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KUNSTTURNEN: Mit 12 wurde sie noch belächelt

Giulia Steingruber (22) kehrte gestern aus Rio zurück. Die Bronzemedaille-Gewinnerin spricht im Interview über Zweifel, das Leben ohne Turnen und ein geplantes Tattoo.
Raya Badraun, Rio De Janeiro
Zahlreiche Fans empfingen gestern Giulia Steingruber mit ihrer Bronzemedaille am Flughafen Zürich-Kloten. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Zahlreiche Fans empfingen gestern Giulia Steingruber mit ihrer Bronzemedaille am Flughafen Zürich-Kloten. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Raya Badraun, Rio de Janeiro

Giulia Steingruber, in Rio holten Sie im Sprung Bronze. War die Medaillenübergabe so, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Giulia Steingruber: In der Realität ist es ganz anders. Wenn man davon träumt, ist das Podest weit weg. Plötzlich ist es ganz nah. Es ist unbeschreiblich, ein wunderschönes Gefühl.

Seit wann haben Sie von diesem Moment geträumt?

Steingruber: Als Kind habe ich jeweils am Fernsehen mitgefiebert. Wenn ich die Turnerinnen dann auf dem Podest sah, habe ich mir gesagt: Das will ich auch. Mit 12 Jahren habe ich an einem Podiumsgespräch gesagt, dass ich eine Olympiamedaille will. Alle haben mich belächelt. Nach sechs Jahren war ich schliesslich in London, und nun, vier Jahre später, darf ich eine Medaille mit nach Hause nehmen. Die Entwicklung ist unglaublich.

Bis zur Medaille war es ein langer Weg. Hatten Sie gezweifelt, dass der Traum noch Realität würde?

Steingruber: Zweifel gibt es immer wieder, gerade wenn man verletzt ist oder es im Training nicht gut läuft. Das gehört dazu. Am Ende ist entscheidend, dass man sich wieder aufrappelt. Das macht eine Kämpferin aus. Für eine solche Karriere braucht es neben dem grossen Willen jedoch auch Talent und etwas Glück. Das hat man auch bei mir gesehen. Am Sprung war ich perfekt, am Boden ging dann überhaupt nichts mehr. Am Ende kann ich jedoch sagen, dass es eine super Zeit war. Ich bin stolz und kann mit einem Lächeln nach Hause kommen.

Als Erinnerung an London haben Sie sich die Ringe und einen Schriftzug stechen lassen. Kommt nun ein weiteres Tattoo dazu?

Steingruber: Ich werde mir den Schriftzug «Rio 2016» stechen lassen. Ich habe mir auch überlegt, ein Tattoo von der Medaille zu machen. Sie würde aber wohl zu viel Platz einnehmen.

Worauf freuen Sie sich nach Ihrer Rückkehr in die Schweiz am meisten?

Steingruber: Auf mein Bett, das Essen von meinem Mami und die Erholung. Langsam ist die Müdigkeit da. Es ist wichtig, dass ich nun den Kopf ‹lüfte›. Nur so kann ich danach wieder mit dem Training beginnen.

Wie können Sie sich am besten erholen?

Steingruber: Indem ich das mache, was ich möchte. Manchmal liege ich einfach ein bisschen herum oder gehe mit Kollegen etwas trinken, die nichts mit dem Turnen zu tun haben. Das tönt vielleicht etwas komisch. Ich liebe das Turnen. Aber wenn ich mich erhole, dann habe ich turnfrei.

Können Sie nun auch wieder ‹sündigen›?

Steingruber: Damit habe ich gleich nach dem Bodenfinal angefangen. Bei der Feier im House of Switzerland gab es eine Torte, die mit den olympischen Ringen verziert war. Das war eine riesige Überraschung. Nach der Niederlage im Bodenfinal hat es gut getan, einen so positiven Abend zu verbringen.

Acht Jahre lang hat Sie Zoltan Jordanov in Magglingen trainiert. Wie erlebten Sie diese gemeinsame Zeit?

Steingruber: Am Anfang habe ich mich nicht besonders gut mit ihm verstanden. Ich war in der Pubertät und wollte meinen Kopf durchsetzen, Zoltan sein Programm. Das hat nicht zusammengepasst. Zudem ist ihm sehr wichtig, dass Turnerinnen zeigen, dass sie wollen. Das machte ich am Anfang nicht. Mein Weg hat sich einfach so ergeben. Ich habe Schritt für Schritt genommen und geschaut, wie weit ich komme. Im Leistungszentrum in Magglingen reicht das jedoch nicht.

Was hat sich danach verändert?

Steingruber: Mit der Zeit haben wir uns besser kennen gelernt und herausgefunden, wie wir miteinander umgehen müssen. Er weiss nun ganz genau, wann er sich zurückhalten und wann er mich pushen muss. Ich kann ihm sagen, wenn das Programm zu viel für mich ist. Dann passt er es an. Heute respektieren wir uns gegenseitig. Und ich muss sagen: Ich hatte noch nie so einen guten Trainer wie ihn.

Im kommenden Jahr beginnt ein neues Kapitel. Mit Fabien Martin erhalten Sie einen neuen Cheftrainer.

Steingruber: Ich bin gespannt auf die neue Zeit und freue mich darauf. Aber ich bin auch ein bisschen traurig über die Trennung von Zoltan. Doch es überwiegt nicht das Positive oder Negative. Es ist, wie es ist. Ich muss es so annehmen.

Hat der Schweizerische Turnverband Sie vor dem Wechsel gefragt, was Sie davon halten?

Steingruber: Dazu möchte ich mich lieber nicht äussern.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Steingruber: Nach dem Swiss Cup im Herbst nehme ich für zwei Monate eine Auszeit vom Turnen. Mit einer Kollegin reise ich durch Australien. Im Januar 2017 fange ich dann wieder mit dem Training an. Mein Ziel ist es, im Mehrkampf etwas weiter nach vorne zu kommen. Dafür muss ich an meiner Stabilität arbeiten und am Barren und Balken die Schwierigkeit erhöhen. Mal schauen, was dann möglich ist. An der WM in Montreal will ich wieder bereit ein.

Denken Sie schon über die WM hinaus?

Steingruber: Ich denke noch nicht ans Aufhören. Ein Leben ohne Turnen kann ich mir momentan nicht vorstellen. Ich kann aber auch nicht sagen, bis wann ich noch turnen werde. Die Olympischen Spiele 2020 sind momentan noch so weit weg. Um dort nochmals dabei zu sein, muss alles passen: Gesundheit, Freude, Motivation. Ich nehme nun Jahr für Jahr.

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