HANDBALL
«Körpersprache und Ausstrahlung sind eine Katastrophe»: Kriens-Trainer Perkovac kritisiert sein Team nach der Niederlage scharf

Der HC Kriens-Luzern zerfällt in seine Einzelteile und verliert in Thun mit 25:32. Am Samstag spielt er in Sursee gegen das vorzeitige Saisonende.

Stephan Santschi
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Thuns Dario Lüthi (links) gegen Janus Lapajne.

Thuns Dario Lüthi (links) gegen Janus Lapajne.

Bild: Daniel Frank/PD (Kriens, 16. Mai 2021)

Konsternation. Resignation. Fassungslosigkeit. Die Art und Weise, wie sich der HC Kriens-Luzern derzeit präsentiert, gibt grosse Rätsel auf. Mit zwei souveränen Siegen legten die Zentralschweizer im Playoff-Viertelfinal gegen Wacker Thun vor, dann folgten zwei desolate Leistungen – eine am letzten Sonntag in Kriens (25:31), die zweite am Donnerstag in Thun, bei der 25:32-Niederlage. «Jeder spielt für sich, da ist kein Team mehr am Werk», sagte Trainer Goran Perkovac und wirkte ratlos.

Tatsächlich zerfiel sein Kriens-Luzern in Einzelteile. Zwar gelang ein Start nach Mass, nach sechs Minuten führte man mit 4:1. Bald aber drehte sich der Wind, Wacker fand zu seinem leidenschaftlichen Spiel und hatte bereits zur Pause klare Vorteile herausgearbeitet (17:13).

Krienser Frust wegen der Operation von Paul Bar

Nach dem Seitenwechsel ergaben sich die Luzerner ihrem Schicksal, anstatt im Stolz verletzt eine Reaktion zu zeigen. Ohne Spielfreude, ohne Entschlossenheit und ohne Solidarität ist in dieser Phase der Meisterschaft nichts zu holen. «Körpersprache und Ausstrahlung sind eine Katastrophe, es herrscht Verunsicherung», stellte Perkovac fest. Und dann sagte der Trainer etwas, das nur für Kopfschütteln sorgte:

«Paul Bar entschied vor Monaten, dass er am 20. Mai seine Schulter operieren lassen wird. Davon war er nicht mehr abzubringen. Wie er das Team im Stich lässt, ist eine Riesenenttäuschung.»

Der 20. Mai, das war der Donnerstag, und so fehlte neben Jernej Papez, der im März mit Hüftbeschwerden zurücktreten musste und Abwehrchef Aljaz Lavric, der im Cupfinal einen Nasenbeinbruch erlitt, auch die Nummer eins im Tor.

Dennoch hätten die Krienser mehr Gegenwehr leisten müssen, denn auch Thun hat personelle Sorgen, noch grössere als sein Gegenüber. Gleich sieben Akteure fielen aus, neu auch die Linkshänder Nicolas Raemy und Ron Delhees, sowie Abwehrpatron Stefan Huwyler. Kam hinzu, dass die Partie kurz vor der Absage stand, weil am Mittwochabend ein Thuner einen positiven Coronatest vorwies. Das Team verzog sich nach Hause in die Quarantäne und fand sich bereits mit dem Saisonende ab – aufgrund des Termindrucks wäre das Duell wohl mit 2:1-Siegen für Kriens-Luzern gewertet worden. Eine weitere Serie Tests, allesamt negativ, bewegten den Kantonsarzt am Donnerstagmittag, also nur wenige Stunden vor dem Anpfiff, schliesslich dazu, grünes Licht zu geben.

«Ich bin von unseren Profis enttäuscht»

Wacker Thun war fähig, die Widrigkeiten in positive Energie umzuwandeln und das Glück zu erzwingen. Die Rumpftruppe war Kriens-Luzern in allen Belangen überlegen, «vor allem von unseren Profis bin ich enttäuscht», betonte Perkovac. Hleb Harbuz trifft nach Belieben, allerdings nur vom Penaltypunkt, wenn ihm kein Gegenspieler zu Leibe rückt. Kreisläufer und Abwehrturm Filip Gavranovic ist nicht der Leader, der er als Captain sein müsste. Linkshänder Tomas Piroch, erst 20-jährig, kommt mit dem Druck nicht zu recht. Spielmacher Janus Lapajne versuchte das sinkende Schiff zu retten, brachte aber Hektik, keine Ruhe ins Spiel. «In einer Firma wirst du entlassen, wenn du Geld verdienst, aber keine Leistung bringst. Die Profis stehen nun in der Pflicht», bemerkte Perkovac mit Blick auf das fünfte und entscheidende Spiel am Samstag in Sursee (17.15 Uhr, live SRF info).

Dann wird sich zeigen, ob die Luft bei den Kriensern nach dem Schock des bitter verlorenen Cupfinals und den jüngsten Personalproblemen draussen ist. Oder ob sie mit dem Rücken zur Wand zum finalen Gegenschlag ausholen.

Handball-Playoffs

QHL. Viertelfinals. 4. Runde (best-of-5):
Wacker Thun (6.) – Kriens-Luzern (3.) 32:25 (17:13); Stand 2:2. – 5. Runde: Kriens-Luzern - Thun (Sa 17.15 Uhr, Stadthalle Sursee).

Wacker Thun - Kriens-Luzern 32:25 (17:13)
Lachenhalle. – 50 Zuschauer. – SR Jerggen/Zaugg. – Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Thun, 8-mal 2 Minuten gegen Kriens-LU.

Thun: Winkler (17 Paraden)/Wick; Felder (3 Tore), Chernov (1), Lüthi (2), von Deschwanden (7), Linder (10/6), Sorgen (2); Friedli (2), Guignet (2), Gruber (2), Bouilloux (1).

Kriens-Luzern: Eicher (6 Paraden)/Wenger (1); Wanner (2 Tore), Piroch (5), Lapajne (5), Harbuz (6/6), Schlumpf (1), Gavranovic (1), Delchiappo; Oertli, Rellstab (1), Blättler (3), Idrizi (1).

Bemerkungen: Thun ohne Raemy, Dähler, Delhees, Dannmeyer, Schwab, Wyttenbach (verletzt), Huwyler (krank). Kriens-Luzern ohne Papez (Rücktritt), Lavric, Bar (verletzt).