Kriens-Luzern ist aus dem Homeoffice zurück

Die Handballer des HC Kriens-Luzern treffen am Donnerstag auf GC Amicitia Zürich. Die Vorbereitungszeit nach der Quarantäne ist bedenklich kurz.

Stephan Santschi
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Die Spieler des HC Kriens-Luzern vor der Partie gegen den BSV Bern.

Die Spieler des HC Kriens-Luzern vor der Partie gegen den BSV Bern.

Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 11. November 2020)

Seit Dienstag ist der HC Kriens-Luzern wieder im Training, am Mittwoch stiessen auch die letzten beiden Akteure, die sich in Coronaquarantäne befanden, zur Mannschaft. Und am Donnerstag steht auswärts gegen GC Amicitia Zürich (19.30 Uhr, Saalsporthalle) bereits das nächste NLA-Spiel auf dem Programm. Ist das nicht etwas gar wenig Vorbereitungszeit? Im NLA-Volleyball gilt beispielsweise eine Sperrfrist von fünf Tagen für die Ansetzung von Spielen nach einer Zwangspause. «Im Handball sind laut Reglement 60 Stunden vorgesehen», berichtet Nick Christen, Geschäftsführer der Krienser.

Die Quarantäne beziehungsweise die Selbstisolation endete am Montag um Mitternacht, womit bis zum Anpfiff in Zürich 67,5 Stunden vergehen. «Es ist machbar», sagt Christen, «sonst bringen wir all die Spiele nicht mehr über die Bühne.» Zumal das Auswärtsspiel in Schaffhausen, das für Samstag geplant war, ebenfalls verschoben werden musste, weil sich die Kadetten nach einem positiven Test als fünftes NLA-Team in Quarantäne befinden.

Berner Unmut über erzwungene Auszeit

Für Goran Perkovac, den Trainer der Luzerner, ist die kurze Vorbereitungszeit kein Grund zur Sorge. Zwar erwartet er beim Tabellenletzten «ein schwieriges Spiel, weil wir nicht eingespielt sind». Allerdings sei er zufrieden, dass sie den Spielbetrieb wieder aufnehmen könnten. «Auch die Spieler sind froh, wieder spielen zu können, sie freuen sich darüber wie Kinder, die ein neues Spielzeug erhalten haben.» Doch wie sieht es in Sachen Belastung aus? Könnte der Unterbruch nicht Verletzungen nach sich ziehen?

Achim Dähler, der Geschäftsführer von Ligakonkurrent Bern, äusserte sich nach der Auszeit für sein Team im Oktober jedenfalls kritisch: «Nicht weniger als acht Spieler fielen aus. Es ist offensichtlich, dass eine zehntägige Verbannung ins Homeoffice Folgen hat.» Und weiter:

«Jäh aus dem Trainings- und Spielrhythmus gerissen, über eine Woche in der Wohnung eingesperrt, ist der Wiedereinstieg ins harte Körperkontakttraining sehr heikel. Die vielen Ausfälle nach dem Restart können kaum ein Zufall sein.»

Weder Perkovac noch Christen wirken diesbezüglich aber beunruhigt. «Klar ist es für den Rhythmus nicht förderlich», sagt Christen. «Doch unser Team ist sehr gut trainiert, es hatte bereits vor der Pause eine harte Belastung. Zudem haben die Spieler auch zu Hause Übungen gemacht.»

Schnelltests kosten den HC Kriens-Luzern 1000 Franken pro Spiel

Mittlerweile ist es in der NLA Usus, dass Staff und Mannschaft am Tag vor dem Spiel in corpore einen Antigen-Schnelltest machen. Diese sind deutlich billiger als die PCR-Tests und sie liefern innert 15 Minuten ein Ergebnis. «Wir rechnen aber weiterhin mit Zusatzkosten von rund 1000 Franken pro Spiel. Wir hoffen, dass diese vom Schweizerischen Handballverband mit dem Stabilisierungspaket des Bundes beglichen werden», so Christen. Sportlich steht dem HCKL in Zürich eine besondere Herausforderung bevor. Nicht nur wegen der fehlenden Trainings- und Matchpraxis, sondern auch wegen des Gegners.

Im der ersten Partie gegen GC Amicitia Zürich tat sich der HC Kriens-Luzern (am Ball Rückraumspieler Tomas Piroch) in dieser Saison schwer. Die Zürcher gewannen beim 29:29 ihren bislang einzigen Punkt.

Im der ersten Partie gegen GC Amicitia Zürich tat sich der HC Kriens-Luzern (am Ball Rückraumspieler Tomas Piroch) in dieser Saison schwer. Die Zürcher gewannen beim 29:29 ihren bislang einzigen Punkt.

Bild: Hardy Konzelmann/pd (Kriens, 13. September 2020)

GC Amicitia steht nach dem völlig missratenen Saisonstart mit nur einem Punkt aus elf Spielen unter grossem Zugzwang. Den einen Punkt, den holten sie sich übrigens überraschend beim 29:29-Remis von Mitte September in Kriens. Nach dem Zuzug mehrerer Ausländer zeigten sich die Zürcher im Sommer ambitioniert, wollten in die Top 6. Daran hat sich trotz des ausbleibenden Erfolgs nichts geändert: «Wir setzen uns weiterhin die Top 6 zum Ziel, ich sehe das Potenzial in unserer Mannschaft», sagt Sportchef Thomas Heer und er hält fest: «Die Stimmung bei uns ist Weltklasse und wir stehen zu 100 Prozent hinter dem Trainer.» Dieser heisst Jakub Szymanski, trat im Sommer eigentlich als Spieler zurück, ist nun zur Stabilisierung der Defensive aber vorübergehend wieder auf den Platz zurückgekehrt.

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