Die Krienser Fussballer müssen die Konkurrenz ziehen lassen

Der SC Kriens ist mit einer Niederlage vom Spitzenkampf aus Liechtenstein zurückgekehrt: 2:4 (0:0) gegen den FC Vaduz.

Turi Bucher
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Der Vaduzer Pius Dorn (links) ist in dieser Szene gegen den Krienser Omer Dzonlagic Herr der Lage. Michael Zanghellini/Freshfocus (Vaduz, 27. Juni 2020)

Der Vaduzer Pius Dorn (links) ist in dieser Szene gegen den Krienser Omer Dzonlagic Herr der Lage. Michael Zanghellini/Freshfocus (Vaduz, 27. Juni 2020)

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Das war’s dann wohl mit dem frechen Traum vom Barrage-Platz, dem frommen Wunsch nach zwei Aufstiegsspielen: Nach der 2:4-Niederlage beim FC Vaduz hat Kriens jetzt vier Punkte Rückstand auf den Widersacher aus Liechtenstein und auf die Grasshoppers.

Dieser Rückstand liesse sich in den restlichen zehn Runden zwar noch aufholen, denn – davon ist auszugehen – auch GC und die vom Ländle werden noch stolpern. Doch es macht schon ziemlich stark den Eindruck, dass die Innerschweizer derzeit in ihrem Spielerkader nicht über die Klasse und Reife verfügen, um GC und Vaduz Paroli zu bieten. Lassen wir uns überraschen.

In der ersten Halbzeit klug und clever

Die Krienser Mannschaft von Trainer Bruno Berner bot in Vaduz zumindest in der ersten Halbzeit eine taktisch kluge und disziplinierte Leistung. Bloss die durchaus clever ausgelösten Konterattacken wurden zu wenig konkret und konzentriert abgeschlossen. Doch Kriens hatte die Vaduzer im Griff, schränkte die Kreise von Spielmacher Tunahan Cicek so gut wie möglich ein. Erstaunlich: Aufgrund von Verletzungen, Sperren und Abwesenheiten waren die Krienser mit nur drei Ersatzspielern hinter die Grenze gereist.

Die Vaduzer Überlegenheit zeigte sich im Cornerverhältnis von 7:1 (am Schluss: 11:2). Kriens-Torhüter Pascal Brügger musste in der ersten Halbzeit zweimal rettend eingreifen: Nachdem Kriens-Verteidiger Liridon Berisha in der 14. Minute eine Vaduz-Flanke in den Strafraum unterlaufen hatte, parierte Brügger gegen Pius Dorn mit dem ausgestreckten Bein. Dorn hätte drei Meter vor dem SCK-Tor zwingend das 1:0 erzielen müssen. Und in der 38. Minute kratzte der SCK-Keeper einen Freistoss von Sandro Wieser aus 23 m Distanz aus der Ecke.

Und Kriens? «Wir hatten nicht viel», sagte Trainer Berner nach dem Mittwochspiel gegen Stade Lauanne-Ouchy (2:2) und meinte damit die eigenen Torchancen und Strafraumszenen. Es gab auch nicht viel in dieser ersten Halbzeit in Vaduz: Zwei harmlose Kopfballversuche von Abubakar (18.) und Sadrijaj (30.) sowie ein verunglückter Schuss von Follonier (31.).

Sechs Tore in der zweiten Halbzeit

So gut wie in der ersten Hälfte des Spiels verteidigten die Krienser nach der Pause bei weitem nicht mehr. Im Gegenteil: Vaduz gelang in der 53. Minute das 1:0, weil Follonier an der Strafraumseite eine Flanke zuliess und Verteidiger Robin Busset bei Dorns Kopfball lediglich Begleitschutz leistete. Coach Berner: «Es war eine Frage der Zeit, bis Vaduz ein Tor gelingt. Wir hätten schon mit 0:2 in die Pause gehen können. Wir waren klar unterlegen. Das ist die Realität und nichts anderes.»

Nicolae Milinceanus 2:0 nach einem schnellen Konter und einem Querpass von Cicek war dann schon die Vorentscheidung. Cicek sorgte mit einer Flanke, die sich unberührt ins Tor drehte, aus rund 30 Metern für das 3:0. Die Krienser Treffer zum 3:1 und 4:2 erzielten Enes Yesilçayir (76.) und Rrezart Hoxha (90.).

Nun müssen gegen Chiasso drei Punkte her

Kriens hat bereits am kommenden Mittwoch (18.15) das nächste Heimspiel: Personalmangel hin oder her, Barrage-Chance ja oder nein: Das Berner-Team muss gegen das untaugliche, letztplatzierte Chiasso Stolz zeigen und unbedingt drei Punkte holen. Vielleicht sogar mit einem Drei-Mann-Sturm? Hoxha drängte sich mit seinem herrlichen Auftritt zum 2:4 durchaus für eine solche Variante (mit Tadic und Abubakar) auf. Trainer Berner: «Gegen Chiasso wollen wir auf die Siegerstrasse zurückkehren. Das muss trotz dünnem Spielerkader möglich sein.»

Denn eines ist klar: Wenn Kriens gegen Chiasso kein Sieg gelingt, ist die Luft draussen, ist die Saison für den SCK gelaufen.

Vaduz – Kriens 4:2 (0:0)
Rheinpark. – 300 Zuschauer. – SR Kanagasingam.
Tore: 53. Dorn 1:0. 60. Milinceanu 2:0. 69. Cicek 3:0. 76. Yesilçayir 3:1. 78. Schmid 4:1. 90. Hoxha 4:2.
Vaduz: Büchel; Sülüngöz, Schmid, Simani; Dorn, Prokopic, Wieser (63. Gomes), Antoniazzi (46. Schwizer); Cicek (73. Frick); Coulibaly (70. Sutter), Milinceanu (70. Djokic).
Kriens: Brügger: Elvedi, Berisha, Busset; Bürgisser; Ulrich, Follonier (76. Wiget), Sadrijaj (68. Yesilçayir), Dzonlagic; Abubakar (72. Hoxha), Tadic.
Bemerkungen: Vaduz ohne Gajic, Gasser (beide verletzt) und Lüchinger (gesperrt). Kriens ohne Kukeli (Trainerkurs in Albanien), Teixeira, Costa, Mijatovic, Wiget, Fäh, Fanger (alle verletzt), Alessandrini (gesperrt), Urtic (nicht im Aufgebot), Siegrist und Osigwe (Verträge beendet). Verwarnungen: 19. Sadrijaj, 37. Antoniazzi, 39. Follonier, 68. Dzonlagic, 80. Simani (Fouls).