Krienser Handballer drehen Wahnsinnsspiel

Der HC Kriens-Luzern bezwingt Kadetten Schaffhausen nach einem dramatischen Spiel mit 27:26 und bejubelt zwei enorm wichtige Punkte. Der HCK taumelte, zeigte jedoch eine Riesenmoral und enormen Kampfgeist.

Benedikt Anderes / Hc Kriens-Luzern
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Tobias Baumgartner vom HC Kriens in Aktion. (Bild: Nadia Schärli)

Tobias Baumgartner vom HC Kriens in Aktion. (Bild: Nadia Schärli)

Kadettens bisherige Bilanz gegen Kriens war deutlich: In 24 Begegnungen nur drei Mal nicht gewonnen. Nur waren diesmal die Vorzeichen auf dem Papier doch etwas ungewohnt: Bei den Kadetten fehlten nicht weniger als 8 Stammspieler verletzt, beim HC Kriens-Luzern war neben Peter Schramm nun auch Luca Spengler nach erneuten Adduktorenproblemen im Dienstagstraining nur auf der Tribüne. 
Wer gedacht hätte, dass damit die Karten neu gemischt würden, sah sich aber getäuscht. Denn der HC Kriens-Luzern deckte «verhalten», um es anständig zu formulieren, liess den Gast nett gewähren und verpasste es vorne, für entsprechende Korrektur zu sorgen. Es kam, wie es kommen musste: Der Gast aus Schaffhausen setzte sich ab und schritt auch mit einem Mini-Kader dem sicheren Sieg entgegen. Auch wenn sich der HCK bemühte, den Kontakt zu halten. So richtig ans «Wunder» schien niemand zu glauben.

 

Thomas Hofstetter wird von zwei Gegenspielern in die Zange genommen. (Bild: Nadia Schärli)
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Thomas Hofstetter erzielte gegen den amtierenden Meister 4 Tore. (Bild: Nadia Schärli)
Nik Tominec gelangen gegen seine ehemaligen Teamkollegen 6 Tore. (Bild: Nadia Schärli)
Thomas Hofstetter kämpft um den Ball. (Bild: Nadia Schärli)
Tobias Baumgartner schliesst einen Angriff am Kreis ab. (Bild: Nadia Schärli)

Thomas Hofstetter wird von zwei Gegenspielern in die Zange genommen. (Bild: Nadia Schärli)

Weckruf des Trainers

Niemand? HCK-Trainer Heiko Grimm schon. Er wählte schon nach 19 Spielminuten mehr als nur deutliche Worte, stauchte sein Team auf dem Platz zusammen und versuchte, die «freundliche» Deckung endlich daran zu erinnern, dass hier Männerhandball gespielt werde.
Gebracht hat die Stammpauke auf dem Platz vorerst einmal einen ersten Schritt nach vorne: Das Team verlor den Kontakt zu Gegner nicht ganz, hielt den Rückstand in Grenzen, bis vor der Pause eine Reihe von unnötigen Fehlern vorne wie hinten an aufkommendes Desaster ankündigten. Grimm liess im Geräteraum Dampf ab, ehe er mit dem Team in der Garderobe sprach. Goldrichtig, offenbar, wählte er dort seine Worte. Denn wie schon gegen Holstebro im Europacup kam das Team gestärkt auf den Platz zurück.
Gestärkt genug, um die sich bietende Chance mit fortwährender Spieldauer zu nutzen. Denn die Schaffhauser liefen bald einmal auf dem Zahnfleisch, fanden nicht mehr zum druckvollen Spiel und hatten Mühe, zu Toren zu kommen.

Steigerung in der Defensive

«Schuld» daran war die HCK-Abwehr, die dem Meister nun auf Augenhöhe begegnete. Andi Portmann, der ins Tor zurückgekehrt war, hielt bravourös. Die Deckung vor ihm teilte (endlich) auch mal aus, was sie vorher nur eingesteckt hatte. Und plötzlich loderte das Feuer der Hoffnung: Ist da was zu machen?  Umso mehr, als nun plötzlich schnelle Gegenstösse glückten, als Angriffsaktionen erfolgreich abgeschlossen werden konnten, obschon die beiden nominellen Aufbauer links verletzt auf der Tribüne mitzitterten.
Der Rest des Spiels ist Dramatik pur. Wie es eben nur der Handball bietet: Mit 17:23 lag der HCK nach 43 Minuten hinten. Begann zu decken, zu treffen, zu fighten. Und als Andi Portmann mit einem Doppelsave dem Meister endgültig den Zahn gezogen hatte, behielt der HCK die Nerven: Auf 22:24 kam er ran nach 51 Minuten, ging 6 Minuten später erstmals mit drei Toren in Front und liess in der Folge nichts mehr anbrennen.

Die Linkshänder im HCK - gegen Amicitia noch gescholten - hinterliessen eine saubere Visitenkarte. Tominec (6) und Stankovic (6) brillierten in dieser hektischen Schlussphase mit Übersicht und wunderschönen Toren. Hofstetter hielt die Fäden auf Rückraum Mitte zusammen. Und der Rest des Teams ging auf der Bank mit, als ginge es um den Titel.

Schaffhausen am Ende mit den Kräften

Keine Frage: Heiko Grimm hatte sein HCK-Team gerade zum richtigen Zeitpunkt geweckt. Was hätte sich die Mannschaft geärgert, wenn sie an diesem Tag den Sieg über Kadetten nicht wahr gemacht hätte. Wohlwissend, dass der Meister auch bei vielen Verletzten nach wie vor über ein sehr gut besetztes Kader verfügt. Jetzt aber wurde die Luft dünn. Zu dünn in der Schlussphase für die Kadetten, die 4 Tage nach dem Champions League-Spiel in Ungarn mit 8 Feldspielern durchspielten - und ihr Schiff dabei auf Grund setzten. Und diese Chance hat der HC Kriens-Luzern beherzt genutzt, hat mit enormem Engagement und geschicktem Einsatz in der Schlussphase (zwei 'taktischen' Strafen) den Sieg festgekrallt und sehr viel geleistet dafür. Da nützten nicht mal mehr die Zusatzsekunden, welche Schaffhausen bei den Refs herausbettelte. 27:26 - Heimsieg für den HC Kriens-Luzern.

Letztlich waren die Schaffhauser davon ausgegangen, dass sie den Sieg in der Schlussphase dann schon noch holen würden. «Ich will gewinnen», hatte Kadettens verletzter Shooter Stojanovic seinen Teamkollegen 6 Minuten vor Spielschluss von der Seitenlinie zugerufen. «Schaffen wir - wir haben noch Zeit» war die Antwort vom Feld. Inzwischen wissen wir: Es hat nicht ganz geklappt. In der HCK-Kabine anschliessend die Emotionen hoch. Zu recht.
 
 

HC Kriens-Luzern - Kadetten Schaffhausen 27:26 (10:16)

Krauerhalle Kriens, 600 Zuschauer. SR Sager/Styger

Spielverlauf: 0:1, 1:1, 3:3, 3:6, 5:6, 6:9, 7:10, 8:12, 10:14, 10:16;11:16, 13:19, 14:20, 16:22, 17:23 (43.), 21:23 (49.), 22:24 (51.), 27:24 (58.), 27:26.

HC Kriens-Luzern: Portmann/Schelbert (20.-30.); Fellmann (3), Mühlebach, Weingartner, Blättler, Stojanovic (4/3), Baviera, Lima (1), Stankovic (6), Baumgartner (3), Hofstetter (4), Tominec (6).

Kadetten Schaffhausen: Portner/Maier/Puljezevic; Küttel, Riechwien (4), Graubner (5), Mamic (3), Geisser (1), Månsson (4), Doborac (4), Jurca (5/1), Cvijetic.

Bemerkungen: Kriens ohne Schramm, Kadetten ohne Liniger, Kukucka, Starczan, Pendic, Heer, Stojanovic, Schelbert (alle verletzt). Strafen: Kriens 3x2 Minuten. Kadetten 4x2 Minuten.