Krienser Handballer in die Ferien geschickt

St. Gallen setzte Kriens die Narrenkappe auf. Mit der 29:30-Niederlage verpasst Torben Winthers Truppe die Playoffs.

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Der Krienser Daniel Baverud wirft über die St. Galler Abwehr hinweg. (Bild: Keystone)

Der Krienser Daniel Baverud wirft über die St. Galler Abwehr hinweg. (Bild: Keystone)

Nein, Tränen flossen beim HC Kriens keine. Man nahm das Verdikt so gelassen entgegen wie so viele andere Demütigungen in dieser Saison. Kriens war auch am Dienstag ein Team ohne Innenleben, ohne Leidenschaft. Mit vier Toren hatte man zeitweise geführt, hochnäsig versucht, den Vorsprung zu verwalten. Aber St. Otmar spielte den Henker, offerierte nicht die geringsten Geschenke.

Nervosität bei Kriens? Das darf einer Mannschaft mit etwelchen finanziell gut dotierten Profis nicht passieren. Der Bammel, der Kriens schon bei den ersten Otmar-Annäherungsversuchen befiel, gründete in erster Linie auf einem fehlenden Konzept, ein Schlüsselspiel gegen einen guten, aber alles andere als überragenden Widersacher resolut über die Distanz zu bringen. Die Goalieparaden waren gestern bescheiden, Baverud, in den letzten Partien der Erfolgsgarant, verzettelte sich und häufte Fehlschüsse statt Tore, Stankovic, der Captain, war ein Mitläufer. Kein Zufall vielleicht, dass zwei Winzlinge in der Team-Hierarchie – Nyffenegger und Hess – noch die bemerkenswertesten Akzente setzten.

Der Luzerner Bojan Beljanski, rechts, im Kampf mit dem St. Galler Fabian Christ. (Bild: Keystone / Regina Kühne)
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Der St. Galler David Parolo, links, im Kampf mit dem Luzerner Sven Hess. (Bild: Keystone / Regina Kühne)
Der St. Galler Martin Engeler, rechts, im Kampf mit dem Luzerner Daniel Schmid. (Bild: Keystone / Regina Kühne)
Kein Durchkommen: Der St. Galler Alex Usik (Mitte) bleibt in der Abwehr von Daniel Schmid (links) und Fabio Baviera hängen. (Bild: Keystone / Regina Kühne)
Der St. Galler Raphael Liniger, rechts, schiesst über die Luzerner Abwehr. (Bild: Keystone / Regina Kühne)
Der Luzerner Daniel Baverud, links, wirft über die St. Galler Abwehr von Alex Usik, rechts, und Martin Engeler. (Bild: Keystone / Regina Kühne)
Der St. Galler Martin Engeler, rechts, im Kampf mit dem Luzerner Daniel Schmid (Bild: Keystone / Regina Kühne)
Der Luzerner Daniel Baverud, Mitte, wirft über die St. Galler Abwehr von Fabian Christ, unten, und Martin Engeler (Bild: Keystone / Regina Kühne)
Der St. Galler Alex Usik, rechts, versucht die Luzerner Abwehr zu bezwingen. (Bild: Keystone / Regina Kühne)
Der St.Galler Alex Usik, Mitte, wirft über die Luzerner Abwehr. (Bild: Keystone / Regina Kühne)
Der St. Galler David Parolo im Kampf mit dem Luzerner Sven Hess (vorne). (Bild: Keystone / Regina Kühne)
Der St. Galler David Parolo, Mitte, im Kampf mit dem Luzernern Fabio Baviera, links, und Boris Stankovic (Bild: Keystone / Regina Kühne)
Die St. Galler Martin Engeler, Mitte links, und Filip Pendic, Mitte rechts, im Kampf mit dem Luzernern Fabio Baviera, Mitte, links, und Daniel Schmid, rechts (Bild: Keystone / Regina Kühne)
Der St. Galler Martin Engeler, Mitte, beim Abschuss über die Luzerner Verteidiger. (Bild: Keystone / Regina Kühne)

Der Luzerner Bojan Beljanski, rechts, im Kampf mit dem St. Galler Fabian Christ. (Bild: Keystone / Regina Kühne)

Otmar liess nicht locker

Kriens verprasste nach der Pause in Minutenschnelle einen Zweitorevorsprung. Otmar roch den Braten, verwaltete seinerseits die knappe Führung mit Herzblut. «Wir haben gekämpft, alles gegeben», betonte Torben Winther – doch das war zu wenig. In der dramatischen Schlussphase, in welcher Kriens noch einmal alle Kräfte freisetzte, traf Baverud aus 20 Metern nur die Latte – Kriens war gefällt.

Die Fehlerquote sei einmal mehr zu hoch gewesen, ortete Winther den hauptsächlichen Schwachpunkt – als hätte Kriens in dieser Beziehung nicht schon die ganze Saison arg gesündigt. Vielleicht besser so, dass Kriens nicht mehr im Meisterrennen ist: In dieser Verfassung wäre das Team gegen Schaffhausen zum Schlachtlamm mutiert.

Neue Saison birgt Fragezeichen

Kriens muss seit gestern Abend eine völlig missratene Saison abhaken: Mit dem Einzug in die Playoffs, pardon in die Ferien, hat der in seiner Eigeneinschätzung für Höheres berufene Verein die minimale Saisonvorgabe klar verpasst.

Am administrativen Regiepult steht Vereinsmanager Nick Christen nun unter Hochspannung: Den Abgängen von Kreisläuferstar Beljanski, Mittelaufbauer Nyffenegger und Dani Schmid steht erst der Zuzug des ungeschliffenen Rohdiamanten Tobias Baumgartner (BSV Bern) gegenüber. Nick Christen macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: «Wir werden nächste Saison wohl kleinere Brötchen backen müssen.»
So gesehen hat das gestrige Desaster doch noch sein Gutes: Kriens bleibt nun viel, viel Zeit, die neue Saison zu planen. Die Vision indes, im Eilzugtempo die Schweizer Handballhierarchie zu brechen, ist definitiv gestorben.

Roland Bucher

St. Otmar St. Gallen HC Kriens 30:29 (14:16)

Kreuzbleiche. – 500 Zuschauer. – SR Meyer/Buache.

Strafen: 2-mal 2 Minuten plus rote Karte (Christ/60.) gegen St. Otmar St. Gallen, 2-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern.

St. Otmar St. Gallen: Isenrich/Kindler (ab 31.); Engeler (8/5), Pendic (3), Christ (1), Fröhlich (3), Wild, Liniger (5), Usik (5), Mathiessen (1), Parolo (4).

Kriens-Luzern: Aleksejew/Schelbert (ab 31.); Lengacher (1), Schmid, Baverud (7), Steiger (6), Raemy (3), Beljanski, Nyffenegger (5), Hess (3), Stankovic (4).

Bemerkungen: St. Otmar ohne Hojc. Kriens-Luzern ohne Fellmann, Willisch, Petrig (alle verletzt) und Hedin (Militär).