Krienser Handballer zeigen Kraftakt gegen den Meister

Kriens-Luzern gerät in Schieflage, lässt sich aber nicht unterkriegen und luchst Leader Kadetten Schaffhausen ein 24:24-Remis ab.

Stephan Santschi
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Der Krienser Tomas Piroch (Mitte) setzt sich entschlossen gegen die Schaffhauser Zarko Sesum und Zoran Markovic durch.

Der Krienser Tomas Piroch (Mitte) setzt sich entschlossen gegen die Schaffhauser Zarko Sesum und Zoran Markovic durch.

Bild: Patrick Hürlimann (Kriens, 21. Februar 2020)

900 Zuschauer, Saisonrekord. In der Krauerhalle in Kriens stimmte gestern der Rahmen für den NLA-Spitzenkampf zwischen dem drittrangierten Gastgeber Kriens-Luzern und dem Tabellenführer aus Schaffhausen. Enttäuscht werden sollten die Zaungäste nicht, die beiden Teams lieferten sich ein Duell, das am Ende an Spannung kaum zu überbieten war. Der Krienser Spielmacher Moritz Oertli glich eine halbe Minute vor Schluss mit einem kraftvollen Durchstoss zum 24:24 aus. Die Gäste nahmen ein Time-out, hatten noch 21 Sekunden Zeit, um mit dem letzten Angriff den Siegestreffer zu erzwingen.

Der Wurf aber blieb am Block hängen, der Ball tropfte Goalie Kayoum Eicher in den Schoss, der Punkt war gesichert. Die Fans auf der Tribüne bedankten sich mit Standing Ovations. Und die beiden Manager Nick Christen und David Graubner gaben sich ganz oben am Pressetisch die Hand, waren mit der Punkteteilung einverstanden.

Kriens-Luzern muss auf drei Kranke verzichten

Weniger glücklich waren die beiden mit der Qualität der Partie. Von Beginn war sie geprägt von ungewohnten technischen Fehlern und auch die Emotionen bewegten sich nicht auf einem Niveau, wie es ein Duell dieser Kragenweite erwarten lassen würde. Der Schweizer Meister aus Schaffhausen, der seit 17 Partien ungeschlagen ist, und letztmals Mitte September ausgerechnet in Kriens verlor (24:30), generierte etwas mehr Durchschlagskraft, ging mit einer 13:10-Führung in die Pause. Die Krienser, die wegen der krankheitsbedingten Absenzen von Spielmacher Tom Hofstetter, dem rechten Flügel Severin Ramseier und Goalie Paul Bar schon vor der Partie drei Rückschläge hatten hinnehmen müssen, taten sich vorab im Angriff schwer. Sinnbildlich hierfür war der Auftritt von Liga-Topskorer Hleb Harbuz, der für einmal nicht auf Touren kam. Als der Weissrusse in der 47. Minute nach einem Schlag ins Gesicht von Dimitrij Küttel mit einer roten Karte sogar vorzeitig unter die Dusche geschickt wurde, schien das Ungemach für das Heimteam seinen Lauf zu nehmen.

Doch die Ausgabe des HC Kriens-Luzern der Saison 2019/20 lässt sich nicht so schnell unterkriegen, was Trainer Goran Perkovac nach Spielschluss ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Er meinte:

«Ich bin sehr stolz auf den Charakter dieser Mannschaft. Sie schaut nicht auf Hindernisse oder Schwierigkeiten. Dieses Unentschieden fühlt sich wie ein Sieg an.»

Eicher hält stark, Rellstab liefert wichtige Tore

Kriens-Luzern kämpfte sich zurück in die Partie, verfügte über eine zunehmend kompakter werdende Defensive und mit dem 21-jährigen Eicher über einen Reservetorhüter, der seine Chance zu nutzen vermochte. Vorne übernahm der 18-jährige Tim Rellstab die Aufgabe von Harbuz im linken Aufbau und steuerte zwei Tore zur Aufholjagd bei. «Solche Spiele gewinnt man nicht auf dem Papier, sondern auf der Platte. Das haben wir zu wenig kapiert», haderte darum Schaffhausens Trainer Petr Hrachovec, während die Krienser ihr Comeback in der Kabine feierten.

Kriens-Luzern – Kadetten SH 24:24 (10:13)

900 Zuschauer. – SR Brunner/Salah. – Strafen: je 4-mal 2 Minuten.

Kriens-Luzern: Eicher (13 Paraden); Harbuz (2), Blättler (3/1), Piroch (5), Rellstab (3), Gavranovic (7), Oertli (2), Schlumpf (1), Delchiappo, Papez (1), Lavric. Kadetten Schaffhausen: Pilipovic (8)/Biosca (1); Ben Romdhane, Küttel (2), Csaszar (3), Schopper (1), Sesum (6/1), Gerbl (4), Markovic, Maros (3), Schelker, Frimmel (5), Tominec.

Bemerkungen: Pilipovic hält Penalty von Harbuz (22./9:10).
Kriens-Luzern hat am Freitagabend die Vertragsverlängerung mit Tomas Piroch bekannt gegeben. Die Zentralschweizer können den tschechischen Internationale um ein weiteres Jahr an sich binden.