubs Red Ice Martigny. (Archivbild: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott, 2015)

Ihre Spielzeit ist abgelaufen: Spieler des walliser Clubs Red Ice Martigny. (Archivbild: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott, 2015)

Zum neunten Mal seit dem Jahr 2000 verschwindet im Schweizer Eishockey ein Team der Swiss League (vormalig NLB): Red Ice Martigny ist endgültig bankrott. Nach dem Absprung der russischen Investoren hat sich ein Schuldenberg von 1,5 Millionen Schweizer Franken auftürmt. Es ist der neunte Konkurs seit dem Jahr 2000 in der Swiss League (bisher Nationalliga B genannt). Und mit den beiden höchsten Fussballligen zusammengerechnet handelt es sich in den beiden obersten Spielklassen der beiden publikumsträchtigsten Teamsportarten seit dem Jahr 2000 um das fünfzehnte Ende aus finanziellen Gründen; fast ein Klub pro Jahr (siehe Kasten).

Ob es elf oder zwölf Teams sind, beeinflusst die EVZ Academy, das Zuger Farmteam, bei dem der Luzerner Mike Küng in Diensten steht, nicht stark. «Aber es ist schade um das Image», bilanziert EVZ-Sportchef Reto Kläy. Der Beigeschmack sei nicht gut. «Die Liga ist wichtig und gut, wir haben Farmteams und Klubs mit Ambitionen nach oben. Auch für uns ist die Liga sehr wichtig.»

Wenn ein Team aus der Liga wegen eines Konkurses verschwinde, sei das nicht repräsentativ. «Die Teams und die Spiele in der NLB sind gut. Nun wird ein schlechtes Licht auf die Liga geworfen, doch das ist nicht repräsentativ.»

EVZ-Sportchef Kläy: «Solide wirtschaften»

Dennoch: Martigny ist der neunte NLB-Konkursklub seit 2000. Wie ist das zu verhindern? «Es braucht vernünftige Leute, welche die Finanzen im Griff haben», nennt Reto Kläy eine der Hauptvoraussetzungen. «Wenn Leute über den Verhältnissen planen, geschehen diese Konkurse – es gibt nichts anderes, als gesund und solide zu wirtschaften mit dem, was einem zur Verfügung steht.»

Selbst wenn Martigny noch hätte gerettet werden können: Während andere Vereine mitten in den Vorbereitungen für die kommende Saison stecken, bestand das Kader des frankofonen Teams auch im Juni aus nur fünf Spielern: den beiden Verteidigern Alain Birbaum und Frederic Iglesias sowie den drei Stürmern Simon Fischer, Alexei Krutov und Melvin Merola.

A-Ligist Servette hatte bereits Interesse angemeldet, ein Farmteam in der NLB zu platzieren. Kläy sagt: «Grundsätzlich wäre ein weiteres Farmteam nicht verkehrt. Wichtig ist, dass das Team wettbewerbsfähig ist. Das Konzept muss Hand und Fuss haben, es muss nachhaltig und darf kein Schnellschuss sein.»

Die NLB-Klubs hätten anlässlich der Nationalligaversammlung entschieden, im Falle eines Konkurses und Lizenzentzugs die Saison 2017/18 mit elf Teams zu bestreiten, sagt Denis Vaucher, Direktor der National League. Ein Servette-Einstieg ist also erst 2018 möglich. «Es ist sehr schade und schlecht für die Liga», sagt Gian Kämpf, CEO des SC Langenthal, für den der Luzerner Nico Dünner auf Punktejagd geht. «Natürlich war Martigny ein Konkurrent, aber gleichzeitig auch ein Mitstreiter und ein Teil des Liga-Produkts.»

Ohne Martigny wird nun ein anderer Modus gespielt, der 46 statt 48 Spiele beinhaltet. In der höchsten Klasse, so Kämpf, gebe es auch Klubs mit Schwierigkeiten. «Aber durch die grössere mediale Aufmerksamkeit ist es etwas einfacher, doch noch eine Rettung zu erreichen.» Die Geschichten hinter den einzelnen NLB-Konkursen der letzten Jahre seien verschieden. «Doch immer leidet in einem solchen Fall eine Region.»

Vereine mit wenig Geld werden monatlich geprüft

«Klubs, die in Konkurs gehen, sind für das Schweizer Eishockey sicherlich kein Ruhmesblatt», sagt Denis Vaucher. «Es muss aber klar festgestellt werden, dass es, wie in jeder anderen Aktiengesellschaft auch, dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung des jeweiligen Klubs obliegt, die finanzielle Sicherheit zu gewährleisten.»

Grössere Eingriffe seitens des Schweizerischen Eishockeyverbandes (SIHF) sind nicht geplant. Vaucher: «Die Lizenzkommission prüft im Rahmen der jährlichen Erteilung der Spiel­berechtigung für die kommende Saison jeweils unter anderem die finanzielle Situation der Klubs gemäss den reglementarischen Vorgaben.» In schwierigen Fällen wird genauer hingesehen. «Klubs, welche beispielsweise über wenig Eigenkapital oder knappe Liquidität verfügen, müssen während der Saison monatlich rapportieren. Weitergehende Massnahmen sind zurzeit nicht geplant und in der Praxis wohl auch nicht umsetzbar.»

Daniel Gerber

sport@luzernerzeitung.ch

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