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Handballstar Andy Schmid: «Ich würde meinen Zeh opfern!»

Der 35-jährige Andy Schmid sieht Deutschland als Favorit auf den WM-Titel. Und der Bundesligaspieler hofft, dass er 2020 mit dem Schweizer Nationalteam an der EM teilnehmen kann.
Interview: Etienne Wuillemin und Dean Fuss
Ausnahmezustand: Die Deutschen sind im WM-Fieber. (Bild: Federico Gambarini/Keystone (Köln, 21. Januar 2019)

Ausnahmezustand: Die Deutschen sind im WM-Fieber. (Bild: Federico Gambarini/Keystone (Köln, 21. Januar 2019)

Andy Schmid, wie hätte die Schweiz an dieser WM abgeschnitten?

Andy Schmid: Ich denke, irgendwo im Mittelfeld wären wir schon gelandet. Man sagt, eine WM ist vom Niveau her etwas schwächer als eine EM, weil viele Teams von anderen Kontinenten dabei sind. Chile, Bahrain, Saudi-Arabien – das kann man schon nicht mit dem europäischen Handball vergleichen. Es waren Teams dabei wie Serbien, die gut mitgehalten und gegen uns schon verloren haben.

Andy Schmid. (Bild: Alexandra Wey/KEY)

Andy Schmid. (Bild: Alexandra Wey/KEY)

Wie schwierig ist es, vor dem TV zuschauen zu müssen?

Das ist wohl die Frage, die ich am meisten beantwortet habe in meinem Leben, immer zuverlässig im Januar. (lacht) Schwierig, schwierig – jedes Jahr mehr. Am Anfang konnte ich es noch irgendwie akzeptieren, mittlerweile fällt es nicht mehr so leicht. Dass die WM im Land stattfindet, wo ich seit acht Jahren wohne, verstärkt das Sehnsuchtsgefühl noch einmal extrem. Ich sehe und spüre die Euphorie überall. Derzeit geht in Deutschland nichts ohne Handball, das habe ich so noch nie erlebt. Die Deutschen haben schon mit dem ersten Spiel – obwohl es «nur» gegen Korea war – begonnen, das Turnier zu hypen. Da sind die Deutschen Weltmeister drin, wenn sie etwas gut finden und etwas gemeinsam erreichen wollen, dann spielen die Medien mit – und die Leute sitzen vor dem Fernseher und unterstützen die Mannschaft.

Wie sehr schmerzt es Sie, dass die Schweiz seit der Heim-EM 2006 nie mehr an einem Grossanlass teilnehmen durfte?

Ich habe kürzlich in einem Interview gesagt: «Ich würde meinen kleinen Zeh opfern, um an der WM dabei sein zu können.» Das ist vielleicht etwas offensiv formuliert, aber es soll zeigen, dass ich so eine Euphorie sehr gerne auch einmal erleben würde. Meine Mitspieler erzählen mir jedenfalls ziemlich deutlich, dass in Sport-Deutschland der Ausnahmezustand herrscht.

Können Sie die WM-Spiele auch ein bisschen geniessen?

Klar! Ich verfolge fast jedes Spiel. Es ist nicht so, dass ich heulend vor dem Fernseher sitzen würde und jedes Mal frage: «Warum bin ich nicht dabei?» Den Halbfinal der Deutschen werde ich in der Halle mitverfolgen, damit ich doch auch noch live vor Ort sein kann.

Welches Zwischenfazit ziehen Sie vor den Halbfinals?

Die Ausnahme-Spitzenteams, wie früher beispielsweise Frankreich, gibt es aktuell nicht. Sieben, acht Teams sind sehr nahe beisammen. Aber ich bin der Meinung, dass die vier richtigen Mannschaften die Halbfinals erreicht haben. Das waren die vier besten Teams in diesem Zeitraum. Klar ist, dass der Heimvorteil sehr gross ist. Es ist keine Überraschung, dass die Co-Gastgeber Deutschland und Dänemark weitergekommen sind. Bei fünf der letzten sechs Weltmeisterschaften stand der Gastgeber jeweils im Final. Auch Katar hat das 2015 geschafft. Das soll aber keinesfalls die Leistung der Deutschen schmälern. Sie spielen nicht herausragend, aber haben die beste Abwehr des Turniers und nutzen den Heimvorteil.

Wer wird Weltmeister?

Ich bin überzeugt, dass die Deutschen den Titel holen. Für Norwegen wird es im Halbfinal in Hamburg enorm schwierig. Ich gehe zudem davon aus, dass die Dänen gegen Frankreich ausscheiden und tippe deshalb auf den Final Deutschland gegen Frankreich auf neutralem Boden (in Herning, d.Red.). Die Franzosen sind auf dem Papier zwar stärker, haben die besseren Einzelspieler, aber Deutschland wird durch die Euphorie zum Titel getragen.

Was machen Sie in einem Jahr?

Die Hoffnung ist extrem gross, dass ich dann mit dem Schweizer Nationalteam an der EM spiele. Ich habe das Turnier 2020 (in Österreich, Schweden und Norwegen, d. Red.) fest in meinem Kalender eingeplant und gehe davon aus, dass ich ab dem 1. Januar 2020 beschäftigt bin. (lacht)

Das Schweizer Nationalteam ist auf Kurs

Die Schweizer Nationalmannschaft ist auf bestem Weg, sich erstmals seit der Heim-EM 2006 wieder für einen Grossanlass zu qualifizieren. Nach zwei Spielen in der EM-Qualifikation für das Turnier 2020 liegt das Team um Andy Schmid, der in der Bundesliga für die Rhein-Neckar Löwen spielt, in der Gruppe 2 auf dem zweiten Platz. Mit zwei (Pflicht-)Siegen gegen Belgien (10. und 14. April) wäre die EM-Qualifikation mit grosser Wahrscheinlichkeit geschafft. (ewu/dfs)

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