KUNSTRAD: Überrascht von der eigenen Qualifikation

Die 15-jährige Baarerin Alessa Hotz fährt für die Schweiz Ende Mai an die Junioren-Europameisterschaft nach Prag. Sie beherrscht etwas, das keine andere Athletin hierzulande kann.

Robert Stangier
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Alessa Hotz konkurriert mit drei Jahre älteren Athletinnen. (Bild: Rahel Lustenberger)

Alessa Hotz konkurriert mit drei Jahre älteren Athletinnen. (Bild: Rahel Lustenberger)

Robert Stangier

sport@zugerzeitung.ch

Seit 2008 kennt Alessa Hotz die Dorfmatt-Turnhalle in Baar in- und auswendig. Die Trainingshalle des ATB Baar ist für mindestens sechs Stunden pro Woche das temporäres Zuhause der Sekundarschülerin. Drei- bis viermal wöchentlich trainiert die 15-Jährige an ihren Elementen, Übergängen und Drehungen auf dem Kunstrad.

Hotz konnte in ihrer jungen Karriere viele Erfolge feiern. Der Gewinn der letztjährigen Schweizer U15-Meisterschaft und der Schweizer Rekord in der gleichen Kategorie mit über 120 Punkten sind nur zwei davon. Weiter beherrscht Hotz als einzige Schweizer Athletin den Handstand fahrend auf dem Kunstrad: Eine Höchstschwierigkeit, die jahrelange Übung braucht und auch mental viel fordert.

Nun hat sie sich für die Junioren-EM (U19) vom 26. und 27. Mai in Prag qualifiziert. Dass es damit schon in diesem Jahr geklappt hat, ist für Hotz, aber auch für ihre Trainerinnen Corina Kümin und Rahel Lustenberger eine Überraschung. «Wir wussten, dass Alessa in den engeren Favoritenkreis gehört. Mit der im Moment höchsten eingereichten Punktzahl von über 160 in der Kategorie U19 war sie von Beginn weg eine ernst zu nehmende Konkurrentin», erklärt Kümin. «Eine Überraschung war die Qualifikation deshalb, weil die bis zu drei Jahre ältere Konkurrenz die geforderten Leistungen nur bedingt zeigen konnten. So waren für Alessa die Türen für die EM geöffnet», führt sie aus. «Es freut uns umso mehr, dass Alessa dem mentalen Druck standgehalten und ihre Kür solide präsentiert hat.»

Nach dem letzten Qualifikationswettkampf am Swiss Cup vom 9. April in Baar zeigte sich die Athletin erleichtert: «Gehofft, dass es klappt mit der EM, habe ich schon. Zu wissen, dass ich nach Prag reisen kann und die Schweiz an der EM vertreten darf, erfüllt mich mit Stolz.»

Das Erlebnis geniessen

Die Ziele von Hotz am Wettkampf sind bescheiden. «Wenn ich zeigen kann, was ich kann, bin ich zufrieden. Die Medaillenplätze werden in diesem Jahr Österreich und Deutschland unter sich ausmachen», tippt die Baarerin, und erklärt weiter: «Für mich geht es vor allem darum, viele Erfahrungen zu sammeln und das Erlebnis EM zu geniessen.» In den nächsten Wochen geht es nun darum, die gezeigte Kür zu perfektionieren. Vor der Europameisterschaft steht dann noch ein weiterer Saisonhöhepunkt bevor: die Schweizer Meisterschaft in Mosnang vom 13. Mai.

Auf die Zukunft können sich Hotz und ihr Trainerteam freuen. Sie ist mit ihren erst 15 Jahren drei weitere Jahre an der Junioren-EM startberechtigt.