LANDHOCKEY: Leise Töne – grosse Taten

Jonathan Appel (18) steht an der Schwelle einer grossen Karriere. Der junge Luzerner verknüpft mit seinem Sport indes nicht nur den absoluten Leistungswillen, sondern auch sehr viel Spass.

Roland Bucher
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Jonathan Appel auf der Utenberg-Landhockey-Anlage. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 5. Mai 2017))

Jonathan Appel auf der Utenberg-Landhockey-Anlage. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 5. Mai 2017))

Roland Bucher

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Einer wie Jonathan Appel, schwärmt Bruno Affentranger, der Präsident der Hockeyabteilung des Luzerner SC, sei der Wunschspieler jeden Trainers. Fleissig, ehrgeizig, strebsam, polyvalent. Jung, dynamisch, mit dem Leadership behaftet. Jonathan Appel bedankt sich für die Flut an Komplimenten artig und sagt: «Solches zu hören, freut jeden Sportler.» Aber eigentlich fühle er sich im Rampenlicht nicht besonders wohl.

Nun, das kollegiale Lob und die präsidiale Anerkennung, das hat sich der junge Mann mit seinem steilen Karrierensprung selber eingebrockt. Noch vor einem Jahr skizzierte die Schweizer Hockey-Landkarte Jonathan Appel zwar als «aufstrebenden Mann für die Zukunft», doch die ganz besondere Begabung, welche im Luzerner schlummerte, die war dannzumal noch verborgen. Aber der Knopf ging im letzten Sommer definitiv auf, als der Captain der nationalen U18-Auswahl an der EM derart überzeugend auftrumpfte, dass sich flugs darauf der Trainer der Schweizer A-Nationalmannschaft meldete: «Johnny, ich brauche dich.»

Ein Bubentraum ging in Erfüllung

Inzwischen hat er bereits 12 Länderspiele für die Schweiz gespielt, und Jonathan Appel kommentiert – so tickt er halt – den Quantensprung ganz bescheiden: «Ich habe Glück, dass ich auf mehreren Positionen spielen kann. So bin ich halt in die Mannschaft gerutscht.» Der hockeypolyvalente LSC-Spieler kam als Notnagel ins Team, verdiente sich die Sporen als Verteidiger ab. Inzwischen ist er aus dem Nationalteam nicht mehr wegzudenken, und Jonathan Appel staunt: «Ich habe zwar schon immer hart auf dieses Ziel hingearbeitet, denn Hockey ist meine absolute Passion. Diesem Sport ordne ich im Moment alles unter. Aber plötzlich ging alles rasend schnell, dass ich es selber fast nicht glauben konnte.»

Jonathan sei, betont Bruno Affentranger, von jener raren Sorte, die das für diese Sportart so erforderliche taktische Feeling in die Wiege gelegt bekommen hätten: «Er ist für sein Alter unerhört weit, analysiert jede Spielsituation wie ein Routinier.» Der LSC-Leithammel käme im zentralen Aufbau am besten zur Geltung, steckt Affentranger die positionsmässigen Perspektiven von Jonathan Appel ab, und der bestätigt: «Ich stehe zwar nicht gerne im Mittelpunkt, das passt nicht zu meiner Art. Aber ich übernehme gerne Verantwortung, dirigiere, versuche zu helfen.» Deshalb sei er, der sich als Jung-Primarschüler in den Ostersportwochen der Stadt Luzern auch vom Tennis-Virus infizieren liess, schliesslich bei einer Mannschaftssportart gelandet: «Es ist eine unerhört wertvolle Lebensschule, gemeinsam ein Ziel abzustecken, alles dafür zu tun und schliesslich auch ernten zu können.»

Die Bundesliga ist sein Ziel

In einem Jahr wird Jonathan Appel seine Ausbildung als Hochbauzeichner beenden, dann kann er sich noch intensiver aufs Hockey fokussieren: «Wer als Hockeyaner etwas auf sich hält, der will in die Bundesliga, dort in grossen Stadien vor vielen tausend Fans beweisen, wie attraktiv diese Sportart ist.» In die Bundesliga – wie zum Beispiel sein früherer LSC-Jugendspielkamerad Jonathan Verest, der sich beim Spitzenverein Mannheim zum einem der besten Hockey-Keeper Europas weiterentwickeln möchte. Jonathan war kürzlich bei Jonathan zu Besuch, als sich Mannheim in den Achtelfinals der europäischen Hockey-League (vergleichbar mit den Champions League im Fussball) präsentierte: «Die Ambiance war sensationell, das will ich auch einmal als Spieler erleben.»

Tricks und Kniffs per Internet

Derweil die Hockeyaner in der Schweiz pekuniär nur Brosamen ernten, füllt sich in Deutschland das monatliche Lohnkässeli durchaus ansprechend: Wer zu den Leistungsträgern zählt, der heimst schon mal einen mittleren bis hohen vierstelligen Eurobetrag ein, die Crème de la Crème rückt bis ins fünfstellige Lohnniveau vor. Wer dank ausserordentlicher Klasse sogar auserkoren wird, als Weltstar in der indischen Hockeyliga ein Gastspiel zu geben, der kassiert in einem auf zwei Monate befristeten Ruckzuck-Championat sogar Beträge in der Grössenordnung von 100 000 Dollar. «Ein bisschen davon träumen darf man ja schliesslich.»

Doch solche finanzielle Aspekte spielen bei Jonathan Appel, der später die Matura nachholen und sich in der Architektur etablieren möchte, eine untergeordnete Rolle. In erster Linie zähle der Spass am Sport, die Faszination, welche das tempo- und facettenreiche, in seiner Entwicklung sehr rasante Hockey ausübe. Wen der «Gwunder» gepackt hat, wie diese spektakuläre Sportart funktioniert und was sie an spieltechnischen Dimensionen zu offerieren hat, der ist bei Jonathans (Appel und Verest) am richtigen Ort. Unter «hockeylive switzerland» haben die beiden jungen Hockey-Freaks grossartige Tricks und Kniffs aus der weiten Welt der Krummstock-Szene zusammengestellt. 4500 Abonnenten schauen regelmässig auf die professionell aufgemachte Plattform, besondere Highlights werden bis zu 200 000 Mal angeklickt. Schöner Zustupf fürs Sackgeld-Portemonnaie? Nein», lacht Jonathan Appel, «das ist Fun, nichts anderes. Und wir wollen auch nicht, dass uns dieses Engagement über den Kopf wächst.»

Denn: Diese Tricks und Kniffs will Jonathan Appel in Zukunft mit perfekter Ausführung selber auf dem Spielfeld zelebrieren und sich dann feiern lassen.