Handball
Dem HC Kriens-Luzern fehlt im Angriff der letzte Wille zum Sieg

Kriens-Luzern verliert das erste Playoff-Halbfinalspiel in Schaffhausen mit 22:25, überrascht aber mit einem Comeback.

Stephan Santschi
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Kein Durchkommen für den HCKL-Rückraumspieler Tomas Piroch (3. von links).

Kein Durchkommen für den HCKL-Rückraumspieler Tomas Piroch (3. von links).

Bild: Walter Bieri/Keystone (Schaffhausen, 26. Mai 2021)

Es wirkte, als wäre er nie weg gewesen. Er parierte gegnerische Würfe, feierte seine Aktionen intensiv, trieb die Teamkollegen an, diskutierte mit den Schiedsrichtern. Die Rede ist von Torhüter Pascal Stauber, 116-facher Schweizer Ex-Internationaler, zweifacher Meister mit Pfadi Winterthur – und eigentlich im Jahr 2015 zurückgetreten. Gestern aber gab der Basler sein Comeback, mit 41 Jahren, im Dress des HC Kriens-Luzern.

Weil Stammkeeper Paul Bar nach einer Schulteroperation die Saison beendet hat und sein Ersatz Kayoum Eicher die Last der Verantwortung zwischen den Pfosten nicht alleine tragen soll, haben sich die Zentralschweizer kurzfristig für eine Reaktivierung von Stauber entschieden. «Pasci weiss, was er macht, und er war zu seiner Aktivzeit nicht fitter als jetzt», erklärt Trainer Goran Perkovac, der Stauber schon als Trainer von Winterthur und der Schweiz unter seinen Fittichen hatte.

In der 19. Minute kommt Stauber schon aufs Feld

Pascal Stauber überzeugte bei seinem Comeback.

Pascal Stauber überzeugte bei seinem Comeback.

Bild: PD

Dass er gegen die Kadetten Schaffhausen in Spiel eins des Playoff-Halbfinals schon bald gebraucht werden würde, war dann aber doch nicht absehbar. Eicher startete aber sehr unglücklich in die Partie, hielt keinen einzigen der ersten acht Würfe auf sein Tor und musste seinen Posten bereits in der 19. Minute räumen. Nicht David Wenger, der Torhüter des Krienser 1.-Ligisten, der ebenfalls im Kader stand, kam auf den Platz, sondern eben – Pascal Stauber. Den Einbruch seines Teams konnte er zunächst zwar nicht stoppen, aufgrund einer schwachen Offensivleistung und elf Minuten ohne Torerfolg musste Kriens-Luzern den Gegner bis zur 25. Minute von einem 6:6-Remis auf ein 12:6 davonziehen lassen. Dann aber fing der Heisssporn Feuer und war mit seinen Abwehraktionen hauptverantwortlich dafür, dass die Gäste zur Pause (13:9) noch im Spiel waren. «Mit dieser Leistung hat er überrascht. Noch wichtiger aber sind die positiven Emotionen, die Pasci bei uns reinbringt», hielt Perkovac fest.

Nach dem Seitenwechsel setzte Stauber seine starke Performance fort, so richtig an die Schaffhauser heranzurücken, vermochte Kriens-Luzern vorderhand allerdings nicht. Schuld daran war weiterhin der Auftritt im Angriff, der sich an diesem Abend viele Fehler leistete. Es fehlte der Zug aufs Tor, der Wille, dorthin zu gehen, wo es wehtut, auch die Wurfkraft aus dem Rückraum und die Wasserverdrängung am Kreis entsprachen nicht den hohen Ansprüchen eines Playoff-Halbfinals. Wenig hilfreich war dabei, dass Topskorer Hleb Harbuz schon nach fünf Minuten verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. «Die Offensive war nicht genügend, trotzdem wäre mehr dringelegen», stellte Perkovac hadernd fest.

Trotz vielen Fehlern nahe an Schaffhausen dran

Auch die Schaffhauser spielten nämlich nicht auf höchstem Niveau, und als sie rund zehn Minuten vor Schluss gleich drei Gegenstösse in Serie zuliessen, reduzierten die Luzerner das Skore von 21:16 auf 21:19. Ein spannendes Duell auf Augenhöhe lieferten sich die beiden Teams nun, ähnlich wie vor 18 Tagen im Cupfinal. Bis zur 57. Minute verkürzte Kriens-Luzern sogar auf 23:22, am Ende setzten sich die Kadetten aber dank der grösseren Routine ihrer Aufbauer durch. «Schaffhausen ist nicht besser», ist Perkovac überzeugt, ein Sieg in Spiel zwei am Samstag in Kriens sei möglich.

Vielleicht wird dann auch Abwehrchef Aljaz Lavric, der gestern nach seinem Nasenbeinbruch wieder auf der Bank sass, auf das Feld zurückkehren. Und dann ist da noch der neue, alte Trumpf im Tor, der für Zuversicht sorgt – Pascal Stauber.

QHL. Playoff-Halbfinals (best-of-5), 1. Runde: Pfadi Winterthur - HSC Suhr Aarau 32:27 (17:16); Stand 1:0. Kadetten Schaffhausen – Kriens-Luzern 25:22 (13:9); Stand: 1:0.

Schaffhausen - Kriens-Luzern 25:22 (13:9)

BBC-Arena. – 50 Zuschauer. – SR Jergen/Zaugg. – Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen Schaffhausen, 6-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern.

Kadetten Schaffhausen: Pilipovic (12 Paraden)/Biosca (1); Tominec (3 Tore), Bartok (2), Maros (4), Schelker (5), Frimmel (3), Schmidt (1), Novak; Schopper (1), Csaszar (6/2), Gerbl, Zehnder.

HCKL: Eicher/Stauber (8 Par.); Wanner (2 Tore), Piroch (2), Oertli (1), Harbuz, Schlumpf (1), Gavranovic (2), Delchiappo; Rellstab (4), Lapajne (5/2), Idrizi (1), Blättler (4).

Bemerkungen: Schaffhausen ohne Sesum, Markovic (verletzt), Küttel (krank). Kriens-Luzern ohne Papez (Rücktritt), Bar (verletzt). Frimmel-Penalty übers Tor (17./7:6). Biosca pariert Lapajne-Penalty (38./16:12). Csaszar-Penalty an Latte (45./19:15). Harbuz-Penalty übers Tor (48./20:16).