Interview

Kriens-Trainer Bruno Berner bekennt sich zu seinem Club – und wechselt nicht nach Luzern

Die Krienser Fussballer überwintern auf dem hervorragenden 3. Rang. Der Trainer wechselt nicht zum FC Luzern.

Turi Bucher
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Sorgt mit Kriens in der Challenge League für Aufsehen: Trainer Bruno Berner.

Sorgt mit Kriens in der Challenge League für Aufsehen: Trainer Bruno Berner.

Dominik Wunderli

Es war das Jahr 2012, als Kriens-Trainer Bruno Berner (42) seine Spielerkarriere in der englischen Premier League bei Leicester City beendete. Danach trainierte er während dreier Jahre beim FC Zürich die U15- und U18-Talente. Nach einem missglückten, halbjährigen Abstecher in die Promotion League zum FC Tuggen inklusive Abstieg unterschrieb Berner im Sommer 2017 beim SC Kriens. Er führte den SCK in die Challenge League, wo sein Team nun im zweiten Jahr direkt hinter Lausanne und GC auf dem nie erwarteten, hervorragenden 3. Tabellenplatz in die Winterpause geht. Logisch, wird Berners Arbeit in der Fussballschweiz registriert. Auch als Nachfolger von Luzerns Trainer Thomas Häberli wurde Berners Name oft genannt.

Werden Sie neuer Trainer beim FC Luzern oder nicht?

Bruno Berner: Ich und auch der SC Kriens haben bis zum 16. Dezember keine Anfrage eines Super-League-Clubs erhalten. Am 3. Januar 2020 ist für mich Trainingsstart mit dem SC Kriens.

Das ist ein klares Bekenntnis zum SCK.

Während dieser ganzen Zeit der Spekulationen bin ich nicht einen einzigen Breitengrad von meinem Fokus abgewichen. Dieser Fokus war auf die Kriens-Spiele gegen Wil und gegen Vaduz gerichtet.

Und trotzdem: Im Sommer werden Sie die Uefa-Pro-Lizenz-Urkunde in der Tasche haben. Die Krienser müssen sich langsam, aber sicher auf Ihren Abschied vorbereiten. Schon jetzt oder im Verlaufe der Rückrunde?

Ich bin dankbar für meine Aufgabe in Kriens, habe dazu auch noch mein Engagement beim Schweizer Fernsehen. Das müsste quasi schon ein sehr unmoralisches Angebot sein, wenn ich Kriens vorzeitig verlassen würde.

Als Fussballexperte demonstrieren Sie im TV-Studio immer wieder Ihre Redegewandtheit, Ihre Gabe, mit treffenden Worten über den Fussball hinaus zu blicken.

Ich hatte in meiner Karriere als Fussballprofi genug besessene Trainer. So will ich nicht sein. Man muss mit seinen Spielern oder eben als Fussballexperte im TV auch über das Leben sprechen können. Ich liebe den Fussball, aber ich will auch wissen und darüber reden, was auf unserem Planeten passiert.

Reden wir über die brillante Vorrunde des SC Kriens. Der SCK ist Dritter, aber Sie sprechen immer noch davon, den Abstieg zu verhindern. Warum?

Im Moment führen wir in der Challenge League das Mittelfeld an. Aber die Zeit, als wir im hinteren Mittelfeld platziert waren, ist noch nicht weit weg. Ja, zuletzt war ein Schweben, eine Leichtigkeit zu spüren. Aber es ist mir wichtig, dass wir nicht plötzlich eine Rolle an- und einnehmen, die wir nicht spielen können. Wir haben erst die halbe Saison hinter uns, und es gibt absolut keinen Grund für Hochmut.

Ihr Ziel für die Rückrunde? Aber argumentieren Sie jetzt bitte nicht mit dem berühmten «Prozess, in dem sich die Mannschaft befindet».

Wenn Kriens sich in den Top 5 platzieren kann, wäre das phänomenal. Je nachdem, was die Umstände mit sich bringen – Verletzte, Gesperrte, Abgänge –, wäre auch ein Rang 6 oder 7 gut.

Der Krienser Sportchef hat gute Transfers getätigt. Kukeli, Abubakar, Follonier und so weiter bringen ihr Können gut ein. Da darf man Kriens in der Tabelle ruhig ein bisschen weiter vorne ansiedeln, oder?

Aber: Wir arbeiten weiterhin nicht mit Profistrukturen. Diesbezüglich habe ich nach wie vor nicht dieselben Voraussetzungen wie andere Vereine und Trainer in der Challenge League. Umso bemerkenswerter ist die Leistung meiner Mannschaft. Ich weiss, Erwartungen steigen schnell und kosten nichts. Aber wir wollen achtsam, auf dem Boden bleiben. Wir sind Kriens und bleiben auch Kriens.

Wie ist es dem SCK gelungen, sich derart stark in der Challenge League zu etablieren?

Wir haben unsere Synergien gut genutzt. Herz, Kopf und Bauch bedacht entscheiden lassen. Auf dem Rasen sind wir beständiger. Wir gewinnen Spiele 2:1, die wir letzte Saison noch 1:2 verloren haben. Wir bestehen Prüfungen, wir verstehen unser Handwerk, streben die drei Punkte mutiger an. Ich persönlich konnte auch von meinem Co-Trainer Roland Widmer profitieren. Er ist ein ehemaliger NLA-Spieler, und die Diskussionen mit ihm bringen mich weiter. Ebenso die Gespräche mit meinem persönlichen Coach und der fussballerischen Bezugsperson Erich Föllmi.

Ihr Highlight, Ihre Enttäuschung der Vorrunde?

Das Highlight war die Heimpartie gegen die Grasshoppers vor über 3000 Zuschauern. Wir haben zwar verloren, waren aber ebenbürtig und haben für beste Unterhaltung gesorgt. In der Summe hat GC neunmal gewonnen, Kriens ebenfalls neunmal. Ärgerlich und frustrierend war, wie wir im Cup gegen Stade Lausanne-Ouchy nach einer 2:0-Führung noch ausgeschieden sind.

Was ist mit jenen Spielern, die nicht viel zum Einsatz kommen? Grosse Unzufriedenheit auf der Ersatzbank?

Hoffentlich! Unzufriedenheit, die sich in Hunger verwandeln muss. Jenen, die in der Vorrunde wenig gespielt haben, rufe ich zu: Am 3. Januar geht’s mit dem ersten Training wieder los!

Der Zuschauerdurchschnitt der Krienser Heimspiele liegt bei rund 1500 Besuchern. Enttäuschend?

Nein, das ist ein schöner Durchschnitt. Wir sind froh um jeden Zuschauer, der den Weg ins Stadion Kleinfeld findet. Dass zum Heimspiel gegen Leader Lausanne nur 1400 gekommen sind, hat mich ein wenig enttäuscht.

Ihr Trainervorbild?

Vielleicht Nigel Pearson, der 2009 bei Leicester City mein Trainer war und eben erst vom FC Watford engagiert wurde. Er hat damals die Mannschaft straff, aber enorm menschlich geführt. Carlo Ancelotti beeindruckt mich mit seiner Ruhe und Besonnenheit, Jürgen Klopp mit seinem Führungsstil und seiner Energie.

Wie feiern Sie Weihnachten?

Die Guetzli sind gebacken, die Märklin-Eisenbahn ist parat. Diese Woche wird familienintern besprochen, ob es auch noch irgendwohin in die Ferien geht.

Ihre Neujahrswünsche – sportlich und privat?

Sportlich wünsche ich mir ein starkes drittes Saisonviertel. Weiter will ich jetzt nicht denken. Wir wollen die 40-Punkte-Marke knacken. Und ich will das erste Spiel Ende Januar daheim gegen den FC Winterthur gewinnen. Privat wünsche ich mir Gesundheit und viel Freude für meine Lieben, meine Mitmenschen.

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