Kriens-Luzern-CEO: «Wir kommen wohl mit zwei blauen Augen davon»

Der HC Kriens-Luzern gerät trotz abgebrochener Saison nicht in Schieflage. Sorgen bereitet CEO Nick Christen aber die Zukunft.

Stephan Santschi
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Gute Neuigkeiten für den HC Kriens-Luzern. Die letzte Saison wird zwar nicht gewertet, doch jene Teams, die zum Zeitpunkt des Abbruchs am 13.März in den Top 4 klassiert waren, werden in der kommenden Spielzeit im Europacup antreten. Für die drittrangierten Krienser bedeutet dies die Teilnahme am international drittklassigen EHF-Cup (vormals Challenge-Cup). «Das bestätigt uns, dass wir mit dem Team und den Trainern einen super Job gemacht haben. Partien auf europäischem Parkett bringen einen Spieler weiter und wir trauen es uns zu, die eine oder andere Runde zu überstehen», sagt Nick Christen.

Nick Christen: CEO des HC Kriens-Luzern.

Nick Christen: CEO des HC Kriens-Luzern.

Bild: Nadia Schärli (Kriens, 29. August 2019)

Der Geschäftsführer der Luzerner betont aber auch: «Es handelt sich um ein zweischneidiges Schwert.» Europacup-Spiele seien eine finanzielle Zusatzbelastung. «Zudem ist noch ungewiss, ob wir nächste Saison reisen und Spiele vor Publikum austragen dürfen. Europacup ohne Zuschauer wäre ein Desaster.» Die Aussicht auf internationale Auftritte verbreitet derzeit generell keinen Frohsinn in Schweizer Clubs. Zu sehr sind sie mit der Gegenwart beschäftigt und in der herrscht wegen des Coronavirus vor allem eines: Ungewissheit.

«Das wird uns wehtun»

Der HC Kriens-Luzern hat wegen des gestrichenen Saisonhöhepunkts, den NLA-Playoffs, einen Verlust in sechsstelliger Frankenhöhe erlitten. Mit Kurzarbeit und einer substanziellen Lohnreduktion in der ganzen Belegschaft, der am Montag alle Akteure in einer Videokonferenz zugestimmt haben, werde man den Schaden im Geschäftsjahr 2019/20 einigermassen in Grenzen halten können, sagt Christen und blickt etwas neidisch nach Zürich, wo die kantonale Regierung an Ligakonkurrent Pfadi Winterthur eine Finanzspritze von 100'000 Franken ausrichtete. «So weit sind wir in Luzern leider noch nicht.» Immerhin hat der Kanton Luzern nun eine Unterstützungsaktion lanciert, bis Ende Mai können bei der Sportförderung Gesuche eingereicht werden. Auf einen rückzahlungspflichtigen Überbrückungskredit des Bundes verzichtet er derweil freiwillig. «Zu diesem Mittel würden wir als letztes greifen. In Zukunft würde dies ja wieder auf uns zurückfallen», erklärt Christen und hält fest: «Ich bin zuversichtlich, dass wir in dieser Saison mit zwei blauen Augen davonkommen.»

Mehr Bedenken hat er mit Blick auf die Anfang September beginnende neue Saison. Im Rahmen einer Vorwärtsstrategie hat der HC Kriens-Luzern das Budget noch vor der Coronazeit von 1,45 auf 1,7 Millionen Franken erhöht. Die Ausgaben sind damit fixiert, doch wie jedes Jahr werden die Krienser mit einer Unterdeckung der Einnahmen von 10 bis 15 Prozent in die Meisterschaft starten. «Normalerweise bringen wir den fehlenden Betrag jeweils während der Saison rein. Jetzt sind wir in der Sponsorensuche aber völlig blockiert.» Die Rede ist von 150'000 bis 200'000 Franken. «Das wird uns wehtun», ist Christen überzeugt. «Wir möchten aber positiv bleiben. Als Sportunternehmen transportieren wir Emotionen, Schwarzmalen ist nicht unser Weg.»

Zwei Stichtage für die Krienser im Juni

Vorderhand ist der Betrieb auch in Kriens heruntergefahren, die Spieler halten sich zu Hause fit. Stichtag ist der 1. Juni, dann wird das Teamtraining mit Laufeinheiten wieder aufgenommen. Ein weiteres wichtiges Datum für den HCKL ist der 25. Juni, dann wird der Krienser Einwohnerrat in der zweiten Lesung über den Bebauungsplan und die Teilzonenplanänderung für die Pilatus-Arena befinden. «Bei positivem Bescheid könnten wir zackig vorwärtsmachen», sagt Christen – im Wissen, dass die Baubranche auch in schwierigen Zeiten ein Stabilitätsfaktor ist.

Die Kaderplanung ist derweil abgeschlossen – den Abgängen von Tom Hofstetter, Severin Ramseier und Christian Wipf stehen die Zuzüge des Slowenen Janus Lapajne als Spielmacher und des Schweizer U21-Nationalspielers Levin Wanner am rechten Flügel gegenüber.