HC Kriens gewinnt auch ohne seinen Topskorer

Kriens kompensiert die Absenz von Goalgetter Hleb Harbuz mit unerhörtem Kampf, gewinnt bei Bern 27:25 (14:14).

Roland Bucher
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HCK-Trainer Goran Perkovac.

HCK-Trainer Goran Perkovac.

Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 20. Oktober 2019)

Was denn kann diesen Krienser Handball-Verbund aus der Fassung bringen? Eigentlich nichts. Wenn eine Mannschaft die ­Absenz von vier nominellen Stammsechs-Akteuren (Hofstetter, Papez, Topskorer Harbuz, Delchiappo) so entschlossen wegsteckt, wie das am Mittwoch Goran Perkovacs Truppe tat, dann hat sie Klasse. Und ein Herz, welches für ganz hohe Aufgaben schlägt.

Es war gegen Bern, einen Widersacher, der in den letzten Wochen nichts als seine Fortschritte bestätigt und hochkarätige Gegner weggeputzt hat, der Sieg einer Mannschaft, welche gelernt hat: Wer will, der kann. Kurzum: Kriens gab beim 27:25-Sieg die Visitenkarte einer Mannschaft ab, welcher in dieser Saison alles zuzutrauen ist. «Die Mischung von älteren Spielern und jungen Leuten ist im Moment perfekt», betonte Perkovac, der seiner Equipe nach dem Spiel ein grosses Kompliment aussprach: «Grosse Teams zeichnet aus, dass sie konsequent ihr Programm durchziehen. Vorsprung oder Rückstand hin oder her. Das ist uns diesmal gelungen. Und das macht mich und den ganzen Staff sehr stolz.»

Aus einer kleinen Krise zurückgekämpft

Die Innerschweizer hatten schon in der ersten Halbzeit angedeutet, dass die lange Absenzenliste nie und nimmer eine Ausrede auf Vorrat sein würde. Es war ein Schwur von Leuten, welche diese zwei Punkte um ­jeden Preis wollten, Unbill hin oder her. Kriens würgte zu Beginn der zweiten Halbzeit kleine Krisenmomente (vom 14:14 zum 14:17-Rückstand) rigoros ab, kämpfte sich wieder heran – und in der Endphase wurde es so richtig spannend. Als den HCK-Routiniers die Puste auszugehen schien, brachte einmal mehr die junge Garde die Punkte ins Trockene: Rellstab (19) traf zum 25:24, Oertli (18) zum 26:25 und Blättler (25) meisselte mit dem Penaltytor zum 27:25 den Sieg in Stein. «Wie kaltblütig die das gemacht haben», staunte Perkovac, «das zeigt doch deutlich, wie weit unser Reifeprozess inzwischen gediehen ist.»

Herausragend war Filip Gavranovic. Der Kroate, der in Vertragsgesprächen steckt und betont, wie gerne er seine Zukunft in Kriens planen würde, hebelte in der Defensive mehr als einmal die Berner Offensivleute aus, war im Abschluss so energisch und erfolgreich wie noch nie in dieser Saison. Kurzum: Der Kreisläufer lieferte ein vorzügliches Bewerbungsschreiben für die Vertragsverlängerung ab – genau wie übrigens auch Rechtsflügel Severin Ramseier, der zusammen mit Blättler eine wuchtige Flügelzange bildete, der Bern nie gewachsen war. Aber: Alles wäre nichts gewesen, wenn da nicht ein ausserordentlich starker Mann das Tor der Krienser gehütet hätte. Zu 50 Prozent sei der Goalie im Handball für Sieg und Niederlage verantwortlich, behauptet man. Am Mittwoch traf es auf Paul Bar zu. Im positiven Sinne. Perkovac spürt: «Wir sind in dieser Saison parat, Grosses zu leisten.»