Handball
Eine historische Chance: Kriens-Luzern könnte erstmals den Cupfinal erreichen

Die Handballer des HC Kriens-Luzern kämpfen am Dienstag bei B-Ligist Chênois Genève um den ersten Einzug in den Schweizer Cupfinal.

Stephan Santschi
Merken
Drucken
Teilen
Werden die Krienser auch heute Abend in Genf jubeln können?

Werden die Krienser auch heute Abend in Genf jubeln können?

Deuring Photography

Der HC Kriens-Luzern steht vor einem Highlight in seiner jungen Geschichte im Schweizer Spitzenhandball. Der Verein, der vor 14 Jahren in die NLA aufstieg und sich mittlerweile im oberen Tabellenbereich etabliert hat, kann erstmals in den Final eines nationalen Wettbewerbs einziehen: Als haushoher Favorit gastiert die Mannschaft heute im Halbfinal des Schweizer Cups bei B-Ligist Chênois Genève (20.30 Uhr, live auf handballtv.ch). «Locker, ich erwarte einen Sieg mit zehn Toren Differenz oder mehr», sagt Boris Stankovic und schmunzelt.

Boris Stankovic stand zweimal mit Kriens im Cup-Halbfinal.

Boris Stankovic stand zweimal mit Kriens im Cup-Halbfinal.

Bild: Urs Hanhart

Der 41-jährige Serbe spielte zehn Saisons für den HC Kriens-Luzern (2007 bis 2017), vor vier Jahren trat der rechte Rückraumspieler zurück. Mit 1599 Treffern in 303 NLA-Spielen steht er in der ewigen Torschützenliste auf Platz 12. Stankovic ist ein Mann der ersten Krienser NLA-Stunde, an der positiven Entwicklung war er massgeblich beteiligt. Zweimal stand er mit ihnen im Cup-Halbfinal, beide Partien wurden im Rahmen des Final-Four-Turniers in der Surseer Stadthalle ausgetragen. 2011 verlor Kriens-Luzern gegen Bern Muri mit 32:37, trotz zwölf Stankovic-Toren. «Ein paar Minuten vor Schluss habe ich noch einen Penalty verschossen. Die Halle war voll, die Stimmung gut, das waren schöne Momente. Bern war aber ein starker Gegner», erinnert er sich. Ein Jahr später war man an selber Stelle gegen Schaffhausen chancenlos (22:36-Niederlage). Danach schaffte es Kriens-Luzern 2018 nochmals in den Halbfinal, Endstation war Thun (20:26).

Nun folgt also die nächste Chance gegen den Aussenseiter aus Genf, der nach dem verschobenen NLB-Start fast ein halbes Jahr keinen Ernstkampf mehr bestritten hat. «Wenn wir die Konzentration hoch halten, werden wir gewinnen. Falls nicht, wird es schwierig. Denn während eines Spiels den Schalter umlegen, das geht nicht», sagt Assistenztrainer Thomas Zimmermann, der beim ersten Krienser Cup-Halbfinal vor zehn Jahren wie Stankovic als Spieler im Einsatz stand. Dass man Historisches schaffen könne, sei ihnen bewusst. «Wir sind nah am Titel, jetzt wollen wir ihn auch gewinnen.» Im Final wartet Schaffhausen oder Bern.

Schon einmal stand in Genf ein entscheidendes Spiel an

Speziell: In der ersten NLA-Saison der Krienser 2007/08 war auch Chênois in der höchsten Liga engagiert. Der Verband versuchte damals den Sport in der Westschweiz mit einer Wildcard zu pushen. Das letzte NLA-Spiel der hoffnungslos überforderten Genfer fand Ende Mai 2008 zu Hause gegen den HC Kriens statt. «Dieses Spiel war entscheidend für uns, wir brauchten einen Sieg, um nicht abzusteigen», erinnert sich Stankovic, der acht Tore zum 34:31-Erfolg beitrug. Danach verschwand Chênois aus dem Oberhaus, derweil sich Kriens nach vorne orientierte.

Sollte Kriens-Luzern den Finaleinzug schaffen, wird sich Stankovic die Partie anschauen, ansonsten hat er sich vom Handball zurückgezogen. «Ich erhole mich von meinen 20 Jahren als Profi», sagt er und lacht. Ein paar Spiele machte er letztes Jahr noch für den 2.-Ligisten Mutschellen. «Ich trainierte nur einmal pro Woche, zweimal zog ich mir Muskelverletzungen zu. Jetzt ist endgültig Schluss.» Stankovic wohnt in Obernau, ist Vater von zwei Kindern, arbeitet als Buschauffeur bei der VBL und spielt in seiner Freizeit gerne Firmenfussball. «Wenn der FC Luzern einen Innenverteidiger braucht», scherzt Stankovic, «dann bin bereit.»

Bisherige Halbfinals

2010/11: Bern Muri - Kriens-Luzern 37:32; beste Krienser Torschützen: Stankovic (12), Raemy (5).

2011/12: Kriens-Luzern - Kadetten SH 22:36; Stankovic, Baverud, Steiger (je 4).

2018/19: Wacker Thun - Kriens-LU 26:20; Gavranovic (5), Lengacher (4).