Die feine Show – der grosse Sieg: Kriens-Luzern gewinnt Spitzenkampf gegen Kadetten Schaffhausen deutlich

Kriens-Luzern steht nach dem Gipfeltreffen in der Rangliste ganz oben: Meisterlicher Auftritt beim 32:24 (17:11)-Sieg gegen Kadetten Schaffhausen.

Roland Bucher
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Der Krienser Filip Gavranovic setzt sich erfolgreich gegen die Kadetten-Abwehr durch.

Der Krienser Filip Gavranovic setzt sich erfolgreich gegen die Kadetten-Abwehr durch.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 26. September 2020)

Noch Fragen? Der HC Kriens-Luzern zeigte sein vielleicht stärkstes Spiel in der «Ära Goran Perkovac» und demolierte Serienmeister Schaffhausen. Dominierte nach Belieben, lag bis zu 10 Tore vorne. Begeisterte. Überzeugte mit einem Tempohandball, dem der erklärte Titelfavorit aus der Ostschweiz nichts entgegenzuhalten hatte. Er werde nun in die Kabine gehen und dem Team gratulieren, sagte Perkovac nach den Schlussminuten, welche die Fans mit höchstem Applaus begleiteten: «Heute habt ihr fast perfekt gespielt.»

Das Lob und die Laudatio des kroatischen Olympiasiegers hat sich die Mannschaft verdient. Sie machte gegen ein hoch kotiertes Schaffhausen fast alles richtig, zündete von Beginn weg ein Angriffsfeuerwerk, lag nach sechs Minuten 6:2 vorne.

Kriens-Topskorer Hleb Harbuz beim Abschluss.

Kriens-Topskorer Hleb Harbuz beim Abschluss.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 26. September 2020)

Bar will nicht abheben

Kleine Trotz- und Störaktionen der völlig überforderten Kadetten beantwortete Kriens-Luzern mit der Klasse und Reife des Aufstrebers, welcher der Wunschvorstellung des höchsten Chefs nichts als gerecht wurde. «Wir werden in dieser Saison um den Meistertitel mitreden», hatte Hanspeter Würmli, der Verwaltungsratspräsident des Vereins, vor dem Spitzenkampf prophezeit, und im Nachhinein ist durchaus anzumerken: Mit solchen Spektakelsiegen manövriert sich der HCK langsam, aber resolut sogar in die Rolle eines Titelfavoriten.

Der Krienser Jernej Papez beim Abschluss.

Der Krienser Jernej Papez beim Abschluss.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 26. September 2020)

«Wie bitte? Titelfavorit?», lächelt Paul Bar. «Es war ein wichtiges Spiel, es war ein gutes bis sehr gutes Spiel von uns. Aber bleiben wir schön am Boden. Entschieden wird die Meisterschaft nicht heute und morgen, sondern erst im allerletzten Spiel.» Paul Bar, das ist der Krienser Torwart, polnischstämmig und auch in seiner Postur kein Mann von Leichtigkeit. Am letzten Dienstag bei der Europacup-Niederlage in Skopje hatte er Kritik einstecken müssen, am Samstag war er – «nichts als Weltklasse», schwärmte Hleb Harbuz ohne Umschweife.

Perkovac findet es schlicht «eine Augenweide»

Der schnittigsten Krienser Angriffswaffe (10 Würfe, acht Tore) war nicht verborgen geblieben, dass Paul Bar in der ersten Halbzeit sagenhafte 43 Abwehrprozente verbuchte. Er zimmerte das Gerüst für einen Sieg, der dank vielen Showelementen eine Nachwirkung für alle Zuschauer haben dürfte: Wer am Samstag beim Krienser 32:24 gegen Schaffhausen dabei war – der wird diese Saison nie mehr fehlen. «Das war gute Handballpropaganda, nicht wahr?», fragte Perkovac schelmisch, und man dürfe sich durchaus notieren: «Es war eine Augenweide. So ziehen wir die Zuschauer in die Halle.»

Kriens hatte herausragende Leute in seinen Reihen. Bar eben und Harbuz, Gavranovic, in dieser Verfassung ohnehin der beste Mann auf der Kreisläufer-Position in dieser Liga, dann auch Idrizi, der Rohdiamant auf der rechten Flügelposition mit veritabler Ausbeute (6 Versuche, fünf Tore). Doch die Mannschaft von Goran Perkovac überzeugte trotzdem und vor allem in ihrer Kompaktheit: Sie wies keine Schwachstellen auf, kompensierte Atempausen der Stammkräfte mit grösster Selbstverständlichkeit, winkte kleine Zwischentiefs magistral weg. «Wir waren nie in Gefahr», staunte Perkovac, «und das immerhin gegen Schaffhausen.» Bedenkt man, dass der Ankermann der Krienser, Janus Lapajne, leicht angeschlagen 60 Minuten lang auf der Ersatzbank verharrte, dann sagt das wohl alles aus darüber, wie die Schule von Perkovac Wirkung zeigt: Zögling Moritz Oertli, erst 19 Jahre alt, bewältige den Part des Regisseurs und Koordinators 60 Minuten mit der Selbstverständlichkeit und Übersicht eines altgedienten Routiniers.

Am Dienstag geht’s weiter, in Zürich in der Saalsporthalle: Zwei Tore Rückstand hat Kriens gegen Metalurg aufzuholen, um weiter und in die Gruppenphase zu kommen. «Wenn wir das bestätigen können, was wir heute gezeigt haben: dann schaffen wir das sicher», sagt Perkovac.

Darf man auch in dieser sehr zuversichtlichen Formulierung so stehen lassen.

Kriens-Luzern - Kadetten Schaffhausen 32:24 (17:11)

400 Zuschauer. - SR Jergen/Zaugg. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern, 1mal 2 Minuten gegen Kadetten Schaffhausen.

Kriens-Luzern: Bar (14 Paraden)/Eicher; Blättler (2 Tore), Delchiappo, Gavranovic (7), Harbuz (8/2), Idrizi (5), Lapajne, Lavric, Oertli (2), Papez (2), Piroch (1), Rellstab (2), Schlumpf (1), Wanner (2).

Kadetten Schaffhausen: Biosca Garcia (5 Paraden)/Pilipovic (2); Ben Romdhane, Csaszar (7 Tore/4), Frimmel (3), Gerbl (1), Herburger, Küttel (4), Maros (3), Novak, Schelker (1), Schmidt (3), Schopper, Tominec (2), Zehnder.

Bemerkungen: Verschossene Penaltys 0:2.

Die Partie in voller Länge zum Nachschauen:

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